Fankult bei den Kindern: Positiv oder negativ?

Irgendwann ist es so weit: Es gibt die eine Person – meist ein Popstar – der im Kinder- oder Jugendzimmer Einzug hält und alles dominiert. Wie geht man als Elternteil damit um?

Womöglich ist es dazu – vorausgeschickt – nicht schlecht, sich an die eigene Kindheit oder – noch deutlich besser – an die eigene Jugend zu erinnern. Wer waren die eigenen Stars? Michael Jackson, Prince, Madonna oder sonstige Popstars?

Egal wer das Idol war, man erinnert sich dann recht rasch daran, wie es damals war.

Diese Person wurde maßlos überhöht, sei es wegen des guten Aussehens, wegen der vermeintlichen Makellosigkeit oder auch wegen zugeschriebenen unbändigen Talents oder Genies.

 

"Früher war alles besser"

Als Elternteil mit einer gewissen Lebenserfahrung und in einem gewissen Alter geht man dann fast unweigerlich in die Falle. In die „Früher-war-alles-Besser-Falle“. Prince war ein Genie, die heutigen Trap-Rapper sind es eher nicht. Auch wenn sich darüber natürlich diskutieren ließe und womöglich aus meiner ganz subjektiven Sicht ein Fünkchen Wahrheit dran ist: Darum geht es nicht. Es geht um das Gefühl, um die Zeit, um die Funktionen dieser Idole und Stars, um die ein regelrechts Fan-Kult eingerichtet wird.

 

Was sind die Stars also und schaden sie Kindern und Jugendlichen?

Sie sind vor allem eines: Anders. Sie sind schöner, talentierter, vielseitig begabter und vieles mehr. Dass dahinter eine riesige Maschinerie steht, die fieberhaft daran arbeitet, genau das glaubhaft zu machen, versteht man als junger Mensch nicht oder nur unzureichend. Man sieht nur das „Produkt“, das zielgruppenpassgenau den Weg in die eigenen vier Wände findet.

Tatsächlich gibt es also Kippmomente: Wird dieser Star zu sehr idealisiert, ist es schwer eigene Ideale herauszubilden. Wie könnte man auch, weil dieser Mensch auf einem Podest so weit entfernt ist und so weit über einem steht? Das nennt sich dann „Besessenheit“, also eine übersteigerte Beschäftigung mit dem Star, die so weit geht, dass man diesem vermeintlich idealen Leben mehr Wert beimisst als dem eigenen Dasein. Man investiert mehr Energie darin, jedes Schnipsel, jede Haltung und jedes Wort des Stars aufzusaugen als in die Achtsamkeit seines eigenen Lebens gegenüber.

 

Was steht dahinter?

Ich glaube also, dass man seinen Kindern vor allem eines beibringen muss: Den Blick hinter die Kulissen. Den kalten, analytischen Blick auf die Superstars der Vergangenheit und der Gegenwart. Denn was bleibt, wenn diese Inszenierung wegfällt, diese Bildergeklimper? Genau: Die Art und Weise, wie dieses generiert wird und wie Musik verkauft werden kann.

Was lässt sich also beispielsweise von einem Superstar lernen – etwa von Madonna oder Beyoncé?

Vielleicht das: Beide sind hervorragende Unternehmerinnen, selbstbestimmte Frauen und wissen genau, was sie tun. Sie verlassen sich dabei in den seltensten Fällen nur auf sich und haben doch untrügliche Instinkte. Sie sind als sowohl geniale Geschäftsfrauen und Unternehmerinnen als auch Team-Playerinnen.

Stars sind also nicht per se schlecht.

Man kann wertvolle Dinge von ihnen lernen. Denn in der Tat sind sie eines: Erfolgreicher als ein großer Teil der Menschen. So etwas wie moderne Superhelden. Es lohnt sich jedoch, die Bedingungen dahinter anzusehen. Die Art und Weise, wie sie funktionieren, die Strukturen. Nach den Gründe zu fragen, warum die eine „Marke“ funktioniert und die andere lediglich eine Nische bedient und aus dieser nicht herauskommt.

Natürlich darf man aber auch – zumal in einem bestimmten Alter oder in einer konkreten Lebensphase – mit einem verklärten Blick die Dinge betrachten.

Natürlich darf der Star in gewisser Weise auch idealisiert und verehrt werden. Wichtig ist dabei das Maß, das Augenmaß und die Balance. Als Eltern hat man die Aufgabe, den Star ein wenig vom hohen Ross herunterzuholen, alles ins rechte Licht zu rücken und auch mal Einspruch zu erheben, wenn es zu viel wird. Per se „verteufeln“ sollte man es aber nicht. Denn es kann, wie oben beschrieben, auch der eine oder andere Lerneffekt für den Nachwuchs geben, wenn man sich genauer mit dem Wesen dieser oder jener Superstar-Person beschäftigt.

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