4. November 2020

Da war ein Mensch, der anderen wehtun wollte


Was unsere Kinder jetzt brauchen und wie wir in diesen Tagen die Hoffnung nicht verlieren & trotzdem an das Gute glauben.

Der Anschlag vom 2.11.2020 macht uns betroffen – noch mehr als das: er macht uns Angst, wütend, verweifelt. Inmitten einer Pandemie, die sowieso schon einschränkt und unberechenbar ist, passiert so etwas – plötzlich ist Terror ganz nah und wir befinden uns in einer Art Schockstarre.

Unsere Kinder (6 und 8) stellen Fragen und wir finden anfangs schwer Worte, um das, was passiert ist zu erklären. Da war ein Mensch, der anderen weh tun wollte. Ganz anders als bei einem Streit, zu dem meistens zwei gehören – das kennen Geschwister ganz gut – war diese Tat nicht vorhersehbar. Ja, das Böse in der Welt ist mit einem Mal greifbar und spürbar geworden und gleichzeitig absolut unverständlich und unfassbar geblieben.

Was brauchen unsere Kinder jetzt?

Wir sitzen beim Frühstück, in der Arbeit, am Nachmittag auf der Couch und sind betroffen. Denn es trifft uns, dass unschuldige Menschen leiden müssen, dass Hass und Terror uns in Angst und Schrecken versetzen.

Gerade jetzt merken wir, dass wir und unsere Kinder Nähe suchen. Kuscheln, miteinander spielen, in Sichtweite bleiben – momentan sind Sicherheit und Geborgenheit so wichtig!

Das Thema „Anschlag“ und „Terror“ muss gar nicht überthematisiert werden. Kommen Fragen unserer Kinder, beantworten wir das, was sie wissen wollen, klar und ehrlich. Wir erzählen keine Details, die sie vielleicht überfordern.

Wir betonen auch, dass es sich hier um einen oder zwei Menschen gehandelt hat, aber es nur ganz ganz wenige gibt, die so etwas machen.

Wir hören unseren Kindern bewusst zu

Was wurde in der Schule oder im Kindergarten besprochen, was haben sie vielleicht auch nur aufgeschnappt? Was zeichnen, spielen und erzählen sie heute, morgen und in nächster Zeit? Welche Ängste, die vielleicht nicht offensichtlich sind, bemerken wir?

Meistens hilft es, einfach da zu sein und zuzuhören. Wenn die Ängste bei Kindern überhand nehmen, gibt es aber auch Anlaufstellen wie z.B die Möwe oder den psychosozialen Dienst, die helfen können. Auch die meisten Schulen und Kindergärten haben Tipps oder wissen, wo man sich hinwenden kann.

Distanz und Abstand halten?

Terror! – Wie spreche ich mit meinem Kind darüber (c) iStock

Schon durch Corona gilt derzeit „Abstand halten“. Dass das für Kinder weitreichende Folgen haben könnte, wurde auch medial schon oft diskutiert. Auch, wenn das körperliche Abstand halten durchaus Sinn macht, muss das aber nicht zu Distanz führen! Wir merken, dass gerade jetzt, gerade während Krisen und Angst, Kontakte und Verbundeheit wichtig sind. Das geht eben derzeit oft nicht so wie „vor Corona“, wir können heute nicht einfach zu Oma und Opa nach Wien fahren und sie umarmen wenn wir möchten.

Aber wir können die technischen Hilfsmittel nutzen, uns heute über Videoanruf verbinden und uns so allen die Gewissheit verschaffen, dass sie in Sicherheit sind. So wie geteilte Freude wächst, schrumpft oft geteilte Angst. Das darüber Sprechen hilft! Wir lassen die Kinder gerade heute von schönen Momenten erzählen – vom Spaziergang heute Vormittag, der nur stattfinden konnte, weil Papa nicht nach Wien gefahren ist; vom gelben Ahornbaum, der in der Herbstsonne gestrahlt hat und von der letzten Zwetschke, die geteilt wurde. Das klingt vielleicht banal und möglicherweise sogar respektlos den Menschen gegenüber, die heute leiden und verzweifeln.

Doch für Kinder ist es besonders wichtig, so viel Normalität wie möglich zu haben und gerade in Zeiten, wo es viel Negatives gibt, bewusst das Schöne zu sehen.

Videotalk zum Thema „Terror! – Wie spreche ich mit meinem Kind darüber?

Trotzdem an das Gute glauben?

Es ist faszinierend und beeindruckend, wie schnell in solchen Situationen der Zusammenhalt spürbar wird. „Pray for Vienna“ oder #Liebe>Hass sind nur zwei der vielen Hashtags, die durch Österreich und um die Welt wandern.

„Die Liebe und das Gebet sind unsere stärksten Waffen“, sagt Papst Franziskus.

Es gehen schon die ersten Berichte über Menschen durch die Medien, die mit kleinen und großen Taten geholfen, unterstützt, gerettet oder einfach Menschlichkeit gezeigt haben. Menschen unterschiedlicher Religion, Männer und Frauen, Jung und Alt, mutig und ängstlich – sie alle zeigen, dass Zusammenhalt und Liebe so viel stärker sind als Angst und Hass! Die Namen der oder des Terroristen werden bald vergessen sein – aber die Taten aus Nächstenliebe, der Wunsch nach Friede, der Einsatz füreinander, dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit, die werden bleiben!

Hass macht nichts besser und es ist sicher nichts Gutes in der Tat an sich. Wir glauben aber fest daran, dass diese furchtbare Tat aufgeklärt wird und wir aus diesen Tagen mit einem größeren Gefühl der Verbundheit heraus gehen können. Wir wünschen allen, die betroffen sind und große Angst haben, dass auch sie Momente der Liebe erleben und Hilfe erfahren. „Pray for Austria“: das werden wir heute in unserem Abendgebet mit unseren Kindern auf jeden Fall machen – und ebenfalls Danke sagen für alles Gute, das wir sogar in schwierigen Zeiten wie diesen sehen und erleben können.



EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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