Du musst nicht perfekt sein: Warum Liebe wichtiger ist als alles andere
Zwischen Alltagstrubel, müden Abenden und kleinen Glücksmomenten vergessen wir manchmal, worauf es im Leben wirklich ankommt. Dabei sind es oft gar nicht die großen Dinge, die unsere Kinder für immer in sich tragen. Es ist das Gefühl, geliebt zu werden.
Manchmal sitze ich abends da, wenn endlich Ruhe eingekehrt ist, und lasse den Tag noch einmal Revue passieren. Habe ich heute genug zugehört? War ich geduldig genug? Hätte ich in diesem einen Moment vielleicht lieber tief durchatmen sollen, anstatt gleich zu schimpfen?
Der Alltag mit Kindern ist wunderschön, aber eben auch anstrengend.
Nicht jeder Tag läuft so, wie wir es uns wünschen. Manchmal sind wir müde, manchmal überfordert und manchmal einfach froh, wenn alle endlich im Bett liegen.
Und trotzdem stehen wir am nächsten Morgen wieder auf, schmieren Brote, suchen verschwundene Socken, trösten kleine Herzen und versuchen unser Bestes. Weil wir unsere Kinder lieben. Und vielleicht ist genau das schon viel mehr, als wir uns manchmal zugestehen.
Gedanken und Gefühle
Wir machen uns so viele Gedanken darüber, was unsere Kinder alles brauchen. Die richtige Förderung, schöne Erlebnisse, gute Schulen, Möglichkeiten, die ihnen später einmal Türen öffnen. Wir möchten ihnen etwas mitgeben, ihnen die Welt zeigen und ihnen möglichst viele Steine aus dem Weg räumen.
Doch bei all dem dürfen wir nicht vergessen, was sie wirklich brauchen: das Gefühl, angenommen zu sein. Auch dann, wenn sie wütend sind. Wenn etwas danebengeht. Wenn sie nicht unseren Vorstellungen entsprechen oder selbst noch gar nicht wissen, wer sie eigentlich sein möchten.
Kinder müssen sich unsere Liebe nicht verdienen. Sie sollten einfach wissen, dass sie da ist
Wenn ich darüber nachdenke, woran wir uns später erinnern werden, sind es vermutlich nicht die perfekt aufgeräumten Kinderzimmer oder die sorgfältig geplanten Ausflüge. Es sind die kleinen Dinge, die im Moment oft ganz selbstverständlich erscheinen. Das Kuscheln am Sonntagmorgen, obwohl man eigentlich noch so viel erledigen wollte. Das gemeinsame Lachen über irgendeinen Blödsinn am Esstisch. Die winzige Hand, die sich beim Spazierengehen in unsere schiebt. Oder dieser kurze Blick vor dem Einschlafen, wenn ein Kind noch einmal sicher sein möchte, dass Mama oder Papa da sind.
Solche Augenblicke wirken unscheinbar. Aber für unsere Kinder bedeuten sie die Welt.
Natürlich machen wir Fehler. Wir werden ungeduldig, sagen Dinge, die wir später gern anders formuliert hätten, und haben manchmal weniger Kraft, als wir gerne hätten. Das gehört zum Elternsein dazu. Wir müssen nicht immer ruhig bleiben und auch nicht auf jede Frage die richtige Antwort wissen. Viel wichtiger ist, dass wir wieder aufeinander zugehen. Dass wir uns entschuldigen können. Dass unsere Kinder erleben, wie schön es ist, sich nach einem Streit wieder in die Arme zu nehmen.
Denn Liebe bedeutet nicht, alles richtig zu machen. Liebe bedeutet, einander nicht aufzugeben, nur weil etwas einmal nicht gelingt.
Irgendwann werden unsere Kinder größer. Sie werden ihre eigenen Entscheidungen treffen, ihre Geheimnisse haben und immer weniger unsere Hand brauchen. Eines Tages werden sie vielleicht ausziehen, eigene Familien gründen und ihr Leben so gestalten, wie es für sie richtig ist. Wir werden sie nicht vor allem beschützen können. Wir werden nicht jede Träne verhindern und nicht jedes Problem für sie lösen können.
Aber wir können ihnen etwas mitgeben, das sie überallhin begleitet: das Gefühl, wertvoll zu sein. Die Gewissheit, nicht perfekt sein zu müssen, um geliebt zu werden. Und das Wissen, dass es einen Ort gibt, an dem sie immer willkommen sind.
Vielleicht ist das die eigentliche Aufgabe von uns Eltern. Nicht, perfekte Menschen aus unseren Kindern zu machen. Nicht, ihnen einen Weg vorzuschreiben, auf dem sie niemals stolpern. Sondern ihnen so viel Liebe und Vertrauen mitzugeben, dass sie ihren eigenen Weg gehen können – auch dann, wenn er einmal schwierig wird.
Und wenn wir irgendwann auf diese Jahre zurückblicken, werden wir wahrscheinlich nicht zählen, wie oft wir die Wäsche gemacht, wie viele Termine wir organisiert oder wie viel wir an einem Tag geschafft haben. Wir werden uns an Umarmungen erinnern, an Kinderlachen, an gemeinsame Abende und an die Momente, in denen wir einfach füreinander da waren.
Vielleicht werden wir uns wünschen, manches noch einmal erleben zu dürfen. Noch einmal eine kleine Hand halten. Noch einmal eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Noch einmal dieses leise „Bleib noch ein bisschen“, wenn das Licht schon längst aus ist.
Denn die Zeit mit unseren Kindern vergeht schneller, als wir es uns vorstellen können. Und während wir oft damit beschäftigt sind, ihnen etwas für später mitzugeben, übersehen wir manchmal, dass das Wertvollste längst zwischen uns entsteht.
Am Ende müssen wir unseren Kindern nicht alles gegeben haben. Aber sie sollten immer gespürt haben, dass wir sie lieben, denn nur so werden sie, als die zukünftige erwachsene Generation genau diese Liebe an ihre eigenen Kinder weitergeben können.
Denn wenn vieles verblasst, wenn Spielzeug längst vergessen ist und große Erfolge irgendwann keine Rolle mehr spielen, bleibt dieses Gefühl. Geliebt worden zu sein. Einfach so. Mit allem, was dazugehört.
Und es ist nur das, was am Ende wirklich zählt – diese wahre, uneigennützige, ehrliche und reine Liebe.
