Die heiligen Tage - Teil 2: Karfreitag und Karsamstag

Im >>Teil 1 habe erklärt, welche Bedeutung der Palmsonntag und der Gründonnerstag für uns Christen haben und wie wir diese beiden Tage in der Familie begehen können.

In diesem Teil nähern wir uns dem Höhepunkt unseres Glaubens: dem Karfreitag und dem Karsamstag. Ich möchte euch einen Einblick geben, wie gelebter Glaube gelingen kann, der der Tradition und Tiefe verbindet: vom stillen Kreuzweg am Karfreitag über die erwartungsvolle Grabesruhe bis zum strahlenden „Halleluja“ der Osternacht.

 

KARFREITAG

Der Karfreitag steht ganz im Zeichen des KREUZES.

An diesem Tag wird unser Familienkreuz mitten am Esstisch platziert. Eine Kerze wird entzündet und brennt den ganzen Tag neben dem Kreuz.
Unser Vorhaus (das eigentlich aus einem langen Gang besteht) wird zu einem Kreuzweg – die 14 Stationen werden aufgestellt.

Zu jeder Kreuzwegstation legen wir ein Symbol. Das sind unsere Kinder immer sehr kreativ. Stationen werden nachgestellt mit Playmobilfiguren oder passende Gegenstände werden dazugelegt, wie zum Beispiel

  • Steine beim Fallen unter dem Kreuz
  • Taschentücher für die weinenden Frauen
  • Kleider für die Verlosung unter den Soldaten
  • Ein mit Lippenstift bemaltes Geschirrtuch für das Schweißtuch, dass Veronika Jesus reicht
  • Ein Kreuz als Zeichen, dass Simon von Cyrene Jesus hilft usw.

 

Die Kinder sind am Vormittag damit beschäftigt, jeder ein paar Stationen zu übernehmen.

Um 15.00Uhr zur Todesstunde Jesu beten wir das letzte Mal für dieses Jahr den Kreuzweg.

 

Essen

Der Karfreitag ist einer der beiden gebotenen Fasttage der Kirche.

Da nur Wasser und Brot für Kinder doch etwas schwer auszuhalten sind (uns Erwachsenen tut diese Erfahrung einmal gut), haben wir in unserer Familie die Tradition:
Einfaches Frühstück: Brot mit Butter ohne Marmelade, kein Saft oder ähnliches.
Mittagessen: Eine einfache Eintropfsuppe  und Pizzabrot (Pizzateig ohne Belag, nur mit grobem Meersalz bestreut. Davon reichlich, damit keiner verhungern muss.)

Unsere größeren Kinder feiern am Abend in der Kirche die Karfreitagsliturgie mit – unsere kleine Maus bleibt mit mir zuhause.

Wir ziehen uns für diesen besonderen Abend auch besonders an. Schlicht feierlich und wenn möglich in Schwarz. Wir gehen ja zu Jesu Begräbnis, könnte man sagen.

In der Messe gibt es dann neben der Erinnerung an Sein Leiden und Sterben auch die Kreuzverehrung  - alle Messbesucher gehen nach vorne und knien sich vor dem Kreuz hin, oder berühren es oder küssen es, als Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung.

Dann folgt die Grabesruhe bis zur Osternacht

Wir als Familie haben uns angewohnt, am Abend einen Film über Jesus anzusehen.
Den kann man altersentsprechend wählen.
Diese Tradition habe ich aus meiner Familie übernommen, da schauten wir uns „Passion of Christ“ an. Das ist natürlich eine schwer verdauliche Kost. Wir haben daher „Auferstanden“ mit unseren Großen begonnen. Für die Kleinen kann ich eine Superbuchfolge zu Jesu Leiden und Sterben empfehlen.

Aber ansonsten sind alle Medien auch in Grabesruhe.

KARSAMSTAG

Der Tag der Grabesruhe.

An manchen Orten und in den meisten Pfarren gibt es schön verzierte Gräber Jesu, die besucht werden können.

Alles bereitet sich auf die Heilige Nacht – die Osternacht vor.

Leider sind auch wir an diesem Tag meist nicht in Ruhe – denn der Speisenweihkorb muss befüllt werden und das Festmahl für das Fastenbrechen nach der Osternacht vorbereitet werden (bei uns ist das meistens nach Mitternacht, aber dieses Fest will keiner missen).

Die Osternacht kann erst nach Einbruch der Dunkelheit beginnen.
Vor der Kirche wird das Osterfeuer entzündet – Christus das Licht kommt in unsere Dunkelheit. Der Tod ist überwunden, Jesus lebt.

Für die Kleinen wird bei uns daheim am späten Nachmittag in der Feuerschale ein kleines Osterfeuer mit dem trockenen Palmbuschen des Vorjahres entzündet.
Dann kleiden wir uns festlich und die Großen feiern mit ihrem Papa die Osternacht in der Kirche und sind als Ministranten am Altar. Einer der schönsten und besondersten Dienste als Ministrant. Zu Hause bereiten wir die Festtafel vor und dann geht es ab ins Bett.

Wenn dann die Großen aus der Osternacht kommen, begrüßen wir uns mit dem Gruß der ersten Christen.

„Christus ist auferstanden“, sagt einer.
„Er ist wahrhaft auferstanden – HALLELUJA!“, antwortet der andere.

Und dann wird gefeiert:
Der Tod wurde besiegt.
Christus das Licht leuchtet in der Dunkelheit.
Wir alle sind zur Auferstehung berufen.
Und das Trauern und Fasten hat ein Ende.
Und wieder wird etwas Gesegnetes mit nach Hause genommen: Die gesegneten Speisen aus dem Speisenweihkorb.
Gottes Segen zieht auch hier wieder in unser Leben ein und in unser Feiern.
In diesem Sinne: Gesegnete Ostern!!

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Ein Artikel von

Portraitfoto Angelica Spießberger

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