Unsere Familienurlaube im Wandel der Zeit
Unsere Kinder sind älter geworden. Unsere Urlaube haben sich dadurch verändert. Nicht alles war dabei früher schlecht und heute gut.
Am Anfang standen der Stress und die Unerfahrenheit. Stress darüber, dass wir mit unserer Unerfahrenheit als Eltern alles falsch machen könnten. Windeln wollten gepackt sein, die richtige Sonnencreme mitgenommen und auch ansonsten galt es alles möglichst perfekt zu machen. Das artete meist aus: In tagelange Einpacksessions, in der Lektüre von Büchern, die einem das Reisen mit Kleinkindern so angenehm wie möglich machen wollten.
Nur: So richtig angenehm war es nie.
Es dauerte bis wir zur Ruhe kamen
Bis wir einmal weg waren, waren wir so gestresst und so unter Druck, dass es zwangsläufig zu kleinen Streitigkeiten im Auto zwischen uns Eltern kam. Die Kinder mittendrin, quengelnd, unruhig, ein Spiegelbild unserer eigenen Unruhe. Bis wir dann im Urlaub als Familien wirklich zur Ruhe kamen, vergingen Stunden, oft Tage. Tage, die wir damit verbrachten, die Strukturen, die wir zuhause schon hatten, auch im „Anderswo“ zu etablieren. Erholung gab es von Zeit zu Zeit, richtige Entspannung uns „Loslassen“ so gut wie nie.
Mittlerweile sind die Urlaubs-Vorzeichen gänzlich anders. Unsere Mädels sind mittlerweile 14 und fast 18 Jahre alt. Dass sie beiden noch mit uns – vor allem die Älteste – noch mit uns in den Urlaub fahren möchten, beruhigt uns dabei. Trotz anfänglichen Gestresst-Seins, trotz Urlauben, die mal mehr und mal weniger gelungen waren, gab es also offenbar Aspekte und Momente, die ihnen guttaten und sich in der Erinnerung implizit oder explizit eingeschrieben haben.
Vom Strand- und Städteurlaub
Bald steht bei uns wieder ein Urlaub an. Und dieser zeigt allein schon durch die gemeinsam im Familienentscheid getroffene Ortswahl einen deutlichen Wandel. Waren es früher Strand & Co. die Orte, an denen wir Erholung, Entspannung und Auszeit mit kleinen Kindern suchten, sind es mittlerweile die Städte Europas, die uns anziehen. Letztes Jahr war es Barcelona, heuer wird es Amsterdam sein.
Social-Media-Trends bestimmen plötzlich mit
Die Ortswahl fällt auch mit einem Einfluss, der sich bei unseren Mädels niederschlägt: Social-Media-Trends, Tik-Tok-Clips und ganz generell das „Gerede“ in sozialen Netzwerken oder Blogs, was gerade so „In“ und „angesagt“ ist. Wir wiederum lassen uns gerne ein wenig davon antreiben. Zumal wir dann nicht das Gefühl haben, ganz vom „Puls der Zeit“ abgeschnitten zu sein. Falls sich dieses Gefühl mit dem Aspekt trifft, dass wir ohnehin schon immer oder länger in diese oder jene Stadt wollten, ist die Entscheidung im Familienkollektiv auch bereits getroffen.
Veränderte Rolle von uns als Eltern
Verändert haben sich aber nicht nur dieser Prozess der innerfamiliären Entscheidungsfindung. Auch da Packen und Aufbrechen hat sich fundamental gewandelt. Tatsächlich ist der Vorgang gänzlich verändert. Während wir früher an alles und jeden denken mussten, packen und denken unsere deutlich älter und selbständiger gewordenen Kinder mittlerweile auch zu gewissen Teilen selbst. Sie wissen, was sie brauchen, wollen, mitnehmen müssen. Wir fungieren nur noch hin und wieder als „Eingreifer“ im Prozess, wenn es aus dem Ruder läuft oder der Koffer nicht mehr zugeht. Auch sind wir so etwas wie die „Letztinstanz“: Bevor wir abreisen, wird noch einmal kurz kontrolliert, ob wirklich alles notwendig mit an Bord ist oder ob doch falsche Prioritäten gesetzt worden sind.
So brechen wir dann auf. Ein wenig entspannter als früher, zumal auch unsere Rolle als Eltern in Reisefragen über die Jahre doch deutlich weniger komplex geworden ist. Unsere Reisen selbst dann auch anders geworden: Weniger Strand, weniger die sprichwörtliche Seele baumeln lassen und mehr Abenteuer und Erlebnis in den urbanen Zentren Europas.
Gemeinsame Wege, neue Horizonte
Und dabei ist schön zu erleben, dass einige unsere früheren Bemühungen gefruchtet sind und mittlerweile aufblühen. So haben wir beispielsweise unsere Kinder schon früh in Museen geschleppt, oft auch mit überschaubarer Begeisterung ihrerseits. Mittlerweile kommen diese Vorschläge von ihnen. Auch ihre Begeisterung an Kunst wächst also. Auch das ist eine Frucht, die wir also ernten dürfen.
Wir harren jedenfalls der Dinge und schauen, was die Zukunft noch bringt. Im Wissen, dass wir wohl nicht mehr ewig gemeinsam verreisen werden, zumal die Kinder stetig älter werden und zunehmend eigene Leben führen und irgendwann auch eine eigene Familie haben werden.
