Ein Stück zu Hause: Die Bedeutung von Oma und Opa

Fragt man die Kinder, ob sie gerne bei Oma und Opa sind, kommen Antworten wie: „Bei Oma darf ich alles tun“ und „Oma kocht mir immer mein Lieblingsessen“. Aber auch weniger positives hört man: „Opa macht erst was mit mir, wenn er die ganze Zeitung gelesen hat “ und  „Bei Oma und Opa riecht es komisch“.  

Egal wie wir die Antworten interpretieren, gewiss ist, dass Enkel und Großeltern vom Kontakt zueinander profitieren. 

Wie  profitieren Kinder vom Kontakt mit Oma und Opa?

#1. Ein frühes Fenster zur Welt

Die Großeltern sind (natürlich nicht immer) die ersten Bezugspersonen abgesehen von den Eltern. Die Kleinen erfahren emotionale Sicherheit und viel Liebe, sie lernen, dass sie anderen Menschen vertrauen können, wie Beziehungen funktionieren und sind mit neuen Regeln und Traditionen konfrontiert.

Somit öffnen Opa und Oma ein erstes Fenster zu Welt außerhalb des Elternhauses.

#2. Anpassung an andere Grundsätze

Bei den Großeltern gelten andere Regeln, manche sind strenger als zuhause, manches wird lockerer gesehen. Kinder lernen schnell, sich anzupassen und flexibel damit umzugehen. Bei Oma darf man vom Abendessen aufstehen, sobald der Hunger gestillt ist, und spielen gehen. Mama und Papa hingegen möchten, dass der Nachwuchs noch am Tisch sitzen bleibt und die Familienmahlzeit gemeinsam beendet wird.  Manche Regel wird exakt die selbe sein – beispielsweise, dass immer ein Helm getragen werden muss, sobald das Kind ein Gefährt mit Rädern oder Rollen benutzt.
Oma und Opa mögen fest gelegten Rituale haben, die sie für ihre Enkel nicht aufgeben wollen. Der Umgang damit lehrt den Kindern Geduld, die Fähigkeit andere Regeln und Grenzen zu respektieren und vor allem, dass jeder Mensch anders ist.


#3. Uneingeschränkte Aufmerksamkeit

Im stressigen Familienalltag, zwischen Arbeit, Kindergarten und Schule, einkaufen, waschen, putzen (und was halt noch zu erledigen ist), fehlt es manchmal an ausreichend Zeit für die Kinder.

Großeltern hingegen bieten uneingeschränkte Zuwendung.

Viele Großeltern sind schon in Pension. Selbst wenn sie noch erwerbstätig sind bekommen die Enkel vielmals uneingeschränkte Aufmerksamkeit.


#4. Großeltern sind entspannter

Besonders für größere Kinder oder Teenager sind Großeltern verlässliche Ansprechpartner. Sie stehen außerhalb des Alltags- und Schulsystems. Ihr Verhältnis dazu ist entspannter und ihr Blick darauf distanzierter. Mit mehr Lebenserfahrung und dem nötigen Abstand lässt sich manches Problem, das im Leben des Enkels gerade für Stress sorgt, lösen.

Oft dürfen die Kinder bei den Großeltern „einfach sein“

- ohne große Pläne, ohne durchgetaktete Freizeit, ohne Lernpensum und ohne Leistungsdruck.


#5. Großeltern zeigen eine andere Lebensweise

Oma und Opa sind oft in einer Zeit des Mangels aufgewachsen, d.h. sie haben früh gelernt, aus wenig viel zu machen und scheuen keine zusätzliche Arbeit. Sie kochen beispielsweise anders, als wir das tun. Bei Oma gibt es oft Kartoffeln, Kraut (das erklärt  den „seltsamen“ Geruch) und selten Fleisch.

Und wenn die Enkel da sind gibt es: Nudeln mit Bolognesesauce.  Sehr zur Freude vom Opa.

