Überforderung und Frust: Alkoholiker in der Familie

Viele Familien leiden unter dem Alkoholkonsum eines oder mehrerer Familienmitglieder. Wie stark der Rest der Familie davon emotional betroffen ist, hängt auch vom Naheverhältnis ab.

Viele Familien leiden unter dem Alkoholkonsum eines oder mehrerer Familienmitglieder. Wie stark der Rest der Familie davon emotional betroffen ist, hängt nicht so sehr davon ab, ob Mutter, Vater oder andere Verwandte trinken. Entscheidend ist vielmehr, wie nahe sich diese Personen stehen. Daher werden in diesem Beitrag, ungeachtet der verwendeten Form, Männer genauso wie Frauen angesprochen.

Hilflosigkeit und Überforderung

Häufig tragen Angehörige von Alkoholikern eine enorme Last. Vor allem, wenn sie das Problem als solches erkannt haben, übernehmen sie für den Betroffenen häufig dessen Aufgaben innerhalb der Familie, zeigen vielleicht sogar Verständnis für sein Trinkverhalten oder entschuldigen seine Handlungen vor Anderen. Die Angehörigen versuchen das Problem selbst unter Kontrolle zu bringen, indem sie, z.B. diskutieren, bitten, unter Druck setzen, ja sogar selbst mittrinken oder Alkohol wegleeren, damit ihn der Abhängige nicht mehr konsumieren kann. Ein Auf und Ab von Hoffnung und darauffolgender Enttäuschung ist beinahe vorprogrammiert. Meistens ist dieses Thema auch so von Scham besetzt, dass mit niemandem darüber geredet wird. Oft kommt es dabei zu Abschottung, innerem Rückzug und Gefühlen der Überforderung, Frustration, Wut und Ohnmacht.

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Für Kinder unzumutbur

Vor allem Kindern fällt es schwer das veränderte Verhalten des trinkenden Familienmitglieds  einzuordnen. Sie haben auch oft noch nicht die Fähigkeit ihre Gefühle oder Sorgen diesbezüglich angemessen auszudrücken oder überhaupt zu deuten. Unabhängig davon, ob Kinder den betrunkenen Zustand miterleben oder nicht, merken sie sehr wohl, wenn innerhalb der Familie, auf deren Liebe sie angewiesen sind, etwas nicht stimmt.

Erste Schritte

Als erster Schritt für Angehörige ist es wichtig zu erkennen, dass sie selbst den Konsum des Alkoholikers nicht direkt beeinflussen können. Er muss sein Trinkverhalten auch selbst ändern wollen. Sie sollten weder für den Betroffenen lügen oder sein Alkoholproblem verheimlichen, noch weiterhin für ihn Aufgaben übernehmen, die er aufgrund des Alkoholkonsums nicht mehr erfüllen kann. Denn solange das Leben des Betroffenen mit Alkohol auch gut funktioniert, gibt es für ihn keinen Grund etwas daran zu ändern.

Angehörige von Alkoholikern sind mit ihren Problemen nicht alleine. Selbsthilfegruppen und Beratungsgespräche, z.B. unter www.alkoholhilfe.at, bieten Austausch und kompetente Unterstützung dabei, einen angemessenen Umgang mit der Alkoholkrankheit eines geliebten Familienmitglieds zu finden.

Jeder von uns hat es verdient, glücklich zu sein. Gerade auch dann, wenn einer unserer Angehörigen ein Alkoholproblem hat.

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Ein Artikel von

Portraitfoto Melanie Scheucher

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