Was ich als Vater von Teenagern Eltern kleiner Kinder mitgeben will
Kinder werden von selbst größer, älter, selbständiger. Der Weg dorthin, bis sie mehr oder weniger flügge werden, unterscheidet sich aber oft grundlegend.
Mittlerweile sind unsere Töchter 14 und 18 Jahre alt. Das heißt so viel wie, dass unsere Große „aus dem Gröbsten raus“ ist sowie unsere Kleine mitten in der Pubertät steckt. Da war letztere also schon mit unserer Großen durchlaufen haben, gehen wir bei der Kleineren etwas lockerer mit dem Thema um. Wir nehmen an, dass wir ein wenig wissen „wie es geht“, worauf wir achten müssen und auf welche schwierigen Phasen wir uns einstellen müssen.
Und genau das ist auch schon die Krux zu finden, wenn es um etwaige Empfehlungen für Eltern von kleineren Kindern. Ganz so, als würde ich als derjenige sprechen bzw. schreiben, der alles schon durchlebt hat und somit Eltern quasi allgemeingültige Empfehlungen mit auf den Weg geben könnte. Empfehlungen, die alles erleichtern, Situationen entspannter werden lassen oder zumindest die Perspektive eröffnen, dass alles irgendwann vorbei gehen und gut sein wird.
Unterschiedliche Kinder, unterschiedliche Arten
Spoiler: Ich kann solche generellen Empfehlungen nicht geben.
Denn allein schon die Unterschiede zwischen unsere Großen und unsere Kleinen was ihren Umgang mit der Adoleszenzphase Pubertät betrifft zeigt genau das. Während unsere Große stets auf Konfrontationskurs ging, stetig Krach suchte und ihren Kopf durchsetzen wollte, geht die Kleinere auf Distanz. So Anstrengend die laute Pubertät der Großen war, so sehr ließ sie sich auch gewissermaßen „lesen“. Wir wussten, wo der Schuh gerade drückt, und konnten uns trotz immenser Stimmungsschwankungen dennoch gewissermaßen einen Reim darauf machen und wussten, wie sie seht und wo wir stehen. Bei unserer Kleinen müssen wir gezielt nachhaken, nachbohren, sie aus der Reserve locken, um zu wissen, was sie beschäftigt und wie wir letztlich klug darauf reagieren können.
So ist es zweifellos mit vielen anderen Situationen auch. Diese hier mag nur als Beispiel gelten.
Daraus lässt sich vor allem eines ableiten:
- Kinder sind unterschiedlich
- durchleben Phasen unterschiedlich
- kaum etwas lässt sich über einen Kamm scheren
Unter dem Gesichtspunkt von etwaigen Schablonen, die sich über die jeweilige Erziehung legen lassen würden, ist das natürlich eine frustrierende Feststellung. Doch gerade weil dem aus meiner Sicht so ist, lässt sich doch so etwas wie eine Art „Weisheit“; wie ein guter Rat für Eltern mit kleinen Kindern destillieren.
Individualität und Hingabe
Nämlich das:
Es lohnt sich genau hinzusehen.
Jeweils individuell. Es ist fruchtbar, ganz im Hier und Jetzt zu sein und sich ganz auf das Kind in seiner Eigenheit und seiner Individualität einzulassen. Und, so banal es auch klingt: Es gilt die jeweilige Zeit zu genießen, weil sie eben viel zu rasch vorbei geht. Das heißt auch alle Höhen und Tiefen Zeit ganz und gar zu durchleben und gegebenenfalls in schweren Phasen auch durchzustehen. Das heißt auch ohne „Zukunftsperspektive“, ohne Netz und doppelten Boden, sondern ganz und gar aufrichtig zu reagieren und zu erziehen. Wer sich nämlich allzu sehr auf Ratgeber, Leitfäden und gute Tipps von vermeintlichen Wissenden Eltern verlässt, der verkennt nur allzu leicht, was das heranwachsende Kind wirklich braucht. Das herauszufinden braucht Anstrengung, echtes Interesse und echte Hingabe.
Das ist es jedenfalls, was ich Eltern von kleineren Kindern mitgeben möchte. Das will ich tun als jemand, der mit zwei Teenager-Töchter schon viel erlebt und durchlebt hat. Wobei ich natürlich Ratgeber und Leitfäden zusätzlich nicht verteufeln möchte. Sie können wertvolle Impulse geben und Hinweise auf Methoden, die sich individualisieren und zum Teil generalisieren lassen.
Nichts ersetzt aber das, was ich hier beschrieben habe.
„Mischt“ man obige Erkenntnis mit einer guten Dosis Gelassenheit und Langmut und gönnt sich hin und wieder trotz allem auch ein paar Tipps von „wissenden“ und wohlmeinenden Eltern älterer Kinder, dann kann schon fast nichts mehr schief gehen.