Viele Dinge werden aufgehoben, weil man sie  ja „noch brauchen könnte“. Vieles wird repariert und nicht gleich neu gekauft.  Ich sehe es als Benefit, dass meine Kinder Einblick in eine Lebensrealität erhalten, in der man gut leben kann, ohne alles neu zu bekommen und wo man sich ganz selbstverständlich mehr Gedanken über Ressourcenverschwendung macht.

 

#6. Freizeitbeschäftigungen und andere Hobbies

Durch die Großeltern lernen Kinder neue Aktivitäten kennen und können diesen gemeinsam mit den Großeltern ausgiebig nachgehen:  Opa hat eine voll eingerichtete Werkstatt und kennt sich mit Bienen und Blumen im Garten aus. Er hat eine umfangreiche Bibliothek, in der es mittlerweile eine „Kinderabteilung“ gibt.  Oma wiederum geht gerne ins klassische Konzert und (Kinder-)Theater und  kann stricken. Beide gehen gerne spazieren, Ski fahren und Golfen.

Nicht jedes Hobby mag für jedes Kind ansprechend sein, aber alleine die Möglichkeiten, das alles kennenzulernen ist doch toll. Im Gegensatz zu unseren Großeltern (und heute vielleicht Urgroßeltern) sind Oma und Opa heute fit genug für Ausflüge und Unternehmungen.

 

#7. Enkel lernen Rücksichtnahme und selbstverständliche Hilfestellung

Mit zunehmenden Alter nimmt die körperliche Fitness bei den Großeltern ab, vielleicht sehen sie schlecht, hinken beim Gehen oder können nicht mehr auf eine Leiter steigen.  Kinder lernen im Umgang mit den Großeltern ganz selbstverständlich Rücksicht zu nehmen (warten mit dem Roller auf die langsame Oma), geben Hilfestellung beim Lesen von Kleingedrucktem, helfen beim Zuknöpfen der Bluse und später beim Einrichten des Handies.

 

Wie profitieren die Großeltern von den Enkeln?

Ein regelmäßiger Kontakt zu den Enkeln führt zu Stressabbau, zu mehr geistiger und körperlicher Aktivität bei Oma und Opa.  Er wirkt sich auf die Psyche und das Sozialverhalten aus. Studien haben gezeigt, dass sich der Kontakt zu den Kindern sogar auf die Lebensdauer positiv auswirkt.

Die Enkelkinder bringen Abwechslung in den Alltag und beugen Einsamkeit vor.

Großeltern genießen es, wenn sie sich um jemanden kümmern können, wenn Ansprache da ist und sie von jemanden „soooo lieb gehabt werden.“ Die Kinder zeigen den Großeltern den Umgang mit dem Handy  und WhatsApp.

Fragt man die Großeltern, ob sie gerne bei den Enkelkinder sind, kommen Antworten wie: „Sie sind so witzig und fröhlich, das tut mir gut“, „Ich mag das Vorlesen und Kuscheln so gerne“ und „Endlich verstehe ich, was ein Influencer ist. Aber wer braucht das schon?“.

 

Eltern und Großeltern ticken (meist) anders

Natürlich gibt es unterschiedliche Ansichten in der Erziehung, die Großeltern haben bei den eigenen Kindern vieles anders gemacht als wir Eltern es heute machen. Wahrscheinlich haben sie aber auch vieles durchgemacht, das auf uns Eltern erst noch zukommt. Klare Kommunikation, Verständnis von beiden Seiten, manchmal ein Kompromiss – ich glaube, dass dann alle von der Beziehung zu Oma und Opa profitieren. Es bringt sowohl den Großeltern, Eltern als auch den Kindern viel Liebe, Entlastung und Lebensfreude.


Zwei Menschen mehr, die meine Kinder lieb haben  

Großeltern vermitteln Kontinuität, geben ihre Werte weiter und öffnen Kindern einen ersten Blick in eine andere Lebenswelt. Im Idealfall achten die Großeltern auf eine Balance zwischen den eigenen Bedürfnissen und ihrem Energievorrat und der Zeit mit den Enkeln. Sie bieten verlässliche, liebevolle Unterstützung, ohne dabei die Erziehungsarbeit zu übernehmen.

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