Ab wann wir unseren Kindern das Fitnessstudio erlauben

Fitness boomt, mit allen Vor- und Nachteilen. Verständlich, dass angesichts dieses Trends junge Menschen in die Gyms drängen. Doch ist das wirklich klug? Wir haben überlegt.

Ein persönliches Bekenntnis: Jahrzehntelang kannte ich Fitnessstudios nur vom Hörensagen her. Das Image: Katastrophal. Alles Pseudo-Bodybuilder, die mit allerlei Supplement und illegalen Substanzen ihren Körper trimmen und formen.

Mittlerweile weiß ich mehr. Und allein die Tatsache, dass sogar ich mir mittlerweile eine Art Fitnessstudio-Routine angewöhnt habe, zeigt, dass das „Gym“ wahrlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Und während sich über dieses Ankommen womöglich am besten in der Zielgruppe 40-Plus sagen lässt, war das Fitnessstudio bei jungen Menschen im Bewusstsein schon immer da.

Spätestens mit der Pubertät ist das Thema jedenfalls dauerpräsent. Und nein, das hat nichts mit etwaigem Mobbing zu tun, was das vielleicht etwas erhöhte eigene Körpergewicht betrifft, ab dem man gegensteuern sollte. Es ist vielmehr schlicht und einfach normal bei jungen Leuten, dass etwas für den eigenen Körper „getan“ wird.

Gesellschaftliche Fragen

Ob das aus einer Art „Vergleichssucht“ heraus getan wird – also dem Verlangen danach, besser oder zumindest gleichgut wie die Altersgenossinnen auszusehen oder aber auch hier der altbekannte Grundsatz, dass ein gesunder Geist am liebsten in einem gesunden Körper wohnt, greift, sei dahingestellt. Diese Frage zu beantworten, würde hier den Rahmen sprengen und ist wohl höchst individuell zu beantworten und zugleich gesellschaftlich zu beleuchten.

Aber darum soll es nicht gehen. Es geht mir darum zu argumentieren, dass es, egal was die Motivation des Nachwuchses sein möge, als Elternteil die Funktion einer regulatorischen Instanz einzunehmen. Das bedeute etwa allein schon, dass unter einem gewissen Alter der Besuch eines Fitnesstudios schlicht nicht in Frage kommt. Das regal sich meist von selbst: Unter 16 Jahren lassen die meisten Studios keine jugendlichen Kunden zu. In Ausnahmefällen ist es aber schon ab 14 möglich.

Obwohl das es auch mit 15 körperlich nicht schädlich ist – zumindest wenn mit den richtigen Geräten ausgeführt und richtig angewiesen – bedarf es an dieser Stelle Gespräche. Was genau ist die Motivation des Jugendlichen für einen solch frühzeitigen Fitnesstudiobesuch? Ist es die Lust am Sport und am Körpergefühl oder ist es die meist unbegründete Unzufriedenheit mit der eigenen Verfasstheit? Hier gilt es sich einzuklinken und möglichst genau hinzusehen: Ist hier womöglich ein „falsches“ Bild den eigenen Körper im Spiel, angefeuert von unrealistischen Idealen, die via Social-Media transportiert werden? Oder ist es tatsächlich der Wunsch, Sport und Cardio-Training in einem gesunden Ausmaß betreiben zu wollen?

Entwicklung und sozialer Ort

Auch gilt es herauszustreichen, dass der jugendliche Körper ja gewissermaßen noch nicht „komplett“ ist, sich also noch entwickelt und damit unfertig dasteht. Übertriebene Versuche in diese Entwicklung einzugreifen, sind nicht nur sinnlos, sondern können auch zum Frustration führen. Statt die Jugendlichen also in ein übertriebenes Körperbewusstsein noch weiter hineinzutreiben, gilt es ein klein wenig gegenzusteuern und Fragen zu stellen: Warum willst du hingehen? Wer deiner Freunde geht auch hin? Was sind deine Ziele und wer oder was hat dich dazu motiviert, ins Fitnessstudio gehen zu wollen.

Denn das Gym kann vieles sein, vielleicht auch manches gleichzeitig: Ein Ort des sozialen und sinnvollen Miteinanders, wenn er mit einer Freundin oder einem Freund besucht wird. Dann ist es auch ein Ort der gemeinsame Ziele, an dem man sich gezielt gegenseitig anfeuern und ein wenig anstacheln kann. Bis zu einem gewissen Grad ist solch eine Motivation sinnvoll und fördert den Leistungseifer.

Es kann aber auch ein Ort sein, an dem ungesunde Körperideale verhandelt und im Vergleich mit anderen Personen noch gefestigt wird. Dabei ist wichtig zu betonen: Jeder Körper ist anders! Man muss nicht dieser oder jener sein, es genügt, man selbst zu sein.

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