Barbara Hirner

Barbara Hirner "Mein Tagebuch"

paarzeit - meinefamilie.at
11. Dezember 2020

Coronazeit – Familienzeit – aber Paarzeit?


In dem Gedanken, dass mein Mann und ich in ein paar Stunden gemeinsam, ja gemeinsam und ohne Kinder zur Blutabnahme fahren, bin ich kurz mal ins Grübeln gekommen. Wann waren wir als Paar das letzte Mal alleine? So wirklich alleine, ohne dass die Kinder im Obergeschoss schlafen.

Da wir praktisch von unserer Quarantäne direkt in den Lockdown geschlittert sind, haben wir zumindest für die Kinder zeitweise die Beaufsichtigung durch die Großeltern. Das geht aber nur mit gutem Gewissen, wenn wir sonst wenige Kontakte pflegen und diese outdoor. Wir wollen ja nach wie vor keinen in unserem Umfeld gefährden, ein Eiertanz zwischen „Normalität“, die es im übrigen schon lange nicht mehr gibt, und Achtsamer Umgang mit der herausfordernder Situation.

Vorige Woche waren wir zum zweiten Mal alleine Spazieren. Spazieren, so richtig schnell. Nicht Spazierenstehen, diskutieren, ob die Jacke bei Minus 3 Grad Sinn macht, Steine sammeln und und und…ihr kennt das bestimmt. Wir haben für eine gefühlte Riesenrunde nicht mal eine halbe Stunde gebraucht und sind dann immer weiter gegangen, haben getratscht und die gemeinsame Zeit genossen. Es war herrlich. Wir sehnen uns nach ein bisschen kinderfreier Zeit, zum Krafttanken für den Alltag mit den Kindern.

Da höre ich schon die Stimmen laut werden, „ihr habt euch doch für Kinder bewusst entschieden“. Ja das stimmt und ich bin von Herzen dankbar, dass ich Mama sein darf. Das Sprichwort es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen fand ich schon immer bedeutend und wir lebten es auch so. In unseren zwei Großfamilien haben wir uns gegenseitig unterstützt und gestärkt. Dies fällt jetzt zum Großteil weg und weder wir als Paar haben kinderfreie Zeit, noch die Kinder, und das finde ich fast noch wichtiger, haben elternfreie Zeit!

Als Mutter in Karenz wird erwartet, das alles mit Links zu händeln. Man ist ja schließlich zu Hause und hat ja nichts zu tun – Sarkasmus off. Es war schon oft in der Vor-Corona-Zeit eine Herausforderung mit allem fertig zu werden, Haushalt, Beziehung, Familienleben, Nebenbeschäftigungen, um ein bisschen etwas zum Familienbudget beizutragen, Vereinsleben… Einiges muss nicht sein, das stimmt, aber auch als Mama möchte man Sozialkontakte pflegen, sich austauschen, um das Gehirn mit etwas anderem zu füttern als Kinderlieder und Rollenspiele. Sogar jetzt beim Schreiben habe ich ein schlechtes Gewissen. Ich muss es doch alles lieben und das tue ich auch. Mit kleinen Pausen dazwischen zum Energietanken. Und die fehlen jetzt.

Wir haben uns als Familie, wie wohl die meisten, gut eingegroovt, haben einen Rhythmus gefunden. Verbringen viel Zeit in der Natur, gehen auf Adventsfenstersuche. Schauen uns abends die tollen Beleuchtungen der Häuser an. Ich habe das Gefühl, die sind heuer besonders aufwändig und schön geworden, ich denke, weil jeder im kleinen Rahmen Freude bereiten möchte. Um unseren Bollerwagen hat mein Mann eine Lichterkette montiert und die Kinder und wir lieben es. Am Wochenende haben wir über dem Zaun kurz mit einer frischgebackenen Familie geplaudert, die uns gleich ihre Lichterkette am Wagerl gezeigt hat. Dann bringen wir auch so Licht in die Welt!

Meine 4-jährige Tochter freut sich auf Zeit mit gleichaltrigen Kindern, zum Spielen, Toben und auch Kräfte messen. Das (kontrollierte) Rangeln und Raufen, was aus entwicklungspsychologischer Sicht sehr wichtig ist, ist mit der kleinen Schwester und uns als Eltern nicht sehr spaßig und teilweise auch gefährlich. Noch weiß ich nicht, wie wir die Zeit nach dem erneuten Lockdown organisieren. Besucht meine Tochter wieder den Kindergarten?

Veranstalten wir wieder Outdoortreffen für Babys, Kleinkinder und ihre Eltern? Wie sieht der Kontakt zu der Familie aus? Wie feiern wir heuer Weihnachten? Voriges Jahr zu Weihnachten hatte unsere kleine Tochter genau über die Feiertage immer wieder 40° Fieber, somit war unser erstes Weihnachtsfest zu viert auch nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Es war aber trotzdem schön, besinnlich und feierlich. Auch für heuer habe ich mir schon Gedanken gemacht. Outdoor wird dabei eine große Rolle spielen. Lagerfeuer, Punsch, Maroni, Bratkartoffel, einen Tannenbaum draußen geschmückt, Weihnachtsspaziergänge,… wenn ich das so lese, freue ich mich schon richtig drauf!

 

Eines meiner Lieblingsweihnachtslieder ist „Weihnacht bedeutet so viel“

Weihnacht ist immer dann, wenn du Gutes tust.

Weihnacht ist immer dann, wenn du für den Frieden nicht ruhst.

 

Weihnacht ist immer dann, wenn du Brücken baust.

Weihnacht ist immer dann, wenn du an die Menschlichkeit glaubst.

 

Weihnacht ist immer dann, wenn du Liebe wagst.

Weihnacht ist immer dann, wenn du alles Böse anklagst.

 

Weihnacht ist immer dann, wenn du Armen hilfst.

Weihnacht ist immer dann, wenn du die Gerechtigkeit willst.

 

Weck die Träume in dir! Gib die Hoffnung nicht auf!

Weihnacht ist mehr als ein Ziel.

Weck die Träume in dir! Gib die Hoffnung nicht auf!

Weihnacht bedeutet so viel.

 

Ich bin bereit für ein Weihnachtswunder und ein bisschen Paarzeit beim Blutabnehmen! 🙂



EIN ARTIKEL VON
  • Barbara Hirner

    Lebe, liebe, lache – das ist mein Lebensgedanke und so genieße ich das Leben mit meinem Mann, meinen zwei Töchtern, meinen zwei Großfamilien und meinen unentbehrlichen Freunden. Alle machen den Alltag bunt und lebenswert. Durch meine pädagogische Ausbildung habe ich ein Potpourri aus Erfahrungen der Arbeitswelt und als Mama.


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