Wenn Kinder plötzlich nicht mehr in die Schule wollen – was hinter Bauchweh und Tränen am Morgen stecken kann

Wenn Kinder immer wieder mit Bauchweh, Kopfschmerzen oder Tränen in den Augen vor der Schule stehen, steckt oft mehr dahinter als bloße Unlust. Warum es so wichtig ist, genau hinzuschauen und was Eltern tun können, um ihrem Kind zu helfen.

Fast alle Eltern kennen diese Situation: Das Kind klagt in der Früh über Bauchweh, Kopfschmerzen oder hat sonstige Beschwerden, steht lustlos da und möchte nicht in die Schule gehen. In uns Eltern steigt ein Gefühl aus Ärger, Stress und vielleicht auch Hilflosigkeit auf. Der erste Gedanke ist oft:

„Ich kann doch nicht schon wieder zuhause bleiben!“

Doch bevor wir reagieren, sollten wir uns daran erinnern, dass die Gesundheit des Kindes, körperlich und seelisch, an erster Stelle steht.

Wenn Kinder trotz Unwohlsein in die Schule geschickt werden, vermitteln wir, wenn auch  unbewusst, eine Botschaft. Nämlich: „Deine Bedürfnisse sind nicht so wichtig, du musst im Alltag funktionieren.“ Kinder lernen dadurch, über ihre eigenen Grenzen zu gehen, anstatt sie wahrzunehmen und im schlimmsten Fall, dass sie ihren Körpersignalen nicht vertrauen können und genau das sollten sie eben nicht lernen.

Krank ist krank und gehört ins Bett

Hoffentlich kann jede Familie gut einschätzen, ob ein Kind wirklich krank ist oder ob hinter dem „Bauchweh“ vielleicht auch etwas anderes steckt. Wenn eine Krankheit vorliegt, gehört das Kind nach Hause. Punkt. Ja, es ist mühsam, schon wieder Pflegeurlaub zu beantragen, ja, es bringt den Alltag durcheinander, aber es ist der einzig richtige Weg. Ein krankes Kind in die Schule zu schicken hilft niemandem. Andere stecken sich an, das eigene Kind quält sich durch den Tag, der Genesungsprozess zieht sich in die Länge und am Ende hat man doch ein schlechtes Gewissen oder steht sogar eh wieder in der Schule, um es abzuholen.

Wenn das Bauchweh zur Gewohnheit wird

Doch was ist, wenn das Kind ständig über Bauchweh klagt und medizinisch nichts gefunden wird? Dann lohnt sich ein genauer Blick. Denn hinter diesen Symptomen können sich Sorgen, Überforderung, Konflikte in der Klasse oder auch Schulangst verbergen. Kinder können solche Gefühle selten benennen. Sie sagen und denken nicht „Ich fühle mich in der Klasse ungewollt“ oder „Die Lehrerin schimpft so viel, das stresst mich“.

Oft spricht ihr Körper für sie.

In solchen Momenten hilft vor allem eines, nämlich Zuhören und ernst nehmen. Ein „So ist das Leben, ich will auch oft nicht, komm jetzt stell dich nicht so an“ hilft nicht weiter. Einfühlsamer ist: „Ich verstehe, dass du dich unwohl fühlst. Mir geht es auch manchmal so, wenn ich etwas machen muss, was mir schwerfällt. Weißt du, was mir hilft? …“ So zeigen wir Kindern, dass Gefühle okay sind und dass man Wege finden kann, damit umzugehen.

Kleine Schritte, große Wirkung

Hilfreich kann sein, gemeinsam nach positiven Momenten im Schulalltag zu suchen, vielleicht nicht gleich in der Früh, wenn das Problem gerade akut auftritt, denn dann fällt es Kindern oft schwerer. Fragen wie: „Was ist heute das am wenigsten ätzendste in der Schule?“ oder: „Auf was freust du dich ein kleines bisschen?“ können helfen. Das klingt banal, kann aber den Blickwinkel verändern.

Wenn die Beschwerden vor allem in der Früh auftreten, kann man sagen: „Jetzt gerade kann ich nicht viel tun, aber am Nachmittag schauen wir gemeinsam, wie wir dir den Schulalltag schöner machen können.“

Wichtig ist, dass man dieses Versprechen auch wirklich einhält.

Für Kinder die nichts Positives finden oder sich nicht so gut ausdrücken können, hilft vielleicht ein Gefühlstagebuch, wie zB Ein Gutes Gefühl https://einguterplan.de/eingutesgefuehl/

Muster erkennen und Gespräche führen

Wenn sich die Beschwerden wiederholen, kann ein Bauchweh- oder Kopfwehkalender helfen. Notiere, wann das Unwohlsein auftritt und suche nach Mustern. Treten die Schmerzen immer bei bestimmten Fächern oder Lehrkräften auf? Gibt es Tests, Konflikte oder Überforderung?

Auch ein Gespräch mit der Lehrkraft oder anderen Eltern kann aufschlussreich sein. Wie verhält sich das Kind in der Schule? Mit wem spielt es? Gibt es gerade etwas, das die Klasse belastet? Geht es anderen Kindern ähnlich?

Viele Schulen haben inzwischen Schulsozialarbeiter:innen, die Kinder in solchen Situationen begleiten können. Diese Fachkräfte sind wichtige Ansprechpersonen, wenn ein Kind emotional belastet ist.

Wenn Freizeit stresst

Ein weiterer Punkt, den viele Eltern übersehen ist, dass Kinder freie Zeit brauchen, um zu spielen, zu träumen und einfach zu sein. Zeit die nicht verplant ist. Wenn der Wochenplan von Schule, Hausaufgaben und Freizeitaktivitäten voll ist, entsteht innerer Stress und auch das kann sich körperlich bemerkbar machen. Ein kritischer Blick auf den Kalender kann sich lohnen.

Leistungsdruck, Überforderung und Teilleistungsschwächen

Nicht selten stehen hinter Schulunlust oder körperlichen Symptomen auch Leistungsdruck oder sogar Teilleistungsschwächen. Kinder mit einer Lese-, Rechtschreib- oder Rechenschwäche erleben täglich Misserfolge und hören oft Sätze wie „Du musst dich mehr anstrengen“ oder „Pass besser auf“. Dabei wollen sie das ja längst, sie können es nur (noch) nicht. Hier kann eine Abklärung durch Lerntrainer:innen oder Fachleute helfen, um gezielt zu unterstützen, statt zu überfordern. Was es mit den Teilleistungsschwächen auf sich hat kannst du hier nachlesen: https://www.sindelarcenter.at/angebot/#sindelarmethode

Wenn die Belastung bleibt

Sollten die Beschwerden über längere Zeit bestehen, lohnt sich der Blick von außen. Fachpersonen aus der Familienberatung, Lernberatung, Jugendberatung, Sozialarbeit oder Psychotherapie können helfen, die Ursache zu verstehen und das Kind zu entlasten. Oft genügt schon ein gemeinsames Gespräch, um neue Perspektiven zu finden und das Vertrauen in den Schulalltag wiederherzustellen.

Kinder, die regelmäßig mit Bauchweh oder Angst in die Schule gehen, sind nicht „faul“ oder „manipulativ“, sie zeigen uns, dass etwas nicht stimmt. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, genau hinzuschauen, zuzuhören und gemeinsam Wege zu finden, wie Schule wieder zu einem Ort werden kann, an dem Lernen Freude macht.

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Ein Artikel von

Portraitfoto Melanie Scheucher

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