29. September 2020

Wenn Corona die Hochzeitspläne durchkreuzt

Hochzeit verschoben – Familienplanung verschoben?

Auch uns hat es getroffen. Unsere Hochzeit ist Corona zum Opfer gefallen – gleich zwei Mal. Die eigentliche Hochzeit hätte im Juni 2020 stattfinden sollen, zu Zeiten des Lockdowns.

Optimistisch haben wir die Hochzeit auf Ende Oktober verschoben – wir wollten eben unbedingt kirchlich heiraten – jetzt, nicht eines Tages. Doch auch diese Pläne mussten wir wieder über den Haufen werfen. Vermutlich haben viele von euch schon Mitleid. Wegen Corona die Hochzeit verlegen klingt schmerzlich. Ihr werdet jetzt an die verschwendeten Mühen, den Aufwand der „Umladungen“, die Neuorganisation und an Stornokosten denken. Und damit habt ihr natürlich recht. Doch was eigentlich das Gravierendste ist, bedenken die wenigsten.

Was wird jetzt aus der Familienplanung?

Jetzt aber noch einmal zum Anfang zurück. Wie war das mit dem Verschieben der Hochzeit? Ich muss ehrlich sagen, wir hatten eigentlich wirklich Glück (im Unglück). Zum Ersten, weil wir ohnehin schon verheiratet sind – zumindest standesamtlich. Nachdem bei uns Kinder Priorität Nr 1 hatten, haben wir uns dazu entschieden den unkonventionellen Weg zu gehen. Schwanger die standesamtliche Hochzeit und zu unserem ersten Hochzeitstag hätte nun die große kirchliche Hochzeit folgen sollen. (Gut, dass wir mit dem Kinderkriegen nicht auf 2020 gewartet haben!)

Wir haben relativ früh erkannt, dass wir unsere Juni-Hochzeit verschieben müssen. In dieser Zeit war MNS (Mund-Nasen-Schutz) noch ein Fremdwort oder etwas, das man nur an asiatischen Touristen kannte. Auch sonst hatte man noch keine Vorstellungen davon, welche Corona-Beschränkungen noch folgen würden. Die Verschiebung war früh genug, so dass es problemlos geklappt hat, Band, Fotograph und Co auf einen neuen Termin im Oktober umzubuchen. Lediglich bei der Location und somit auch bei der Kirche mussten wir ein Dorf weiter wandern. Wir hatten tatsächlich auch das Glück, dass wir keinerlei Stornokosten hatten. Alle freuten sich über neue Buchungen und auf den Herbst nach Corona.

Mittlerweile müssen wir uns aber eingestehen – 2020 wird nicht das Jahr der großen Feste.

Es wird kein heiteres Beisammensein, kein lockeres Tanzen, kein entspanntes Feiern geben. Gott sei Dank ist es zumindest theoretisch wieder möglich, sich das Ja-Wort zu geben. Aber hierfür muss man einiges in Kauf nehmen. Da warten wir lieber noch ab – wir haben es ja nicht mehr eilig.

Doch wie ist das mit dem eilig haben gemeint?

Auch wenn es für manche als veraltet und prüde gilt: den Masterplan „Heiraten und dann Kinder bekommen“ haben immer noch (oder wieder?) viele. Wie ist es aber, wenn man seit vielen Jahren auf seinen großen Tag 2020 gewartet hat und sich jetzt doch nicht das Ja-Wort geben konnte. Was bedeutet das für die Paare, die sich seit Jahren auf Kinder freuen, die vielleicht abstinent auf den großen Tag warten?

Zunächst gab es große Spekulationen, dass Corona den nächsten Babyboom auslösen könnte. „Alle Leute sind im Homeoffice zuhause gefangen, da bleibt ihnen nur noch Sex als gemeinsames Hobby.“ Natürlich könnte auch das Gegenteil der Fall sein. Vielleicht hat man direkt vor der Coronakrise noch schnell geheiratet und wollte gerade mit dem Kinderkriegen loslegen – und jetzt so eine Pandemie. Ist denn diese Gesundheitskrise vielleicht der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um schwanger zu sein und ein Kind zu gebären? Fragen über Fragen, die einem keiner beantworten kann. Ich bin gespannt, ob 2021 ein kinderreiches Jahr wird oder die Geburtenzahlen zurück gehen.

Wir selbst haben uns zwar von Corona unsere Hochzeitspläne zunichte machen lassen – aber unsere Familienplanung behalten wir in unseren Händen. Wir freuen uns auf unseren Zuwachs 2021 – Corona hin oder her. Wann uns endlich wieder zum Feiern zumute sein wird und wir unsere kirchliche Hochzeit nachholen können, das werden wir allerdings erst später sehen.



