Kleine Schritte, großer Effekt: Gesunde Ernährung als Familienprojekt
Muffins, Kekse, Pommes. Kein Vater und kein Mutter mag bei diesen Klassikern ein Spielverderber sein. Doch wie kommuniziert man es, dass es gesündere und bessere Alternativen gäbe?
"Klassiker" auf dem Prüfstand
Gelegenheiten, bei denen es diese Speisen gibt, sind wahrlich omnipräsent. Erst kürzlich wieder: Eine Lehrerin kommt aus der Karenz zurück. Was wäre dafür angebracht? Natürlich: Muffins, die zuhause selbst gebacken und dann in der Schule genüsslich verzehrt werden. Ein weiterer Aspekt: Der Advent, in dessen Zeitraum Kekse wahrlich an jeder Ecke zu haben sind. Nicht zu vergessen auch noch: Nuggets und Pommes, wenn es um Kindergeburtstage geht oder um den einen oder anderen Besuch bei Events für Kinder.
Die Menge macht das Gift.
Süßes ist selbstverständlich!
Nichts von den genannten Gerichten und Speisen ist per se verdammenswert. Problematisch ist aber durchaus die Selbstverständlichkeit, mit der diese regelmäßig und als ganz normal aufgetischt werden. Mehr noch: Zum Teil zu gewissen Kontexten gehörend, zu gewissen Ritualen, zu gewissen Festen. Je mehr diese Gerichte aber mit bestimmten – meist positiv konnotierten – Kontexten verbunden sind, desto schwerer ist es, den Genuss ebenjener einzuschränken.
Ja natürlich: Kinder und auch Jugendliche sollen bis zu einem gewissen Grad sorglos agieren können. Es ist vermessen, alles zu verbieten, alles zu verteufeln und ab sofort nur noch Gemüse, hochwertiges Fleisch oder auch proteinhalte Gerichte oder Superfoods aufzutischen. Aber dennoch, davon bin ich überzeugt, lohnt es sich, dieses Thema dezent, aber nachhaltig und immer wieder – sprichwörtlich und tatsächlich – auf den Mittagstisch zu bringen. Notfalls halt mit kleinen Tricks und Spielereien, etwa in Bezug darauf, das Gemüse gut zu „verpacken“.
Wird ungesundes Essen unterschätzt?
Doch um diese Tricks soll es hier eigentlich gar nicht gehen. Wichtiger ist mir, das Thema überhaupt aufs Tapet zu bringen und zu thematisieren, wie sorglos wir als Gesellschaft mit Zucker und Fett umgehen. Ganz so, als ginge es nicht ohne. Ganz so, als gehörten sie zum guten Ton und zu positiven Ereignissen. Quasi um sich zu belohnen. Doch die Belohnung ist trügerisch: Es ist der kurze kulinarische „Lustkick“, der schnell ins Gegenteil umschlägt: Nämlich über längere Zeit betrachtet zu Unwohlgefühl und nicht zuletzt zu sichtbaren körperlichen Folgen, die ebenfalls nicht zur guten Laune beitragen. Warum also diesem kurzen „Kick“ den Vorzug geben gegenüber Lebensmitteln, die einem langfristig gesehen gut tun?
Gesund tut gut!
Dazu gilt es vor allem mit einem Vorurteil aufzuräumen: Gesund schmeckt nicht. Das Gegenteil ist wahr: Gesund schmeckt besser, tut besser, ist besser. Damit Kinder und Jugendliche das aber auch erkennen, gilt es den Geschmack gewisser erst zu ermöglichen bzw. anzuerziehen. Wie sollen Kinder etwas schmecken und beurteilen können, das sie gar nicht kennen und von den Eltern oder Schulen oder in sonstigen Umfeldern gar nicht serviert bekommen? Zudem sind oftmals „schlechte“ Lebensmittel voll von künstlichen Aromen. Zudem führt der übermäßige Zuckerkonsum dazu, dass man sich an zu viel Zucker gewöhnt und ein weniger an Zucker als geschmacklos und „nicht gut“ bewertet wird.
Eltern sind mehr als nur Vorbilder
Ich bleibe also dabei: Eltern haben diesbezüglich nicht nur eine Vorbildwirkung, was die eigene Ernährung betrifft, sondern gewissermaßen einen ganz handfesten „Bildungsauftrag“. Sie müssen dafür sorgen – nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, lieber mit dem geschwungenen Kochlöffel – dass gute und gesunde Gerichte in frisch gekochter Form auf den Tisch kommen. Noch besser ist in dieser Sache das gemeinsame Kochen, vorbereiten, herrichten und einkaufen. Denn nichts prägt das Bewusstsein so sehr, als die Lebensmittel zu kennen, zu erkennen, zu schmecken und zu verstehen. Das „Schritt für Schritt“ erkennen, was wie wo und warum hergestellt wird, führt dazu, dass Kinder und Jugendliche auf eine wichtige und richtige Weise „heikel“ sind: Sie lehnen später intuitiv ab, was ihnen nicht gut tut und präferieren die „richtigen“ Lebensmittel. Was natürlich nicht heißen muss, dass nicht ab und zu auch ein Muffin oder Pommes sein dürfen.
