Podcast Mental Load reduzieren (Teil 3) - Abgeben heißt Verantwortung teilen
In Teil 3 unserer Mental‑Load‑Reihe geht es um den wahrscheinlich sensibelsten Teil des ganzen Themas: Wie sprechen wir darüber, ohne uns zu verletzen?
Wir tauchen ein in die Welt subjektiver Wahrnehmung, unbewusster Glaubenssätze und unterschiedlicher Erwartungen – und entdecken, warum „Hilfe“ nicht das Gleiche ist wie echte Verantwortungsübernahme.
Du erfährst, wie Loslassen gelingt, wie du Verantwortungsbereiche statt Einzelaufgaben abgibst und warum Kommunikation über Mental Load oft so emotional ist. Und natürlich bekommst du konkrete Impulse, die du sofort im Familienalltag anwenden kannst.
👉 Hier kannst du die Folge direkt anhören:
Wie Kommunikation hilft, Verantwortung wirklich zu teilen
Mental Load ist unsichtbare Arbeit – und genau deshalb so schwer zu benennen, zu erklären und fair zu verteilen.
Warum Kommunikation rund um Mental Load so leicht eskaliert
Viele Paare berichten, dass allein das Wort „Mental Load“ ausreicht, um Streit auszulösen. Das hat Gründe:
- Beide fühlen sich oft überlastet – aber aus unterschiedlichen Perspektiven.
- Jeder sieht vor allem das, was er oder sie leistet.
- Unter der Oberfläche liegen oft Glaubenssätze, Erwartungen und alte Muster.
- Kritik am Mental Load wird schnell als „Du machst zu wenig“ gehört.
Barbara Grütze beschreibt dieses Phänomen mit dem Bild zweier Eisberge:
Oben sichtbar ist das Verhalten – unten liegen Bedürfnisse, Kindheitserfahrungen, Werte und Ängste. Wenn wir über den sichtbaren Teil reden, wird der unsichtbare oft unbemerkt mitverhandelt.
Warum „Hilfe“ nicht entlastet – aber Verantwortung schon
Mental Load entsteht vor allem durch das, was uns im Kopf begleitet:
- Wer denkt an Termine?
- Wer plant voraus?
- Wer checkt, was gebraucht wird?
- Wer sorgt für Kontinuität?
Wenn nur die Ausführung, aber nicht die Planung abgegeben wird, bleibt die mentale Belastung – und damit die Erschöpfung – genau dort, wo sie vorher war.
Loslassen lernen – und warum es so schwer ist
Das Problem ist nicht nur die Menge an Aufgaben, sondern auch unser innerer Anspruch.
Viele von uns haben verinnerlicht:
- „Ich muss das perfekt machen.“
- „Ich bin verantwortlich, dass alles rundläuft.“
- „Sonst bin ich nicht gut genug.“
Diese Glaubenssätze machen Loslassen schwer. Aber gerade Loslassen ist der Schlüssel, bevor wir überhaupt sinnvoll über Verteilung sprechen können.
Loslassen bedeutet:
- Fehlertoleranz üben
- Kontrolle abgeben
- „Gut genug“ statt perfekt
- echte Entlastung zulassen
Erst wenn Aufgaben weniger aufgeladen sind, können sie überhaupt fair verteilt werden.
So gelingt der Dialog über Mental Load
Aus der Folge lassen sich klare Kommunikationsimpulse ableiten:
✔️ 1. Es gibt keine objektive Realität
Jede*r erlebt den Familienalltag anders – und das ist normal.
✔️ 2. Ich‑Botschaften statt Vorwürfe
„Ich fühle mich…“ wirkt anders als „Du machst nie…“.
✔️ 3. Verantwortungsbereiche statt To‑Dos teilen
Ein Bereich = Denken + Organisieren + Ausführen.
✔️ 4. Zeitressourcen realistisch betrachten
40-Stunden-Job vs. 20-Stunden-Job → beide bringen unterschiedlich viel Kapazität ein.
✔️ 5. Regelmäßig abstimmen
Kurze wöchentliche „Familien‑Stand-ups“ wirken Wunder.
Wenn Kommunikation nicht weiterführt
Manchmal steckt hinter der Mental‑Load‑Diskussion etwas Tieferes:
- das Gefühl, nicht gesehen zu werden
- alte Verletzungen
- Angst, es nie richtig zu machen
- Überforderung auf beiden Seiten
Dann kann externe Unterstützung sinnvoll sein – Beratung, Mediation oder ein moderiertes Gespräch. Nicht, weil die Beziehung „schlecht“ ist, sondern weil Mental Load oft ein Stellvertreterthema für tieferliegende Muster ist.
