Wann sollten Eltern einschreiten – und wann ist Gelassenheit die bessere Reaktion?

Der Erziehungsalltag verlangt oft schnelle Entscheidungen: Innerhalb weniger Sekunden müssen Eltern abwägen, ob ein Verhalten sofortiges Einschreiten erfordert oder ob Gelassenheit der bessere Weg ist. Keine leichte Aufgabe. Dieser Beitrag gibt Orientierung, wie Sie klare Grenzen setzen, unnötige Konflikte vermeiden und Ihr Kind positiv begleiten können.

Wenn Kinder unliebsame Gewohnheiten haben, Schlampereien, Schimpfwörter, Streitereien, so möchten Eltern das verständlicherweise unterbinden. Wir erklären ihnen, warum sie was nicht tun sollen – und sie tun es doch! Dann fängt man an zu kritisieren und zu schimpfen, oder man denkt sich: ist ja nicht so schlimm, es wird schon vergehen – die Kinder denken sich: „Mama/Papa hat es nicht bemerkt“ oder „Wenn sie/er nichts tut, dann kann ich ja ruhig weiter machen“. Die Eltern fragen sich: „Soll ich mich in die „Wau-wau“-Rolle hinein drängen lassen? Oder lieber keine Aufmerksamkeit schenken?“

Konsequenz und Berechenbarkeit

Hin und wieder „Donnerwetter“, dazwischen tolerieren, ist eine ambivalente, inkonsequente Erziehungshaltung, die Kinder zum Austesten reizt. Konsequenz ist eine Erziehungshaltung, die gelernt werden kann und auch viel mit Selbstdisziplin zu tun hat. Wie soll man da noch locker bleiben? Fokussieren Sie auf die wichtigen Dinge und mischen Sie dazu ein wenig Humor.

Einmal tief durchatmen!

Es ist einfach und sehr hilfreich. Bevor Sie reagieren, atmen Sie einmal tief durch! Dadurch kommen Sie selbst zuerst in Ihre Mitte, danach ergibt sie die stimmige Reaktion wie von selbst.

Sofortiges Einschreiten

Manche Situationen erfordern sofortiges Einschreiten, vor allem, wenn es sich um Gefahren oder kindliche Aggressionen handelt. Es ist wichtig, klare Signale zu setzen und sich die nötige Zeit zu nehmen. Kinder müssen Verständnis, Konsequenz und Fairness spüren.

Wenn das Kind die Regeln kennt, dann brauchen wir nicht jedes Mal lange zu diskutieren.

„Fuß in die Tür“

Ist die Zeit nicht vorhanden, können wir vermerken: „Das finde ich nicht in Ordnung, denk darüber nach!“ Bis zur Nachbesprechung hat man auch Zeit, sich Gedanken zu machen, um besonnen und wirkungsvoll zu agieren.

Beobachten statt Einschreiten

Ist nichts Gravierendes passiert, können wir uns unnötiges Einschreiten sparen. Hilfreich ist allerdings, konkrete Beobachtungen zu registrieren, vielleicht auch Notizen zu machen.

Schreiben Sie auf was stört, aber auch was gut funktioniert.

Zur Nachbesprechung eignet sich, am Abend den Tag Revue passieren zu lassen: „Was hat dich gefreut? Was hat dich geärgert? Was ist dir gut gelungen? Was hast du bereut?“ Jetzt ist der Moment gekommen, das gute Verhalten zu würdigen, das schlechte zu erwähnen und mit dem Kind gemeinsam gute Vorsätze zu fassen.

Positives Feedback geben

Kinder sind überrascht und erfreut, wenn Eltern ihre guten Eigenschaften nicht als selbstverständlich abtun und sie merken, dass ihr Fehlverhalten nicht unbemerkt blieb. In einem konstruktiven Gespräch können sie Kritik auch leichter nehmen.

Ist es bei Ihnen nicht genauso?

Kinder lernen, dass Regeln auch dann gelten, wenn die Eltern nicht sofort zur Stelle sind. Mit positiver Motivation können wir Stärken stärken, Schwächen schwächen und das Kind als Partner gewinnen, um gute Eigenschaften und Gewohnheiten zu entwickeln. Dabei  schaffen und kultivieren wir eine freundliche Familienatmosphäre in welcher Vertrauen und Wohlwollen gedeihen können.

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Ein Artikel von

Portraitfoto Maria Neuberger-Schmidt

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