Mit TCM gut durch heiße Sommertage – 5 ganzheitliche Tipps für die ganze Familie
Bei den aktuellen Temperaturen wünschen wir uns alle nur eines: Abkühlung! Der Griff nach kalten Getränken, Obst, rohem Gemüse und Eis ist daher nur verständlich. Dennoch empfiehlt die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) gerade an heißen Tagen einen etwas anderen Umgang mit Ernährung. Warum das so ist und welche Empfehlungen die TCM für heiße Sommertage bereithält erfährt ihr in diesem Beitrag.
Mit Traditioneller Chinesischer Medizin verbinden viele von uns vor allem Akupunktur. Neben Akupunktur und Kräuterheilkunde zählen jedoch auch chinesische Diätetik, die Bewegungsformen Qigong und Taiji-Quan sowie Tuina-Massage dazu.
Fünf ganzheitliche Tipps, die dabei helfen können, heiße Tage angenehmer zu gestalten.
Die fünf Elemente
Die Basis der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) bilden die fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser. Jedem dieser Elemente werden zwei innere Organe sowie ein Sinnesorgan zugeordnet. Auch sind den fünf Elementen Emotionen, Jahreszeiten und Lebensphasen zugehörig.
Sommer – Das Feuer-Element
Der Sommer gehört zum Element FEUER. Dieses steht für Wachstum, Lebensfreude und Aktivität. Dem Feuer-Element werden die Organe Herz und Dünndarm sowie Herzbeutel (Perikard) und Dreifacher Erwärmer zugeordnet. Diese sind jedoch nicht 1:1 mit den Organen im Sinne der westlichen Medizin gleichzusetzen. Vielmehr beschreiben sie in der TCM sogenannte Funktionskreise, die neben den Organen selbst auch verschiedene körperliche Funktionen, den Energiefluss sowie emotionale und geistige Aspekte umfassen.
Ziel der TCM ist ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Aktivität (Yang) und Ruhe (Yin) sowie ein freier Fluss der Lebensenergie (Qi). Gerät dieses Gleichgewicht aus Sicht der TCM aus dem Gleichgewicht, können unterschiedliche Beschwerden auftreten. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Schlafprobleme, innere Unruhe, Hitzegefühle, Entzündungsneigung, Verdauungsbeschwerden sowie verstärktes Schwitzen oder Hautprobleme werden in der TCM unter anderem mit einem Ungleichgewicht des Feuer-Elements in Verbindung gebracht. Diese Beschwerden können jedoch viele verschiedene Ursachen haben und sollten bei anhaltenden oder starken Symptomen ärztlich abgeklärt werden.
Was mich persönlich an der Traditionellen Chinesischen Medizin fasziniert, ist ihr individueller ganzheitlicher Blick auf den Menschen. Jeder Mensch ist einzigartig, und genau so sorgfältig und differenziert erfolgt auch die Diagnose nach den Prinzipien der TCM. So können Empfehlungen, die aufgrund der Jahreszeit passen, für einen selbst gerade nicht so förderlich wirken. Allgemein wird daher empfohlen, sich sehr abwechslungsreich zu ernähren.
Wie Lebensmittel auf unseren Körper wirken
In der TCM hat jedes Nahrungsmittel – zusätzlich zu Vitaminen oder Ballaststoffen – eine thermische Wirkung auf den Körper. Im Sommer werden vor allem kühlende Lebensmittel empfohlen. Dabei können auch gekochte Speisen nach den Prinzipien der TCM eine thermisch kühlende Wirkung haben. Genauso wie thermisch erwärmend oder heiß wirkende Fleischarten, Gemüse- und Obstsorten durch die Art der Zubereitung kühlender wirken können.
Alles, was gegrillt, scharf angebraten oder lange im Ofen geschmort wird, gilt in der TCM als thermisch erwärmend und ist die ideale Art, Speisen im Winter zuzubereiten. Im Sommer rät die TCM zu gedünstetem Gemüse, Kompotten oder Suppen, um den Flüssigkeitsverlust beim Schwitzen wieder ausgleichen zu können.
