Die heiligen Tage - wie Traditionen uns helfen, in diese Tage einzutauchen - Teil 1: Palmsonntag und Gründonnerstag

Wir stehen nun kurz vor den heiligen Tagen – ein gutes Stück der Fastenzeit liegt schon hinter uns. Jedes Jahr kann ich es kaum glauben, wie schnell doch die Zeit vergeht.
Nun nahen wir uns dem Höhepunkt dieser Fastenzeit – den heiligen Tagen.

Auf dem Weg in die Heiligen Tage

Ab jetzt beginnt eine ganz besondere Zeit, die von Traditionen und Brauchtum begleitet wird. Genau diese helfen uns dabei, so richtig in diese mystischen Tage einzutauchen.

#1. PALMSONNTAG

Zunächst gehen wir dem Palmsonntag entgegen.

Palmbuschen schon gebunden oder besorgt?

Unbedingt noch erledigen! Mancherorts werden die Palmbuschen auch noch mit Brezeln behängt – eine kleine Wegzehrung für die Kleinsten.

Wofür haben wir eigentlich einen Palmbuschen?

Wir fliegen ein wenig zurück in der Geschichte:
Jesus zieht in Jerusalem ein – ein paar Tage, bevor er mit seinen Jüngern das Paschamahl, sein letztes Abendmahl, feiern wird. Die Menge jubelt, als sie Jesus auf einem Esel einreiten sieht.
Hosanna-Rufe ertönen und er wird als König begrüßt und erwartet.

Die Palmbuschen erinnern uns daran, wie die Menschen mit Palmzweigen wedelten und sie Jesus zu Füßen legten gemeinsam mit ihren Kleidern.

Man kann sich das wie den roten Teppich für VIPs vorstellen und am Rand stehen die Fans.

Auch wir dürfen am Palmsonntag unsere Buschen in die Höhe halten – Jesus ist für uns wichtig und wir wollen Ihn feiern.

Auch wir singen: Hosanna, du sollst König sein!

Diese Palmbuschen werden gesegnet und mit nach Hause genommen – wir nehmen Gottes Segen mit in unser Zuhause, auf unsere Felder, in unser Leben.

Aber bei der Party bleibt es nicht. Das hören wir dann nach der Palmweihe in der Messe, denn es wird das erste Mal die Passion – die Leidensgeschichte Jesu – vorgelesen.

Neben der Freude feiern wir auch die Liebe im Leiden – Jesus stirbt aus Liebe zu uns am Kreuz.

Darauf folgen ein paar Tage Pause, in denen das mal sacken kann.

 

#2. GRÜNDONNERSTAG

Gründonnerstag kommt eigentlich nicht von GRÜN – obwohl sich das schon ein wenig eingebürgert hat, dass an diesem Tag grüne Speisen verzehrt werden.
Manchmal denke ich mir, ob das nicht eine nette Erfindung mancher Mamas war, dass an diesem Tag der Spinat ohne Gejammer gegessen werden musste, weil es eben Tradition ist. 😉
Grüne Speisen zubereiten und verspeisen, das kann man gerne machen und dann beim Essen besprechen, dass das eine lustige Tradition ist, dass man aber den eigentlichen Namen und die Bedeutung von Gründonnerstag kennt: Weinen-und -Klage-Donnerstag.

Das Wort grün kommt von „greinen“ – einem alten Wort für „weinen“.

Am Abend gibt es die Gründonnerstagsliturgie: Wir erinnern uns daran, wie Jesus das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern feierte.
Zunächst gibt es die Fußwaschung: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füße, als Zeichen dafür, dass er nicht gekommen ist, um wie ein Herrscher zu regieren, sondern aus Liebe zu dienen.
Dann folgt das Mahl: Jesus reicht Brot und Wein an seine Jünger mit den Worten:

DAS ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.
DAS ist mein Blut, das für euch vergossen wird.

Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Und er hinterlässt uns diese „Tradition“, die wir von da an jeden Sonntag feiern – die Eucharistiefeier in der Heiligen Messe.

Dann endet das Mahl, aber die Kirche gedenkt auch dessen, was danach noch geschah: Jesus geht mit ein paar seiner Jünger in den Garten Getsemani und betet.
Er bittet sie mitzubeten, aber sie schlafen ein. Jesus ist also allein. Er hat Angst und schwitzt Blut.
Kinder verstehen so gut, wie sich Jesus fühlen muss. Wenn ich das mit meinen Kindern besprochen habe, war ich immer ganz erstaunt und berührt, wie gut sie diese Situation nachempfinden können.

Jesus weiß, dass etwas Schlimmes auf ihn zukommt und er hat Angst.

Doch hören wir auch, dass ein Engel kommt und ihn tröstet. Leider ist auf seine Jünger da kein Verlass. Sie schlafen und schnarchen satt dahin.
Das dürfen auch wir uns in unser Leben mitnehmen: Wenn wir scheinbar allein sind und große Angst haben, sieht uns Gott und er sendet uns einen Engel, um uns zu trösten.
Mit dieser Gewissheit darf dieser Abend für uns enden.

Was wir den Kindern aber erzählen dürfen: Für Jesus endet der Abend leider nicht so.
Einer seiner Freunde, der Apostel Judas Iskariot, verrät Jesus in dieser Nacht und führt die Wachen zu ihm in den Garten Getsemani.
Jesus wird gefangengenommen und die ganze Nacht verhört.
Der Karfreitag bricht an.

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Ein Artikel von

Portraitfoto Angelica Spießberger

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