Haushalt mit Kindern organisieren: Plan, Regeln oder Eigeninitiative?

Je älter Kinder werden, desto mehr stellt sich die Frage: Was die ihnen an Haushaltstätigkeiten zumutbar und was nicht? Vor allem aber: Wie schafft man Verbindlichkeit?

Egal, welche Eltern ich treffe und egal, mit welchen Personen ich zum Thema Haushalt und Kinder und/oder auch Jugendliche ins Gespräch komme: Die Diagnose ist fast immer dieselbe. Es braucht Verbindlichkeit. Es braucht konkrete Ansagen.

Es braucht strikte Rahmen und vor allem eines: Absolute Klarheit.

Was Eltern hingegen nicht oder nur eingeschränkt erwarten dürfen: Eigeninitiative.

Eigeninitiative als Illusion

Über letzten Punkt ließe sich trefflich diskutieren. Aber de facto ist es – mit Abstrichen – was überall so. Solange Eltern alles im Griff haben, den Haushalt im Grunde allein schupfen, so lange wird auch von den Kindern keine wirkliche Eigeninitiative ausgehen. Denn Kinder wissen: Früher oder später macht das ohnehin Mama oder Papa. So lange wird um die Probleme, um den „Saustall“ einfach „herumgetanzt“. Denn der Nachwuchs scheint da über die Jahre eine erstaunliche Toleranz und erstaunlichen Gleichmut zu entwickeln.

Wie lassen sich Verbindlichkeiten schaffen?

Doch das würde jetzt wieder in eine andere Richtung, fast schon in Richtung Grundsatzdebatte über Aufgabe, Beschaffenheit und Rollen in Familien führen. Ich will auf etwas Anderen hinaus: Eben auf die Frage, wie sich Verbindlichkeiten schaffen lassen und damit verbunden auch auf die Frage, ob man als Elternteil „selbst schuld“ ist, wenn diese nicht vorherrschen und alles an einem hängen bleibt.

Ein praktischer Ansatz: ein Haushaltsplan

Ein solches Gespräch habe ich jedenfalls vor kurzem mit einem befreundeten Elternpaar geführt. Etwas provokant warfen sie mir im Laufe meiner Klagen, dass alles an mir und meiner Frau entgegen, selbst schuld zu sein. Sie hätten mittlerweile eine Lösung etabliert: Einen fixen Plan, wer für welche Bereiche im Haushalt zuständig ist, sprich: Küche, Bad, Wohnzimmer usw. usf.. Wöchentlich würde die Zuständigkeiten wechseln, zumal jeder einmal mehr oder weniger „unbeliebte“ Bereiche bekommen soll. Dieses Vorgehen würde jedenfalls gut funktionieren, da es fair sei. Für mich einleuchtend.

Doch eine Frage drängt sich mir dann doch auf: Sind solche Vereinbarungen – egal ob mündlich festgehalten oder schriftlich fixiert – nicht bloße Hilfskonstruktionen, die das eigentliche Problem verschleiern? Viele Eltern haben jedenfalls eine Sehnsucht, die ich in diesem Text schon implizit erwähnt habe. Eltern sehnen sich – zu Recht – danach, dass ihre Sprösslinge Eigeninitiative ergreifen und Dinge, die zu tun sind, einfach „sehen“. Heißt: Agieren, ganz ohne Vereinbarungen, ganze ohne Verpflichtungen, sondern einfach aus der Wahrnehmung heraus, dass man gemeinsam unter einem Dach wohnt und dass man es gemeinsam „schön“ haben möchte. Freilich spießt sich das alles an der Frage, was derjenige oder diejenige jeweils als schön definiert.

Wenn Eltern loslassen - kommt die Einsicht von selbst?

Aber darum geht es wohl weniger als um die Tatsache, die ich hier auch schon erwähnt habe: Solange Mama und Papa alles irgendwie „über“ haben, besteht für die Kinder kaum die Notwendigkeit selbst Initiative zu ergreifen. Der Umkehrschluss: Wenn Mama und Papa mal die Zügel locker lassen, kommt der Nachwuchs irgendwann selbst drauf, dass etwas zu tun ist und was zu tun ist. Dann erkennt er erst die Zusammenhänge und sieht, was die Eltern so hinter den Kulisse und fast lautlos und unbemerkt tagtäglich so auf die Beine stellen, damit der Haushalt nicht völlig eskaliert.

Doch stimmt dieser Rückkehrschluss auch? Weil: Siehe die bereits geäußerte These der „Toleranz“ diesbezüglich. Was noch eine Option wäre: Möglichst früh damit zu beginnen so zu agieren, dass diese „Toleranz“ erst gar keine allzu fröhlichen Urstände feiern kann. Was wiederum nicht heißt, dass man dem Nachwuchs von klein auf alle möglichen Aufgaben zuschanzen soll, die sie möglicherweise überfordern oder auch unnötig belasten. Aber ebenso wenig ist es zielführend, dass man sie so sehr schont, dass sie der Meinung sind, das alles ginge sie gar nichts an. Es gilt hier wohl eine gesunde Balance zu finden.

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