3. August 2020

Was tun, wenn Kinder lügen?

Was tun, wenn Kinder lügen

Harmlose, unerklärliche Dinge, die im Alltag passieren, werden bei uns immer dem Pumuckl zugeschrieben. Oft müssen auch Kuscheltiere dafür gerade stehen.

Doch was tun, wenn es zur Schädigung teurer Gegenstände kommt, oder gar zur Verletzung anderer Kinder? Wie lange sind kleine Flunkereien harmlos und ab wann besteht Handlungsbedarf?

Im Gespräch mit Mareike Krieger

In welchen Situationen und warum lügen Kinder? Das kann vielfältige Gründe haben. Zum Beispiel aus einem Schamgefühl heraus, weil sie nicht „geschimpft werden“ wollen oder aus Angst vor einer Strafe. Es kann zur Ablenkung dienen, wenn ihnen bewusst ist, dass sie etwas falsch gemacht haben, ähnlich wie bei einem Erwachsenen. Dann dient es dazu den Selbstwert zu schützen und ist eine Vermeidungslüge.

Es kann aber auch der Phantasie entspringen und lustvoll empfunden werden, den anderen hinters Licht zu führen, oder mit einer Angeber-Lüge zu prahlen.

Doch auch „gute Gründe“ – wie jemanden schützen zu wollen – können zu einer Lüge führen. Wenn man z.B. den eigenen Freund nicht verraten will oder der Hexe nicht verrät wo sich der Kasperl versteckt. Natürlich ahmen Kinder auch uns Erwachsene nach, wenn wir es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Eine große Rolle spielt immer die Situation und der Entwicklungsstand des Kindes. In der magischen Phase (3-6 Jahre) wird oft Kuscheltieren die „Schuld“ zugeschrieben. Dies hat jedoch nichts mit Lügen zu tun, sondern hängt in diesem Alter mit der speziellen Art zu denken zusammen, in der Realität und Fantasie noch sehr nahe beisammen liegen.

Gehören kleine Notlügen zum Entwicklungsprozess oder sind sie ein Grund zur Sorge?

Schwindeln gehört zur Entwicklung eines Kindes dazu. Es ist keineswegs ein Grund zur Sorge, wenn dies ab und zu geschieht. Kinder haben viel Phantasie und je nach kognitivem Entwicklungsstand des Kindes, hat das Lügen, Schwindeln oder Erzählen von Phantasiegeschichten eine andere Bedeutung. Ab welchem Alter können Kinder überhaupt bewusst lügen? Wenn dreijährige Kinder etwas erzählen, das nicht der Wahrheit entspricht, entsteht dies aus dem magischen Denken heraus. Es ist ihnen nicht bewusst, dass dies nicht stimmt. Erst ab dem fünften Lebensjahr ist es Kindern kognitiv möglich gezielt zu lügen. Dies geht mit der Entwicklung der sozialen Intelligenz einher. Meist steckt jedoch keine böswillige Absicht dahinter, sondern die Kinder probieren aus, wie weit Grenzen verschoben werden können.

Wie sollen Eltern damit umgehen?

Ich würde empfehlen zu überlegen, warum das Kind lügt oder geschwindelt hat und darauf einzugehen. Denn es hat meist immer einen Grund, warum es lügt. Wenn sich das Kind davor fürchtet bestraft zu werden oder sich schämt, dann ist es wichtig ihm zu vermitteln, dass es mit der Wahrheit immer besser fährt. Die Eltern sollten unbedingt honorieren, wenn ein Kind sich traut die Wahrheit zu sagen, sei sie auch noch so unangenehm. Dem Kind sollte auch im Gespräch klar gemacht werden, dass das Lügen Konsequenzen hat.

Wichtig wäre auch, zwischen verschiedenen Arten von Lügen zu unterscheiden. Es gibt Notlügen, die oft verwendet werden, um die Gefühle anderer nicht zu verletzen und es gibt Lügen mit böswilliger Absicht, die andere hinters Licht führen sollen.

Auch gib es „Geheimnisse“ und Lügen, die uns selber bzw. den Kindern schlechte Gefühle machen. Im Sinne der Missbrauchsprävention sollten Kinder ermutigt werden diese (Wahrheiten) immer zu erzählen.

Wie wichtig ist unsere Vorbildfunktion?

Wir haben als Erwachsene immer eine Modellfunktion. Unsere Kinder ahmen uns nach. Wenn ich nun predige, dass man immer die Wahrheit sagen muss und selber bei jeder Gelegenheit lüge, so wird sich das Vorgelebte stärker durchsetzen. Ist meine höfliche gemeinte Notlüge zu verwirrend für Kinder? Es ist wichtig, den Kindern zu erklären was Notlügen oder Höflichkeitslügen sind und warum wir diese einsetzten. Meist um die Gefühle anderer zu schützen. Dies können allerdings erst ältere Kinder (ab ca.6 Jahren) verstehen und langsam den Unterschied begreifen.

In der Hoffnung auf ein gutes Gespräch setze ich mich mit meinem Achtjährigen zusammen, der vor ein paar Wochen heftig abstritt das Handy meines Lebensgefährten mit Labello beschmiert zu haben. Er gibt es zwar immer noch nicht zu, versteht aber, dass wir uns um das Geld eines neuen Handys einen Wochenend – Kurzurlaub leisten könnten. Zumindest kamen solche Aktionen seit unserem Gespräch nicht mehr vor.

In diesem Sinne Dank für das Gespräch!

Kontakt Mareike Krieger:

Website: www.mareikekrieger.at

[email protected]

Tel.: 0664/ 88 979 354



EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Vor meiner Karenz meines Sohnes war ich in der direkten Pflege, aber auch im Leitungsteam, für die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen verantwortlich. Als Ausgleich dazu unterrichtete ich Kinderturnen. Derzeit vertrete ich als Texterin & Grafikerin EPUs bei ihrem Firmenauftritt. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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