Markus Stegmayr

Markus Stegmayr "Mein Tagebuch"

Corona Unser Weg zurück in die Normalität
8. Juni 2020

Corona: Unser Weg zurück in die Normalität


Alles beginnt sich für uns wieder relativ „normal“ anzufühlen. Bald wird man in den Geschäften keine Schutzmaske mehr brauchen, in den Schulen sind die Masken bereits gefallen. Doch wie viel Normalität ist schon in den Köpfen der Kinder angekommen?

Ein Erlebnis hat uns diesbezüglich erschreckt. Die Oma von unseren Mädels hat es vor kurzem nach Innsbruck verschlagen. Dazu muss man sagen, dass sie eine sehr junge Oma ist, topfit und noch nicht einmal zu der viel beschworenen „Risikogruppe“ gehört. Dementsprechend hat sie auch bei uns in unserem Gästezimmer genächtigt. Das war für unsere Mädels selbstverständlich kein Problem. Die Freude war groß, als sie von der Oma erstmals wieder in unseren eigenen vier Wänden eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen bekamen. Und erst recht, dass man in der Früh gemeinsam frühstücken und plaudern konnte.

Führte Corona zur Entfremdung?

Kritischer wurde es erst, als sie vorschlug, dass sie sie in die Schule bringen könne. Ihr Blick sprach Bände. Ob sie nicht doch Mama oder Papa bringen kann, war ihre daraufhin folgende Frage.

Wir waren irritiert. Oma sogar enttäuscht und traurig. Hatte die lange Zeit der räumlichen Distanz zur Oma eine Entfremdung mit sich gebracht?

Waren sie es gar nicht mehr „gewohnt“, dass Oma von Zeit zu Zeit nach Innsbruck kommt und sich dann aufopferungs- und liebevoll um sie kümmert? Der Grund war ein anderer. Doch diesen fanden wir es erst nach längerem Nachfragen heraus. Unsere Kleine (8) hatte tatsächlich Sorge, dass dann in der Schule sowohl Lehrer als auch Direktorin als auch ihre Mitschülerinnen nachfragen würden, warum sie ihre Oma in die Schule gebracht habe. Denn dann würden auch viele Fragen auftauchen. Hat Oma bei dir geschlafen? Darf sie das überhaupt? Wie schaut es mit dem Abstand zu ihr aus, da sie nicht in deinem Haushalt wohnt? Die Sorge, dass wir und sie etwas „Illegales“ getan haben, als wir Oma so nahe in unser Zuhause ließen stand ihr ins Gesicht geschrieben.

Wann ist Corona vorbei?

Auch diese Frage beschäftigt meine Tochter sehr. So sehr, dass sie sich darüber Gedanken macht, was in ein paar Jahren sein wird. In der vierten Klasse (sie geht derzeit in die vierte Klasse Volksschule) ist ein Klassenausflug nach Osttirol geplant. Dort soll gezeltet werden. Ein Vorhaben, das auch schon ihre Schwester (11) zuvor in der Volksschule in die Tat umgesetzt hat. Wenn man so will ist das eine Art Tradition geworden. Kürzlich meinte sie, ob dieses Vorhaben überhaupt umsetzbar sei. Auf unsere Frage nach dem Warum meinte sie nur, dass beim Zelten ja nicht der „Abstand“ eingehalten werden könne.

Was können wir tun?

Diese Ansicht hat uns nicht nur verstört, sondern vor allem traurig gemacht. Corona war tief in dem Kopf unserer Kleinen drinnen. So tief, dass es offenbar ein „Außerhalb“ davon gar nicht mehr zu geben scheint. Auch wenn alles zunehmend normal wirkt, alles ist vom Thema Corona nach wie vor durchdringen, alles wird von ihr unter diesem Gesichtspunkt beleuchtet und analysiert. Sollen wir ihr Hoffnung geben, dass es bald einen Impfstoff geben wird und dann alles „vorbei“ sein wird? Das tun wir, aber klarerweise können wir da keinen Zeithorizont ins Spiel bringen. Das wäre unseriös und faktisch eine Lüge.

Wir können nur offen und kindgerecht diskutieren. Ihr die Wahrheit sagen. Ihr dezent Hoffnung geben, dass auch wieder andere Zeiten kommen werden. Mit ihr darüber reden, was in den letzten Wochen war und warum es diese Maßnahmen unserer Meinung nach gebraucht hat. Und auch offen sagen, dass immer noch Vorsicht das Gebot der Stunde ist. Und zugleich hervorstreichen, dass Vorsicht nicht heißt, dass man Menschen um jeden Preis auf Distanz halten soll. Die Rückkehr zur Normalität wird jedenfalls noch dauern. Sowohl für uns als Eltern als auch für unsere Kinder.

 



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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