Wenn den Eltern in den Ferien die Ideen ausgehen: Was tun, wenn den Kindern langweilig wird?

Anfang Juli: Wir als Eltern, und meist noch mehr unsere Kinder hatten uns schon lange danach gesehnt: die Schule ist zu Ende, es wird ruhiger, der tägliche Druck, Leistung bringen zu müssen, fällt ab.

Viele Familien starteten in den sorgfältig geplanten Urlaub, oder ließen es erst einmal ruhig angehen.

Die ersten Tage waren meist schnell verplant: ausschlafen, Schwimmen gehen, Freunde treffen, Ausflüge machen und eventuell verreisen.

Doch irgendwann in diesen neun Wochen kommt jedes Jahr der Moment, den viele Eltern kennen: Die Kinder sitzen herum, schauen gelangweilt aus dem Fenster und sagen den berühmten Satz: „Mir ist langweilig!“

Spätestens dann, wenn es vielleicht unerträglich heiß ist draußen, oder ein Regentag dem anderen folgt, stellt man sich die Frage: Was tun, wenn die Ideen ausgehen?

Die gute Nachricht: Langeweile ist nichts Schlechtes.

Kinder müssen nicht jede freie Minute dauernd bespaßt und beschäftigt werden. Gerade aus Langeweile entstehen oft eigene Ideen, kreative Spiele und neue Entdeckungen. Eltern müssen deshalb nicht ständig das nächste Unterhaltungsprogramm liefern.

Manchmal reicht ein kleiner Anstoß.

Leider haben wir heute aber sehr schnell ein schlechtes Gewissen. Denn der Blick über die eigene Familie hinaus zeigt uns oft ein Bild der Anderen, die ihren Kindern scheinbar jeden Tag die tollsten Erlebnisse bieten. Kein Tag scheint zu vergehen, an welche der Nachwuchs der Anderen nicht was Schönes, Unvergessliches erlebt.

 

Es klappt auch, aus wenig etwas Schönes zu machen

Für Beschäftigungsideen braucht es nicht immer teures Spielzeug oder einen großen Ausflug. Ein Karton kann zum Puppenhaus, zur Garage oder zum Raumschiff umgebaut werden. Aus Decken und Sesseln entsteht eine gemütliche Höhle, im Garten wird eine Schatzsuche vorbereitet und mit Papier, Stiften und Klebstoff lässt sich ein ganzer, wunderbarer und unvergesslicher Nachmittag verbringen.

Auch einfache Aufgaben können spannend werden. Wer schafft es, den höchsten Turm aus Bauklötzen zu bauen? Wie viele verschiedene Dinge lassen sich im Garten finden? Können die Kinder ein Picknick vorbereiten und selbst den Tisch decken? Aus einer alltäglichen Aufgabe wird schnell ein kleines Abenteuer, wenn Kinder mitentscheiden dürfen.

Gemeinsames Einkochen von Marmelade oder köstlichen Säften, die aus den aktuell reifen Früchten gezaubert werden, lassen den Alltag von Kindern gleich sinnvoll und spannend werden.

 

Gemeinsam rausgehen

Wenn zu Hause gar nichts mehr funktioniert, hilft oft ein Ortswechsel. Dafür muss es nicht gleich ein großer Familienausflug sein. Ein Spaziergang kann mit einer kleinen Aufgabe verbunden werden: Die Kinder suchen besondere Steine, Blätter oder Tiere, fotografieren interessante Dinge  und Tiere oder überlegen sich eine Geschichte zu dem, was sie unterwegs entdecken.

Auch der nahegelegene Spielplatz, ein Bach, ein See oder ein Waldstück können für Abwechslung sorgen. Besonders schön ist es, wenn die Kinder selbst mitbestimmen dürfen, wohin es geht.

 

Ferien ohne Daueraktivität – Zeit zum Runterkommen

Viele Eltern haben den Anspruch, ihren Kindern möglichst abwechslungsreiche Ferien zu bieten. Doch ein voller Terminkalender, das Abarbeiten von Aktivitäten ist nicht automatisch ein guter Ferienplan.

Kinder brauchen auch Zeit zum Nichtstun.

Sie dürfen sich langweilen, herumliegen und selbst herausfinden, was sie gerade machen möchten.

Wer immer sofort eine fertige Lösung anbietet, nimmt den Kindern manchmal die Chance, selbst kreativ zu werden. Deshalb kann die Antwort auf „Mir ist langweilig!“ durchaus einmal lauten: „Lass uns herausfinden, was wir machen könnten, indem du selbst einmal einen Vorschlag machst“ Vielleicht kommt zunächst keine Antwort. Aber nach ein paar Minuten taucht plötzlich eine Idee auf – und genau daraus kann ein wunderbarer Ferientag entstehen.

Ferien-Ideen-Box

Wer trotzdem gerne vorbereitet ist, kann gemeinsam mit den Kindern eine Ferien-Ideenbox gestalten. Auf kleine Zettel werden einfache Aktivitäten geschrieben: Kuchen backen, ein Brettspiel spielen, ein Bild malen, eine Höhle bauen, einen Brief schreiben, im Garten etwas Pflanzen oder einen Bastelnachmittag veranstalten.

Wenn wieder einmal die Langeweile zuschlägt, wird ein Zettel gezogen. Dabei sollte die Box nicht nur aus Aufgaben bestehen, die wir als Eltern vorschlagen. Die Kinder können selbst Ideen hinzufügen und so ihre eigene Sammlung gestalten. Am Ende geht es in den Ferien nicht darum, jeden Tag spektakulär zu machen. Die schönsten Erinnerungen entstehen oft aus den kleinen Dingen: einem spontanen Picknick, einem selbst erfundenen Spiel, einer Radtour ohne festes Ziel oder einem Nachmittag, an dem aus Langeweile plötzlich eine großartige Idee wurde.

Ein bisschen Leerlauf gehört deshalb ruhig zu gelungenen Ferien dazu.

Ganz besonders schön kann es sein, wenn man sich als Familie in den Ferien auch regelmäßig Zeit für jene nimmt, denen es gerade nicht so gut geht. So könnte man beispielsweise immer wieder einmal jemanden besuchen, der krank oder hilfsbedürftig ist, mit jemandem der im Rollstuhl sitzt spazieren gehen, oder Einkäufe für ältere Menschen tätigen, denen es schwerfällt, alleine zurecht zu kommen. Wir machen gerade in unserer Familie immer wieder die Erfahrung, dass es meist genau diese kleinen Dinge sind, die das Leben der Kinder nachhaltig prägen und bereichern und das ist unglaublich schön.

Noch eine schöne, verbleibende Sommerzeit!

Ähnliche Artikel

Ein Artikel von

Weitere Artikel des Autors lesen