Fastenzeit - wir kommen!
Nach der lustigen und süßen Faschingszeit gibt es mit dem Aschermittwoch einen ordentlichen CUT - die Fastenzeit beginnt.
Zeit der Vorbereitung
Für die einen ist sie die Chance, vergessene Neujahrsvorsätze wieder in Angriff zu nehmen und für manche hat sie keine Bedeutung. Für uns Christen ist die Fastenzeit die Zeit der Vorbereitung auf Ostern hin.
40 Tage Fastenzeit sind schon ein echtes Wegstück.
Aber kann man und soll man überhaupt mit Kindern fasten?
Vorfreude
Ich brauche immer einen triftigen Grund, um Dinge wieder neu anzupacken. Darum freu ich mich auch immer auf die Fastenzeit. Als Familie starten wir immer gemeinsam in die Fastenzeit.
Wir besprechen im Familienrat, auf welche Dinge wir gemeinsam verzichten könnten, was wir für Alternativen hätten, was wir mit der gewonnenen Zeit alles anstellen könnten und wie wir dann Ostern ordentlich feiern werden.
Zugegeben, als die Kinder noch kleiner waren, waren diese Familienratssitzungen einfacher und es kam weniger VETO für den einen oder anderen Vorschlag. Jetzt mit 2 TeenagerKids wird manchmal ordentlich argumentiert, aber auch das hat etwas, denn es siebt ein wenig aus und bringt klar heraus, auf was es uns wirklich ankommt.
WARUM fasten wir als Familie?
In einer Zeit, in der ich fast alles zu jeder Zeit ohne jegliche Wartezeit bekommen kann, ist ein bewusster Verzicht auf etwas ein krasser Gegensatz.
Wir sind es gewohnt, uns beim Einkauf noch das eine oder andere Leckerli, das nicht auf der Einkaufsliste stand, in den Wagen zu schmuggeln, oder beim Vorbeigehen an einem Supermarkt doch kurz halt zu machen, um uns etwas zu gönnen.
Das ist ja weiter nicht schlimm. Doch in all der unverzüglichen Erfüllung unserer scheinbaren Bedürfnisse, verlernen wir manchmal echten Genuss, echte Freude und echte Dankbarkeit.
Das ist einer der Gründe, warum ich die Fastenzeit als Familie so schätze.
Keine Schokolade schmeckt besser als die, die man nach einer langen Zeit voller Dankbarkeit auf der Zunge zergehen lässt. Keine Limo prickelt süßer als die, die man nach vielen zuckerfreien Tagen in sein Glas leert.
Zurück zu den kleinen Freuden des Alltags bringt uns der Verzicht während der 40tägigen Fastenzeit.
Ich liebe es, wenn wir dann alle wieder feststellen, wie schön wir es doch haben und wie wenig man braucht, um zufrieden zu sein.
Die Dimension des Glaubens
Ein weiterer Grund, gemeinsam zu fasten, ist auch die Dimension unseres Glaubens:
Wir kennen heutzutage fast nur die geistige Dimension des Gebetes. Wir formulieren Gebete in unserem Kopf und sprechen sie mit unserem Mund aus.
Durch das Fasten dürfen wir auch in eine körperliche Dimension des Gebetes einsteigen:
Fasten braucht unseren Willen.
Und wenn ich auf etwas verzichten will, ist das eine der Kopf und das andere der Körper. Der Kopf ist total begeistert, aber der Körper verlangt nach dem Zucker, nach dem Film, nach was auch immer…
Mein Verzicht schult mich, vom bloßen Impuls gesteuert durch den Alltag zu gehen.
Unser Gebet gewinnt eine neue Tiefe.
Gott bekommt ein wenig ungestörter Raum in uns. Unser Blick wird etwas fokussierter auf ihn gerichtet. Ich kann meine Beziehung zu ihm wieder vertiefen.
Was fasten wir als Familie?
Fasten heißt nicht immer "weniger von", sondern manchmal auch "mehr Zeit für".