Große Mengen an Eis, eiskalten Getränken oder überwiegend roher Kost gelten jedoch als Belastung für die „Mitte“. Damit sind in der TCM Milz und Magen sowie ihre Verdauungsfunktion (Element Erde) gemeint. Gerade bei Kindern ist diese noch nicht vollständig ausgereift. Empfohlen werden daher leicht verdauliche Speisen, die möglichst frisch gekocht und eher lauwarm gegessen werden.
So können z. B. Salate bekömmlicher zubereitet werden, indem statt Blattsalaten vorgekochte Lebensmittel als Salat angerichtet werden. Wie z. B. Linsen-Salat mit Hirse, gebratenem Gemüse und Feta. Oder Blattsalate wie Chicorée und Radicchio auch leicht angebraten und als Gemüsebeilage gegessen werden. Genauso ist es möglich, Tomaten und Wassermelone kurz auf den Griller zu legen. So sind sie leichter verdaulich und dennoch von der Wirkung her kühlend.
Erfrischende und kühlende Nahrungsmittel
Die Wirkweise von Nahrungsmitteln ist sehr kompliziert. Am leichtesten lässt sich diese in käuflich erwerbbaren Ernährungstabellen nachlesen. Anfängern in der TCM wird meist zur Faustregel „saisonale und regionale Ernährung“ geraten. Alles, was in unserer Gegend im Moment natürlich wächst, tut unserem Körper gut.
Im Sommer sind das neben allen Formen von Beeren auch Marillen, Pfirsiche, Melonen und Zitrusfrüchte. Beim Gemüse sind dies wasserhaltige Gemüsearten wie Zucchini, Gurken und Tomaten, aber auch rote Paprika, Erbsen und Mais. Zu den empfohlenen Getreidearten gehören Hirse und Buchweizen sowie auch Reis und Quinoa. Bei den Kräutern und Salaten setzen Ernährungsberater im Sommer auf Minze, Rucola, Chicorée und Radicchio.
Diese Lebensmittel wirken in der TCM neutral, erfrischend oder kalt und unterstützen aus Sicht der TCM dabei, überschüssige Hitze auszugleichen. Gleichzeitig bewahren sie unter anderem die Körpersäfte und unterstützen so den Flüssigkeitshaushalt. Wobei der Begriff „Körpersäfte bewahren“ vor allem bedeutet, den Verlust von Flüssigkeit und Yin durch Schwitzen zu verringern bzw. auszugleichen. Dadurch sollen Beschwerden wie Müdigkeit, Unruhe, Mundtrockenheit oder Erschöpfung an heißen Tagen vermieden werden.
Rezepte für heiße Tage
Die folgenden Rezepte stammen von den TCM-Ernährungsberaterinnen Petra Paumann und Nina Mandl, die ich persönlich kenne. Beide haben ihre Rezepte freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Die ausgewählten Rezepte eignen sich besonders für Familien mit Klein- und Schulkindern.
- Hirse mit Apfel und Granola eignet sich gut als warmes Frühstück oder süße Nachmittagsjause.
Hier geht es zum Rezept von Petra Paumann - Haferflocken-Bananen-Pancakes lassen sich auch gut in der Jausen Box mitnehmen.
Hier geht es zum Rezept von Petra Paumann - Der sommerliche Quinoa-Zucchini-Salat mit Marillen und Minze lässt sich auch am nächsten Tag noch gut essen.
Hier geht es zum Rezept von Nina Mandl - Und die Quinoa-Zucchini-Karotten-Laibchen schmecken auch kalt in der Jausen Box oder am nächsten Tag gut.
