Freundschaften über den Schulwechsel hinaus pflegen
Der Herbst ist da. Die ersten Schulwochen liegen hinter uns, die Stundenpläne hängen am Kühlschrank und langsam kehrt wieder Routine in den Familienalltag ein. Für viele Kinder war dieser Schulstart besonders aufregend, denn nach vier Jahren Volksschule ging es in eine neue Schule. Und während sich vieles langsam einspielt, taucht vielleicht eine Frage auf: Was ist eigentlich aus den Freundschaften aus der Volksschule geworden?
Wenn aus täglichen Treffen seltene Besuche werden
In der Volksschule war Freundschaft oft ganz einfach.
Man sah sich jeden Tag in der Früh, spielte in der Pause zusammen und ging vielleicht nachmittags noch auf den Spielplatz. Nach dem Schulwechsel ist das plötzlich anders. Die beste Freundin besucht das Gymnasium, der beste Freund eine andere Mittelschule. Dazu kommen Hausübungen, Hobbys und neue Freundschaften.
Manche Kinder nehmen das gelassen. Andere vermissen ihre vertrauten Freunde sehr. Beides ist völlig normal. Gerade jetzt im Herbst, wenn die erste Aufregung vorbei ist, merken manche erst, wer ihnen im Alltag fehlt.
Gefühle ernst nehmen
Wenn euer Kind traurig ist, weil es seine alte Freundin kaum noch sieht, hilft vor allem eines: zuhören. Sätze wie „Du findest schon neue Freunde“ sind lieb gemeint. Sie können aber so klingen, als wäre die alte Freundschaft nicht mehr wichtig.
Besser kann vielleicht sein: „Ich verstehe, dass du sie vermisst. Ihr habt so viel miteinander erlebt.“ So merkt euer Kind, dass seine Gefühle Platz haben und es darf wissen: Man kann neue Freunde finden und die alten trotzdem liebhaben.
Ein bisschen Planung hilft
Früher passierten Treffen fast von selbst und ganz spontan. Jetzt brauchen sie manchmal einen fixen Platz im Kalender. Ich finde, Eltern dürfen da ruhig ein bisschen nachhelfen. Nicht, indem wir ständig Treffen organisieren, sondern indem wir Möglichkeiten schaffen.
Fragt doch einmal: „Wen aus deiner alten Klasse würdest du gerne wiedersehen?“ Vielleicht passt ein Freitagnachmittag oder ein gemeinsamer Spaziergang am Wochenende. Oft reicht eine kurze Nachricht an die anderen Eltern, und schon ist etwas ausgemacht. Es muss auch kein großes Programm sein. Zusammen spielen, Kekse backen oder im Garten toben ist oft viel schöner als ein aufwendiger Ausflug, der lange geplant werden muss.
Kleine Rituale, große Wirkung
Besonders schön finde ich feste kleine Rituale.
Vielleicht treffen sich zwei Freunde einmal im Monat. Vielleicht gibt es in den Ferien einen gemeinsamen Spielenachmittag oder jedes Jahr einen Ausflug zum gleichen Lieblingsplatz. Solche Gewohnheiten geben Kindern etwas, worauf sie sich freuen können und wenn ein Treffen doch einmal ausfällt, ist das kein Drama. Wichtig ist nicht, dass alles perfekt klappt, sondern dass die Freundschaft im Alltag nicht ganz untergeht.
In Kontakt bleiben, auch ohne Treffen
Nicht immer wohnen die Freunde ums Eck und manchmal sind die Wochen einfach voll - dann kann auch ein kurzer Anruf helfen. Vielleicht erzählt euer Kind, wie die neue Klasse ist oder fragt, wie es dem alten Freund geht. Wer schon ein Handy hat, kann auch eine Sprachnachricht schicken. Ein eigenes Smartphone braucht es dafür aber nicht. Mit Unterstützung der Eltern geht das genauso gut. Entscheidend ist, dass die Kinder selbst Lust auf den Kontakt haben.
Neue Freundschaften sind kein Verrat
Manche Kinder haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie in der neuen Schule plötzlich viel mit anderen spielen. Dabei ist das etwas Schönes! Freundschaften sind kein „Entweder-Oder“.
Vielleicht verbindet euer Kind mit seiner Volksschulfreundin eine lange gemeinsame Geschichte. Mit den neuen Klassenkameraden entdeckt es dafür andere Interessen und ganz wichtig: beides darf sein. Niemand muss sich zwischen alten und neuen Freunden entscheiden.
Wenn sich eine Freundschaft verändert
Natürlich bleiben nicht alle Freundschaften gleich eng. Manchmal werden Nachrichten seltener, Interessen verändern sich oder ein Kind möchte lieber mit anderen Zeit verbringen. Das kann wehtun, besonders wenn die Freundschaft früher sehr eng war. Auch für uns Eltern ist das manchmal schade. Vielleicht haben wir die andere Familie jahrelang regelmäßig gesehen. Trotzdem sollten wir nicht versuchen, eine Freundschaft festzuhalten, die unsere Kinder gerade anders erleben.
Fragt nach, hört zu und lasst ihnen Raum.
Freundschaften dürfen wachsen, aber auch leiser werden. Das bedeutet nicht, dass die gemeinsame Zeit weniger wert war.
Auch die Eltern können Brücken bauen
Gerade bei jüngeren Kindern hängt ein Treffen und ein Wiedersehen oft davon ab, ob jemand Zeit zum Fahren und Organisieren hat. Ein guter Kontakt zwischen den Eltern kann deshalb vieles erleichtern. Vielleicht schreibt ihr der anderen Familie einfach: „Unsere Kinder haben sich schon lange nicht gesehen. Habt ihr einmal Zeit?“ Mehr braucht es oft gar nicht. Und wenn es gerade nicht passt, versucht ihr es eben später wieder.
Mein Fazit: Freundschaft braucht Zeit - keinen Druck
Jetzt, wo der Herbst den Alltag wieder ruhiger macht, ist ein guter Moment, an die alten Schulfreunde zu denken. Vielleicht fragt ihr euer Kind heute beim Abendessen, wen es gerne wieder einmal treffen würde. Ich glaube, wir müssen nicht jede Freundschaft retten oder jedes Wochenende verplanen. Aber wir können Türen offenhalten. Manchmal ist es ein gemeinsamer Nachmittag und die Kinder lachen miteinander, als hätten sie sich erst gestern gesehen. Vielleicht entsteht daraus eine neue Tradition für die kommenden Jahre.
Und falls sich Wege doch trennen, dürfen wir auch das begleiten, denn Freundschaften sind wertvoll - egal ob sie ein paar Schuljahre oder ein Leben lang halten.
