Glauben leben im Familienalltag - Gott mitten im Chaos entdecken
Der Alltag junger Familien ist manches Mal geprägt von Zeitdruck, Müdigkeit und gefühlter Überforderung. Zwischen Arbeit, Schule, Kindergarten und Haushalt bleibt gerade für junge Mütter oft nur wenig Zeit und Raum für Stille. Gerade hier fragen sich viele regelmäßig: Wie können wir unseren Glauben leben und weitergeben, wenn der Alltag so unruhig ist?
Hier tut es gut, sich immer wieder bewusst zu machen: unser Glaube beginnt nicht in der Perfektion, sondern in der Menschwerdung Gottes. Jesus kommt nicht in eine heile Welt, sondern wird in Armut geboren, wächst in einer einfachen Familie auf und teilt somit die Sorgen des menschlichen Lebens.
Die Heilige Familie ist daher auch ein Zeichen dafür, dass Gott gerade im alltäglichen Leben gegenwärtig ist.
Der hl. Papst Johannes Paul II. fasst diese Bedeutung der Familie für die Kirche in einem bekannten Satz zusammen:
„Die Familie ist der Weg der Kirche.“ (Johannes Paul II.)
Gott in unseren Alltag einladen
Den Glauben konkret im Familienchaos zu leben bedeutet, Gott bewusst in den Alltag einzuladen. Das kann ganz schlicht geschehen: durch ein gemeinsames Kreuzzeichen, welches den Kindern am Morgen, beim Verlassen des Hauses auf die Stirn gezeichnet wird, durch ein Stoßgebet während der Arbeit, durch ein kurzes Tischgebet oder durch einen Abendsegen, wenn wir unsere Kleinen zu Bett bringen.
Auch das Vorlesen von Geschichten aus der Kinderbibel, lässt den Glauben in den Herzen unserer Kinder von Klein an wachsen. Viele von uns haben die Erfahrung gemacht, dass gerade die Geschichten aus der Kinderbibel faszinieren, und ein Leben lang bewahrt bleiben.
Ein offenes Herz
Auch wenn es häufig laut und wild zugeht, ist es wichtig zu wissen: Gott wirkt nicht nur in der äußeren Ordnung, sondern im offenen Herzen. Diese kleinen Rituale geben dem Tag Struktur und machen erfahrbar, dass Gott ganz konkret mitten unter uns, in unserer konkreten familiären Situation wohnt.
Sakramente als besondere Kraftquelle
Die gemeinsame Feier der Eucharistie stärkt Familien, auch wenn der Gottesdienstbesuch mit kleinen Kindern häufig herausfordernd ist. Der hl. Papst Johannes Paul II. hat uns als Familien immer wieder ermutigt, den Platz in der Kirche bewusst einzunehmen, denn Kinder erfahren den Glauben nicht durch Worte, sondern durch Zeichen, Gemeinschaft und Wiederholung. Auch das Sakrament der Versöhnung schenkt uns allen immer wieder neu die Kraft, aus der Barmherzigkeit Gottes heraus, von vorne anzufangen.
„Die Zukunft der Menschheit geht über die Familie. Es ist darum unerlässlich und dringend, dass jeder Mensch guten Willens sich dafür einsetzt, die Werte und die Aufgaben der Familie zu erhalten und zu fördern.“ (Johannes Paul II.)
Glauben durch Vorbilder
Glaube wird dabei weniger durch Worte weitergegeben als durch das gelebte Zeugnis. Wenn Kinder sehen, dass Eltern gemeinsam beten, verzeihen, danken und auf Gott vertrauen, wird der Glaube konkret und glaubwürdig, er bleibt keine lose Formel, oder auf die Feier der Feiertage beschränkt. Er wird zu einem fixen Bestandteil des Alltags.
Das Kirchenjahr
Das Kirchenjahr bietet uns allen einen wertvollen Rahmen für unser Leben in der Familie. Der Adventskranz, die Weihnachtskrippe, die Fastenzeit oder die Osterkerze machen den Glauben sichtbar und erfahrbar. Diese Zeichen helfen Kindern, den Rhythmus des Kirchenjahres zu entdecken und zu verinnerlichen. Gerade diese Strukturen geben Sicherheit und Stabilität in allen Lebenslagen, besonders dann, wenn es schwierig ist. Papst Johannes Paul II. bezeichnete die Familie deshalb als „Hauskirche“, in der der Glaube im Alltag von Klein an natürlich wächst und weitergegeben wird.
Deshalb tut es immer wieder gut, in seinen Schriften zu lesen, in denen er sagt: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“ (Johannes Paul II.) – auch die Türen des lauten, unordentlichen Familienalltags, der uns in unserer Persönlichkeit reifen lässt, der uns als Eltern herausfordert, aber auch in der Geduld, in der Opferbereitschaft und im Verzicht formt und reifen lässt.
Fazit
Glauben im Familienalltag zu leben heißt, darauf zu vertrauen, dass Gott mitten im Leben gegenwärtig ist, dass er alle Wege mit uns geht, uns begleitet und uns auch dann nicht allein lässt, wenn wir gerade mit Herausforderungen und Schwierigkeiten im Alltag kämpfen, die alles von uns abverlangen.
