Vorbereitung auf Ostern: Die Fastenzeit gemeinsam als Familie erleben

Die Fastenzeit kann für uns als Familien eine besondere Zeit der Gnade und der bewussten Vorbereitung auf Ostern sein.

Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und dauert vierzig Tage – eine Zahl, die in der Bibel immer wieder für Zeiten der Prüfung, der Umkehr und der Nähe zu Gott steht. In dieser Zeit erinnert sich die Kirche an die vierzig Tage, die Jesus in der Wüste fastete.

Für Familien bietet diese Phase eine wertvolle Gelegenheit, den Glauben nicht nur individuell, sondern gemeinsam zu vertiefen und im Alltag konkret werden zu lassen.

Bewusst beginnen

Ein erster wichtiger Schritt ist, die Fastenzeit bewusst zu beginnen.

Traditionell kennt die Kirche drei Säulen der Fastenzeit:

  • Gebet 
  • Fasten
  • Almosen

 

Diese drei Bereiche können wir als Familie ganz konkret und kreativ in ihren Alltag integrieren.

Das Gebet

Beim Gebet kann es hilfreich sein, eine feste gemeinsame Zeit, vielleicht so wie im Advent einzuführen – vielleicht abends vor dem Schlafengehen oder sonntags nach dem Frühstück. Ein kurzes Evangelium des Tages zu lesen und darüber zu sprechen, fördert nicht nur das religiöse Verständnis der Kinder, sondern auch den Austausch in der Familie. Auch das gemeinsame Beten des Rosenkranzes oder eines Kreuzwegs – etwa am Freitag – kann eine wertvolle Erfahrung sein. Besonders in Verbindung mit der Betrachtung des Leidens Christi lernen Kinder, Mitgefühl und Dankbarkeit zu entwickeln. Es gibt bereits in einigen Pfarren die Tradition des Kinderkreuzweges.

Fasten als innere Haltung

Fasten bedeutet nicht nur Verzicht auf Süßigkeiten, Social Media oder Fernsehen, auch wenn solche konkreten Vorsätze für Kinder gut greifbar sind. Viel wichtiger ist die innere Haltung: Was hindert uns daran, Gott und einander näher zu sein? Vielleicht beschließt die Familie, bewusster miteinander umzugehen – weniger Streit, mehr Zuhören, weniger Handyzeit, mehr gemeinsame Gespräche.

Eltern können mit gutem Beispiel vorangehen, indem sie selbst auf etwas verzichten, das ihnen wichtig ist, und offen darüber sprechen, warum sie das tun. So lernen Kinder, dass Fasten kein Selbstzweck ist, sondern Raum schafft für das Wesentliche.

Almosen geben - Solidarität leben

Die dritte Säule, das Almosengeben, eröffnet den Blick über die eigene Familie hinaus. Gerade Kinder können hier viel lernen. Eine gemeinsame „Fastenbox“ in der Wohnung, in die regelmäßig ein kleiner Betrag gelegt wird – vielleicht das Geld, das durch den Verzicht auf Süßigkeiten gespart wird – macht Solidarität konkret. Am Ende der Fastenzeit kann das gesammelte Geld einer Hilfsorganisation oder jemandem konkreten, den man kennt und dem es momentan nicht gut geht, gespendet werden.

Auch kleine Gesten im Alltag zählen: dem alten Nachbarn zu helfen, jemanden besuchen, der allein ist, oder bewusst freundlich zu jemandem sein, der es schwer hat. So wird die Nächstenliebe, von der Jesus spricht, greifbar.

Vorbereitung auf das Sakrament der Versöhnung

Ein weiterer sinnvoller Weg, die Fastenzeit zu gestalten, ist die bewusste Vorbereitung auf das Sakrament der Versöhnung. Viele Pfarren bieten in dieser Zeit Beichtgelegenheiten an. Eltern, die selbst zur Beichte gehen, geben ein starkes Zeugnis. Sie zeigen ihren Kindern, dass Fehler zum Menschsein gehören, dass aber auch Vergebung und Neuanfang möglich sind. Eine ehrliche Gewissenserforschung – vielleicht gemeinsam in altersgerechter Form – kann helfen, das eigene Verhalten zu reflektieren und Schritte zur Veränderung zu setzen.

Zeit der Stille

Nicht zuletzt ist die Fastenzeit auch eine Zeit der Stille. In einer Welt voller Termine, Medien und Verpflichtungen kann es heilsam sein, bewusst Zeiten der Ruhe einzuplanen. Vielleicht verzichtet die Familie an einem Abend pro Woche auf Social Media, oder Youtube und nutzt die Zeit für ein gemeinsames Spiel, ein Gespräch oder das Lesen einer biblischen Geschichte. Solche Momente stärken nicht nur den Glauben, sondern auch den familiären Zusammenhalt.

Ostern bewusst feiern

Wenn schließlich Ostern naht, wird spürbar, dass die Mühe der Fastenzeit nicht leer war. Die Feier der Auferstehung Christi bekommt eine tiefere Bedeutung, wenn man sich bewusst vorbereitet hat. Die Freude über das neue Leben wird intensiver erlebt, weil man zuvor bewusst innegehalten und sich neu ausgerichtet hat.

So kann die Fastenzeit für uns als Familien zu einer echten geistlichen Reise werden: eine Zeit des bewussten Lebens, der Versöhnung, der Nächstenliebe und der Hoffnung. Indem Eltern und Kinder gemeinsam beten, verzichten und teilen, wächst nicht nur der persönliche Glaube, sondern auch die Liebe innerhalb der Familie.

Und genau darin liegt der eigentliche Sinn dieser vierzig Tage – dass Gott in der Mitte des Familienlebens neu Raum gewinnt und dass Ostern nicht nur ein weiteres Fest im Kalender bleibt, sondern eine erfahrbare Wirklichkeit in unseren Herzen wird.

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