Das bedeutet für uns als Familie nach Absprache dann:
- Verzicht
- Geschenk
- Gebet
Verzicht:
- Wir verzichten darauf, Süßigkeiten zu kaufen – die Vorräte werden nicht aufgefüllt. Was noch da ist, darf am Sonntag als Nachspeise verzehrt werden (der Sonntag ist übrigens kein Fasttag).
- Wir verzichten auf Limos und süße Getränke und wir Erwachsene auf Alkohol. Das ist dann die Zeit, in der unsere Kids sehr kreativ werden, sich leckere Getränke und Smoothies aus gepressten Früchten oder Eistee selbst zu machen.
- Wir verzichten auf unnötige Einkäufe und bleiben beim Einkaufen streng bei unserer Einkaufsliste. Kleidung, Schuhe und Accessoires werden nur gekauft, wenn sie wirklich dringend gebraucht werden.
- Wir verzichten darauf, irgendwo schick essen zu gehen und auch auf McDonalds. Das heben wir uns dann wieder für nach Ostern auf.
- Wir versuchen darauf zu verzichten, immer der Erste sein zu wollen…anderen den Vortritt lassen versuchen wir einzuüben.
- Wir haben auch schon Wochen gehabt, die wir wahlweise völlig zuckerfrei oder plastikfrei als Wochenchallenge verbracht haben.
Geschenk:
- Wir versuchen, unsere Smartphonezeit zu reduzieren. Am Abend wird eine gemeinsame Zeit festgelegt, ab der das Handy dann in den Schlafmodus startet.
- Somit haben wir ein wenig Zeit geschenkt bekommen: Zeit für ein gemeinsames Spiel vor dem Zubettgehen, Zeit für ein Buch, das schon lange darauf wartet, ausgelesen zu werden, oder Zeit einfach mal zu quatschen…
- Wir versuchen, gute Taten zu vollbringen. Es müssen keine Heldentaten sein. Den Geschirrspüler ausräumen, ohne darum gebeten zu werden. Bei etwas helfen, ohne zu murren. Jemanden, der einsam ist und nicht auf unserer Wunschgästeliste steht, einladen und ihm ein wenig Zeit schenken.
- Jemanden anrufen, an den man lange nicht gedacht hatte. USW…
- Natürlich sammeln wir am Beginn der Fastenzeit gemeinsam Ideen, was da alles so reinfallen könnte.
- Die Wochenenden versuchen wir bewusst freizuhalten, um sie mit besonderen Unternehmungen zu füllen (wenn keine Tests und Schularbeiten uns da in die Quere kommen): neue Wanderwege, lustige Spielplätze, spannende Radausflüge etc.
Gebet:
Wir versuchen, unser Abendgebet ein wenig kreativer zu gestalten. Mal ist die Bibel im Fokus, mal ein ausgedehnter Lobpreis. Ein anderes Mal beten wir den Rosenkranz und ein andermal treten wir in das Fürbittgebet für jene, denen es nicht gut geht.
Wir versuchen dabei auch ein wenig mehr Zeit als üblich einzuplanen.
Freitags beten wir dann gerne gemeinsam einen Kreuzweg (Kreuzweg für Familien), um uns auf Ostern einzustimmen und nicht zu vergessen, wegen welch großer Liebe wir diese Fastenzeit eigentlich begehen.
Fazit
Was heuer ansteht, muss im Familienrat erst beschlossen werden. Vielleicht kommt auch eine ganz neue Idee hinzu, wer weiß?
Ich ermutige euch und lade euch herzlich ein, euch auf diese Fastenzeit einzulassen.
Wir gehen immer beschenkt aus ihr hervor und manche Stolpersteine und ein bisschen Murren gehört da einfach dazu. Was nix kostet – so heißt es -ist nix wert
Weitere Tipps fürs Fasten:
- Nicht gleich alle 40 Tage durchplanen, sondern wöchentliche Impulse setzen – die sind leichter umzusetzen.
- Lieber wenige Vorsätze, aber dafür gut machbare.
- Ein kleiner Fastenkalender zum abhaken der Tage, als Orientierung.
