Podcast: Mental Load - Unsichtbare Arbeit im Familienalltag erkennen

Mental Load ist die unsichtbare Planungsarbeit, die Familien am Laufen hält – und oft unbemerkt auf den Schultern einer Person lastet.

Im ersten Teil der vierteiligen Podcastreihe widmet sich Familienberaterin Barbara Grütze dem Kern des Mental-Load-Begriffs: der unsichtbaren Denk-, Planungs- und Organisationsarbeit, die den Familienalltag zusammenhält. Sie zeigt auf, wie sehr diese permanente geistige Verantwortung belastet – und wie selten sie überhaupt wahrgenommen wird.

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meinefamilie.at · Mental Load (1. Teil): Unsichtbare Arbeit im Familienalltag erkennen

An was habe ich heute schon alles gedacht?

Barbara lädt die Hörerinnen und Hörer ein, innezuhalten und sich bewusst zu machen, woran sie heute schon alles gedacht haben. Genau dieses ständige Vorausplanen, Koordinieren, Erinnern und Mitdenken beschreibt sie als Mental Load.

Es ist nicht das Tun selbst, das erschöpft – sondern das Denken davor:

  • Wer braucht wann was?
  • Was muss vorbereitet werden, damit morgen alles funktioniert?
  • Welche Termine stehen an?

 

Dieses „Familienmanagement“ bleibt meist unsichtbar, ist aber allgegenwärtig.

Es beginnt während der Schwangerschaft

Besonders häufig tragen Frauen diese mentale Last – nicht aus bösem Willen anderer, sondern aufgrund von Rollenbildern, Gewohnheiten und gesellschaftlichen Erwartungen. Barbara beschreibt eindrücklich, wie diese Dynamik schon in der Schwangerschaft beginnt und sich unbewusst verfestigt. Auch die Verteilung von Care-Arbeit und Teilzeitmodellen spielt eine große Rolle: Wer weniger Erwerbsarbeitsstunden hat, trägt oft automatisch den mentalen Gesamtüberblick über das Familienleben.

Delegieren alleine löst das Problem nicht

Ein wichtiger Punkt: Delegieren alleine löst keinen Mental Load. Denn wer delegiert, muss trotzdem planen, erinnern und koordinieren – und bleibt damit weiterhin in der Hauptverantwortung. Genau deshalb fühlen viele Betroffene, dass es „leichter ist, es selbst zu machen“.

Barbara betont außerdem, wie sehr Mental Load die Stimmung, Gesundheit und Paarbeziehung beeinflussen kann: Dauerstress, Gereiztheit, Schlafprobleme und das Gefühl permanenter Überforderung sind häufige Folgen. Gleichzeitig fühlen sich beide Partner oft unverstanden, weil ihre jeweilige Belastung nicht gesehen wird.

Sichtbarkeit, der erste Schritt zur Entlastung

Der erste Schritt zur Entlastung ist daher Sichtbarkeit: sich selbst bewusst machen, was man leistet – und diese Last auch gegenüber dem Partner oder der Partnerin benennen zu können. Als praktische Übung empfiehlt Barbara, bis zum nächsten Podcast eine Liste aller anfallenden Aufgaben zu erstellen: Wer macht was? Was wurde bewusst vereinbart – und was hat sich einfach so ergeben?

Diese Grundlage bildet die Basis für die nächsten Schritte, die in den weiteren Teilen der Reihe folgen: Priorisieren, Loslassen, Verteilen und langfristiges Entlasten.

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Portraitfoto Barbara Grütze

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