EIN ARTIKEL VON
  • Petra Schmied

    Nach meinem Lehramtstudium in Biologie- in Geographie habe ich bis zu meiner Karenz als Hortpädagogin an einem der wunderschönsten Ort in Salzburg gearbeitet. Es gibt nichts Schöneres als mit Kindern zu basteln, zu spielen und die Welt zu erkunden. Zudem bin ich als Sexualpädagogin tätig – einem Thema, das mich schon seit meiner Schulzeit begleitet. Mein Ehemann ist ein Jugendfreund von mir, mit dem ich die Leidenschaft des Handballsportes teile und gemeinsam als Jugendtrainer aktiv bin. Unsere kleine Tochter soll erst der Anfang unseres Familienglückes sein.



2 Kommentare
  • Johanna C., 8. Oktober 2020, 20:16 Antworten

    Vielen Dank, dass auch dieses Thema mal zur Sprache gebracht wird! Und geht es sehr ähnlich... Wir wollten Ende September heiraten (kirchlich, das Standesamt haben wir als „Pflichtteil“ im kleinen Rahmen bereits gefeiert) und (klassisch oder konservativ) mit der Hochzeit in die Familienplanung starten. Eine Woche vor dem großen Tag mussten dann auch wir unsere Hochzeit verschieben. Die große Frage: Und was ist jetzt mit dem Nachwuchs? Wir wollen eigentlich nicht warten. Und unsere Absicht die Ehe zu schließen ist auch ernst gemeint - dieses Versprechen wollen wir uns aber „vor Gott und der Welt“ geben, wie es so schön heißt. Das Problem das bei mir dazukommt ist, dass ich Religionslehrerin bin und Angst habe, meinen Job zu verlieren - „unverheiratete“ Religionslehrerin mit Kind an einer katholischen Privatschule? Das könnte problematisch werden. Gott wird nichts dagegen haben, denn er kennt unsere Absichten - aber wie sieht das die weltliche Instanz?

  • Elisabeth Födermayr, 16. Oktober 2020, 13:31 Antworten

    Wenn die eigenen Pläne vom „schönsten Tag im Leben“ so durchkreuzt werden, wie das viele Brautpaare durch Corona erlebt haben, ist das sehr schmerzhaft. Aber vielleicht ist das der Punkt: es ist ein schöner Tag – ja. Aber der schönste? Hoffentlich nicht – sonst würde es ab der Hochzeit ja eigentlich bergab gehen, und das ist hoffentlich nicht der Fall. Es ist aber sehr wohl der Tag der endgültigen Entscheidung: DU - FÜR IMMER. Völlig unabhängig von den Umständen, ob es regnet oder schneit, ob viele Gäste kommen oder wenige, es passiert hier Großes: Indem die Brautleute vor Gott und vor Zeugen (da genügen ja zwei plus Priester/Diakon) zu einander "Ja" sagen und sich so gegenseitig das Ehesakrament spenden, wird eine neue Wirklichkeit geschaffen. Und es ist der Startschuss für viele schönste Tage im Leben, die erst kommen werden! Das Sakrament ist gleichzeitig auch das Rüstzeug und die Zusage der Hilfe Gottes für die schwierigeren Zeiten, für die Herausforderungen, die vermutlich nicht ganz ausbleiben werden. Das ist es nämlich, was Gott schenken möchte: Die Zusage, dass Er mit im Bund ist, dass Er im Ehepaar immer anwesend ist und durch das Sakrament unaufhörlich durch Seine Liebe wirkt! Wer als Angestellter der Kirche arbeitet, sollte sich natürlich prinzipiell auch mit den Wertevorstellungen der katholischen Kirche identifizieren können, davon darf man als Arbeitgeber Kirche schon ausgehen. Wird das Sakrament der Ehe daher aus nicht nachvollziehbaren Gründen daher hinausgezögert oder gar abgelehnt, ist das verständlicherweise ein Problem. Da durch die Pandemie aber viele Schwierigkeiten die Möglichkeit einer Hochzeit entstanden sind, gibt es sicher viel Verständnis für die konkrete Situation, auch was die Familienplanung betrifft. Ganz ehrlich beurteilen, ob eine kirchlicher Hochzeit derzeit aber wirklich nicht möglich oder nur „doch nicht so notwendig“ ist, kann aber jeder doch nur selbst…Vielleicht ist es ja doch eine gute Option, das Sakrament im kleinen Kreis zu feiern und dann, sobald möglich, das Hochzeitfest mit einem Segen oder einer Hl Messe für das Ehepaar zu verbinden? Es geht ja nicht um die sture Einhaltung irgendwelcher sinnbefreiter Formalismen, sondern um die Öffnung des Paares zur Verheißung Gottes hin, zu Seiner liebenden Hilfe, die täglich in der Kraft des Sakraments im Ehepaar wirksam wird. In einem - immerhin mit rein menschlichen Maßstäben gemessenen - schier unmöglichen Vorhaben.

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