Hier geht es zum Rezept von Nina Mandl
5 Tipps für einen stabilen Kreislauf sowie entspannten Schlaf
Bitte setzen Sie folgende Tipps aus meiner Lebenspraxis und 30-jähriger Erfahrung als „TCM-Patientin“ mit Hausverstand ein. Die folgenden Empfehlungen beruhen auf den Grundsätzen der Traditionellen Chinesischen Medizin und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bitte wenden Sie sich bei länger andauernden oder starken Beschwerden an den Haus-, Kinder- oder Notarzt. Für eine individuell genaue Diagnose nach TCM finden Sie beim Dachverband für chinesische Medizin seriöse TCM-Ärzte in ganz Österreich.
#1 Viel trinken
Da der Körper zum Aufwärmen eiskalter Getränke auf Körpertemperatur auch Energie verbraucht sowie unser Verdauungsfeuer abkühlt und damit unser Milz Qi schwächt, empfiehlt die TCM, lauwarme Getränke zu sich zu nehmen. Von der Thermik her kühlend wirken Pfefferminz Tee, Melissen Tee, Hibiskus Tee oder Zitronenverbene sowie Griechische Bergkräuter. Für unsere Kleinen kann ich selbst gemachten Eistee aus Hibiskus Tee empfehlen.
#2 Rosmarintee
Er gilt in der TCM und Volksheilkunde als kreislaufanregend und eignet sich daher ideal für Nicht-Kaffeetrinker. Ich trinke ihn immer bei Detox-Kuren, wenn auf Kaffee und Schwarztee verzichtet werden soll. Dazu einfach einen Teelöffel Rosmarin (aus dem Gewürzpäckchen) in eine Tasse geben, mit kochendem Wasser aufgießen und ein paar Minuten ziehen lassen. Da Rosmarintee jedoch auch trocknend und erhitzend wirkt, wird empfohlen, diesen nur in kleinen Mengen zu trinken.
#3 Akupunkturpunkte
Was mir persönlich immer gegen leichten Schwindel aufgrund der Hitze hilft, ist der Akupunkturpunkt Ren 26. Er liegt genau in der Mitte, in der Vertiefung der Rinne zwischen Nase und Oberlippe. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird dieser Punkt unter anderem bei Kreislaufschwäche und Ohnmachtsneigung, Bewusstseinsstörungen, akuten Schockzuständen oder neben den üblichen Erste-Hilfe-Maßnahmen als Notfallpunkt bei einem Kollaps angewendet.
Als ich noch als Pädagogin in den Basalen Förderklassen arbeitete, setzten wir diesen Akupunkturpunkt auch als Notfallpunkt bei epileptischen Anfällen ein. Zumindest so lange, bis wir laut medizinischer Anweisung von Eltern und behandelnden Ärzten Anfallsmedikamente geben durften.
#4 Fußbäder
Fußbäder gelten in der TCM und Volksheilkunde als wohltuende Anwendung. Je nach Temperatur werden ihnen unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben. Während kalte Fußbäder den Kreislauf anregen, wirken warme Fußbäder am Abend entspannend und eignen sich vor dem Schlafen gehen gut, um den Tag ausklingen zu lassen. Vor allem bei durch Hitze ausgelöster Unruhe und Schlaflosigkeit. Je nach Belieben kann auch grobes Salz oder Salzbäder aus dem Reformhaus dazugefügt werden.
Als unser Sohn klein war, machte ich an manchen Tagen ein Ritual daraus, seine sandigen Füße vom Park mit einem Fußbad zu reinigen, anstatt diese einfach in der Dusche abzubrausen.
#5 Dinkelwasser
Nach den Empfehlungen der TCM kann Dinkelwasser bei leichten Schlafproblemen an heißen Tagen unterstützend eingesetzt werden. Hier empfiehlt Ernährungsberaterin Nina Mandl Dinkelwasser vor dem Schlafen gehen zu trinken. Die dabei übrig bleibenden Dinkelkörner können in einem Salat oder als Suppeneinlage weiterverwendet werden.
Quellen
Nina Mandl: Nina's TCM Foodblog
Petra Paumann: TCM-Ernährungsberatung
