1. Juli 2021

Liebe Mütter von Autisten, macht euch keine Vorwürfe


Unsere Autorin Caroline Avendano ist bereits Mutter von zwei Kindern. Bei einem Kind wurde die Entwicklungsstörung Autismus diagnostiziert. Nun wurde sie erneut Mutter und muss sich auch bei ihrem dritten Kind der Diagnose Autismus stellen. Für Caroline und ihrer Familie ist dies allerdings kein Grund zur Verzweiflung: Sie blicken positiv nach vorne.

Ich saß im Krankenhaus und beobachtete meine kleine Tochter beim Schlafen. Vor 30 Minuten kam die Krankenschwester, um mir mitzuteilen, dass mit dem Gehör meiner Tochter alles in bester Ordnung sei. Eine Nachricht, die für die meisten Eltern total positiv ist. Nicht aber für mich, denn so blieb nur noch eine Option, warum mein Kind nicht auf seinen Namen hörte. Nur noch ein Grund, warum es nur mit Dingen spielte, die vor seiner Nase baumeln und nur noch ein Grund, warum es nie Kontakt zu mir suchte. Autismus.

Schon wieder Autismus, ging es mir durch den Kopf und ich versuchte, nicht in Tränen auszubrechen. Ich dachte an die leitende Position, auf die ich mich bewerben wollte und dass diese für zumindest die nächsten drei 3 Jahre sicher auf Eis gelegt war. Wie sollte ich eine Einrichtung leiten und jede Woche zur Therapie gehen, während meine zwei großen Mädels auch ihre Interessen haben?

Ich habe schon ein 5-jähriges Mädchen mit Autismus. Sie ist super lieb, klug und wunderschön. Natürlich hat sie auch ihre Herausforderungen wie z.B. Sauberwerden, Essen, sprachliches Verständnis. Und jetzt noch einmal Autismus! Es war einfach nicht fair, überhaupt nicht fair, fand ich. Noch einmal muss ich mir Sorgen machen, ob mein Kind je sprechen lernt oder alleine aufs Klo gehen kann. „Noch einmal alles von vorne … es ist echt zum Verzweifeln.“

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“

Ich erinnerte mich an eine Stelle bei unserer kirchlichen Hochzeit. Da war ich bereits mit meiner jüngsten Tochter schwanger, wusste es aber noch nicht. Der Pfarrer fragte: „Nehmt ihr die Kinder an, die Gott euch schenkt?“ Dieser Satz begleitet mich jetzt immer, Tag für Tag, weil es wie eine Frage von Gott an uns war, ob wir auch für die nächste Herausforderung bereit sind.

Es wird immer wieder traurig sein und es darf mich oder dich (falls es dir vielleicht auch so geht und du ein Kind mit einer Beeinträchtigung hast) auch traurig machen, weil einfach ganz viele Sorgen damit verbunden sind. Was hilft ist, die ganz kleinen Erfolge von dir und deinem Kind umso mehr zu feiern. Juhu, meine Tochter hat mich 5 Sekunden lang angeschaut! Oder sie macht einen anderen, einen neuen Laut!

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Sag dir jeden Tag, ich bin eine super Mama oder Papa (an dieser Stelle ein Hoch auf die Männer, die diesen Weg mitgehen). Wichtig ist auch sich zu sagen, dass es nicht deine Schuld ist, dass dein Kind Autismus hat. Die Ursache des Autismus ist noch nicht gefunden.

Du bist mehr als gut genug für dein Kind

Ich hab mir oft Vorwürfe gemacht und hin und wieder ertappe ich mich heute noch dabei zu denken, vielleicht bin ich daran schuld, weil ich wieder arbeiten gegangen bin oder weil ich nicht gestillt habe. Früher wurden Mütter von Autisten auch als „Kühlschrankmütter“ bezeichnet, eine echt verletzende Bezeichnung. Ihnen wurde damit unterstellt, ihr Kind zu wenig zu trösten, in den Arm zu nehmen, zu kuscheln und es grundsätzlich zu wenig lieb zu haben. Aber noch einmal, es liegt nicht an euch!!!!!! Wir alle versuchen das Beste für unsere besonderen Kinder zu erreichen und kämpfen wie Löwinnen um jeden einzelnen Schritt. Aber ein Blick (ein sehr seltenes Geschenk von meiner Tochter) und ich weiß, es wird sich alles lohnen.


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