Die unsichtbare Fürsorge: Warum Kinder oft nicht sehen, was wir tun

Aus der Serie „Erziehung ist (k)ein Kinderspiel!.

„Ich muss wohl eine schreckliche Mutter sein!“

Mit diesen Worten beklagte sich die Mutter bei der Großmutter, die nach dem Abendessen gerade die Küche sauber machte. Worauf diese ehrlich antwortete: „Du bis die beste Mutter, die sich deine Kinder wünschen könnten!“

Was ist passiert?

Wie üblich gab die Mutter nach dem Abendessen den Kindern, 4 und 7 Jahre alt, das Bad. Als es um das Haare waschen ging, fing die Kleine, anders als sonst, zu Brüllen an und schrie nach dem Papa, der heute Abend ausgegangen war, was selten vorkam. Sie ließ sich nicht trösten, sondern schrie und verweigerte die Zusammenarbeit. Das war für die junge Mutter frustrierend, denn sie versuchte immer, ihr Bestes zu geben. Nach diesem emotionalen Tief und kurzem Auftanken bei ihrer Mutter ging sie wieder ins Badezimmer. Langsam beruhigte sich das Mädchen, ließ sich ordentlich die Zähne putzen und erhielt wie üblich ihre Gutenachtgeschichte vor dem Schlafengehen.

Papa hat die besseren Karten

Im Grunde haben die Kinder zu beiden Eltern eine sehr gute Beziehung, aber wenn es drauf ankommt, dann hat in dieser Familie der Papa die besseren Karten. Er ist kreativ, lustig, zugewandt, kann aber auch Grenzen setzen, die meist von ihm besser angenommen werden als von der Mama. Das tut ihr weh, weil es ihr ungerecht vorkommt, denn sie engagiert sich nicht minder und ihr Beitrag zum Familienbudget ist entscheidend.

Auch das Setting arbeitet zu seinen Gunsten. Er macht Homeoffice, ist daher meist der Erste, der da ist, um die Kinder zu begrüßen, wenn Oma sie nach Hause bringt und sie von ihm herzlich begrüßt und umarmt werden. Mama kommt etwas später von ihrem anstrengenden Beruf nach Hause. Sie bemüht sich, vor dem gemeinsamen Abendessen da zu sein, das Gottseidank fertig auf sie wartet. Die Kinder haben beim Essen zubereiten zugeguckt, manchmal sogar geholfen, beim Aufdecken jedenfalls. All diese Aktivitäten stärken die Bindung. Mama anerkennt die Kochkünste ihres Gatten, er anerkennt, wie tüchtig sie im Beruf ist. Dass sie sich später um die saubere Wäsche kümmert, bekommen die Kinder meist nicht mit, da sie zu diesem Zeitpunkt schon schlafen.

Tipp: Überlegen Sie sich, welche Aktivitäten zu Ihrem Zeitplan und Ihren Stärken und Vorlieben passen, um einen Ausgleich zu schaffen, der das Familienleben auf natürliche Weise ergänzt und die Beziehung zu Ihren Kindern bereichert.

„Habt keine Angst, euch unbeliebt zu machen!“

Wenn es um das Grenzen setzen geht, dann kontern Kinder gern mit „Du bist eine böse Mama!“ oder auch Papa. Wenn Sie guten Grund haben, einmal Nein zu sagen, dann ist Konsequenz angesagt, durchaus mit Einfühlungsvermögen. Aber verunsichern sollten Sie sich durch starke Sprüche Ihrer Sprösslinge keinesfalls lassen. Konflikte dürfen sein, wenn sie fair und respektvoll ausgetragen werden. Kinder lernen, damit umzugehen und es stärkt ihre Frustrationstoleranz, ein wichtiger Beitrag zur Erziehung.

Jeder Elternteil hat seine eigene Persönlichkeit, und das ist OK

Natürlich versuchen wir, unser Bestes zu geben, aber wir müssen uns nicht verbiegen. Humor kann oft helfen, aber wir müssen nicht um jeden Preis den Clown machen, wenn uns nicht danach zumute ist oder es vielleicht gar nicht zur Situation passt. Und schon gar nicht sollten wir in heimliche Konkurrenz zueinander gehen „Wer ist der bessere Elternteil?“

So, wie wir sind, sind wir OK.

Wenn wir als Eltern einander in unseren Unterschiedlichkeiten, vielleicht auch Schwächen, in Liebe annehmen, dann geben wir unseren Kindern das beste Beispiel und sie werden lernen, es ebenso zu tun.

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Ein Artikel von

Portraitfoto Maria Neuberger-Schmidt

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