Die Sache mit der Ordnung, oder: Warum ich oft „wahnsinnig“ werde
Das Zimmer: Unordentlich. Die zuvor geöffneten Kästen: Nicht geschlossen. Das Licht in der Küche: Eingeschaltet. Dann reicht es mir.
Bin ich pedantisch?
Gut möglich. Bin ich ordentlich? Das denke ich schon. Warum bin ich das? Weil ich glaube, dass ein ordentliches Zuhause die Basis von fast allem ist. Das führt auch immer wieder zu Missverständnissen mit meiner Frau, die beklagt, dass ich der Ordnung alles andere unterordnen würde.
Das stimmt meiner Meinung nach so nicht: Ich bin nur der Ansicht, dass gewissermaßen zuerst die Arbeit und dann das Spiel kommt. Sprich: Wenn alles aufgeräumt ist und erledigt ist, kann man sich bedingungslos der Familie widmen, ohne Hintergedanken daran, dass danach noch die Küche auf Vordermann, die Wäsche wegzuräumen oder Geschirrspüler einzuräumen ist.
Papa wirds schon machen
Ganz unabhängig wie man zu dieser Haltung steht und wie man sie einordnet: Unsere Kinder ticken gänzlich anders. Das „Motto“ ist absolut anders. Es gilt: Lieber um das Chaos „herumtanzen“ und es so gekonnt ignorieren, dass das eigene Wohlbefinden und der eigene Alltag davon absolut gar nicht berührt wird.
Im Zweifelfall auch: So lange liegen- und seinlassen, bis es der ordentliche Vater erledigt. Das scheint eine Strategie, die sich über die Jahre etabliert und wohl auch bestens bewährt hat. Weil: Siehe oben. Er wird nach einer gewissen Zeit fast schon nervös und kann sich die Unordnung einfach nicht mehr ansehen.
Wieviel Unordnung kann ich aushalten
Ich bin diesbezüglich wohl Teil des Problems. Ich müsste mich gewissermaßen in Geduld üben. Abwarten. Liegen lassen. So lange, bis es die Kinder selbst als Problem und als Beeinträchtigung wahrnehmen. Nur: So lange gelingt mir das nie. So viel Geduld habe ich nicht.
Und so komme ich heim und ärgere mich. Jedes Mal wieder. Zugegeben zum Teil über Kleinigkeiten wie eben darüber, dass das Licht in der Küche angelassen wurde, obwohl sich schon seit geraumer Zeit niemand mehr dort befindet. Dass das Geschirrtuch einfach irgendwo in die Ecke gepfeffert wurde, anstatt wieder dort aufgehängt, wo es eigentlich hingehört. Und tausend andere kleine Dinge, die hier aufzuzählen den Rahmen sprengen würde.
Doch wie sollte ich stattdessen agieren? Natürlich kann man sich Geduld verordnen. Natürlich kann man Besserung geloben. Natürlich kann man sagen, dass Gleichmut eine Tugend ist und die Akzeptanz eines gewissen Grades von Chaos der beste Wegweiser auf dem Weg dorthin ist. Doch was, wenn all das trotz mehrerer Anläufe und Versuche partout nicht funktionieren will?
Ein kleiner Trost: Ich bin der festen Überzeugung, dass man seinen Kindern Vorbild ist, auch wenn man es in diesem Moment nicht ist. Soll heißen: Auch wenn sie das eigene Verhalten seltsam bis ablehenenswert finden, hat es Einfluss auf ihr späteres verhalten. Vieles sickert ein, vieles setzt sich fest, vieles kommt erst Jahre später zum Vorschein und damit zur vollen Blüte.
Herausforderung an mich selbst
Darüber hinaus habe ich mir dennoch eine Art Denkaufgabe zurechtgelegt. Besser gesagt wohl: Eine Herausforderung für mich selbst und etwas, das mich von Zeit zu Zeit beruhigt und mich von der Fährte in Richtung Wahnsinn wieder zur Vernunft bringt. Ich rede mir immer wieder gut zu und ein, dass nicht jeder die gleiche Haltung wie ich selbst haben muss. Das es verschiedene Arten und Weisen, die Welt zu betrachten gibt.
Gleichmut! Akzeptanz.
Die Kinder müssen den eigenen Weg finden, eigene Zugänge, eigenen Ansätze, was Welt, Alltag, Haushalt und Ordnung betrifft. Das Aufzwingen und immer wieder hinweisen hilft wohl weniger, als Anleitungen zu geben, Hinweise. Diese trägt am bestenfalls gemächlich, verständnisvoll und ruhig vor. Dann haben sie wohl die größte Wirkung. Hysterie, Wahnsinn und Vorwürfe führen in dieser Hinsicht nämlich wirklich nur in den allerseltensten Fällen ans Ziel. Davon bin ich mittlerweile selbst schon überzeugt.
