Elisabeth & Johannes Hackl

Elisabeth & Johannes Hackl "Mein Tagebuch"

valentinstag - meinefamilie.at
10. Februar 2021

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann l(i)eben sie noch heute! Über Happy Ends, unsere Liebesgeschichte und den Valentinstag


Ehrlich gesagt, der Valentinstag ist uns herzlich egal. Dieser ganze Kitsch und die Hoffnung vieler Paare, an genau diesem einen Tag etwas außerordentlich Romantisches zu erleben, ist für uns ziemlich realitätsfern. Diesen ganzen Kommerz rund um die Liebe finden wir eher lächerlich und viel lieber feiern wir sowieso unseren Hochzeitstag! Unsere gemeinsame Geschichte hat auch nicht wirklich etwas mit dem Valentinstag zu tun. Trotzdem dürfen wir sie euch heute erzählen!

Ich (Elisabeth) habe schon als Teenager mit Begeisterung Liebesromane gelesen. Ist es nicht wunderbar, wenn nach Herausforderungen, Missverständnissen und Herzschmerz alles gut wird? Wenn der Richtige da ist und die ganz ganz große Liebe siegt? Happy End! Doch ein Gedanke hat mich immer schon gewurmt – was passiert denn in den ganzen Märchen und Liebesgeschichten NACH dem Happy End? Ich hatte schon damals die Hoffnung, dass das Happy End niemals das wirkliche Ende, sondern lediglich ein neuer Anfang ist.

Als ich mit 17 auf einer „Bergwoche“ war, haben meine Freunde und ich dort beim Kochen und Abwaschen ein Buch gelesen, das meine Einstellung zu Beziehungen und der Ehe geprägt hat. Zu dieser Zeit habe ich begonnen, oft für meinen zukünftigen Mann zu beten – vor allem darum, dass wir zuerst einige Zeit „nur“ befreundet sein würden und er gläubig sein würde. Ich ahnte damals nicht, dass ich ihn schon kannte.

Wir waren zu dieser Zeit bereits in der gleichen Schule, Johannes war eine Klasse unter mir – und wir besuchten den gleichen Gebetskreis mit gemeinsamen Freunden. Er war mir schon aufgefallen, weil er ein „katholisches“ T-Shirt trug, das fand ich beeindruckend. Einige Jahre waren wir locker befreundet, bis wir beide berufstätig waren. Da gab es ein Gebetskreistreffen, bei dem wir überraschend nur zu zweit waren und alleine ins Gespräch kamen – und ab diesem Moment sahen wir uns an jedem einzelnen Tag.

Es ist jetzt im Nachhinein witzig, wie wenig ich in diesen Wochen überlegt habe, warum das so war – mir kam gar nicht der Gedanke, dass das der Beginn einer Beziehung sein könnte. Es war uns beiden einfach unglaublich wichtig, einander zu sehen und zu reden, reden, reden. Es waren die schönsten Stunden des Tages und gleichzeitig komplett „normal“. Wir fühlten uns einfach wohl miteinander. Erst nach einigen Wochen, nachdem unsere Freunde schon nachgefragt hatten, wurde es uns beiden bewusst: da ist mehr! Wir führten ein sehr ehrliches Gespräch und erkannten, dass wir nicht nur sehr ähnliche Gefühle füreinander, sondern auch die gleichen Vorstellungen von Beziehungen, Ehe und Familie hatten. Was für ein Geschenk! Das war der „offizielle“ Beginn unserer Beziehung, wobei unser erster Kuss erst einige Wochen später stattfand. Zwei Jahre nach unserem „einsamen“ Gebetskreistreffen haben wir mit 22 Jahren geheiratet

Während der Beginn unserer Beziehung schon ein „Happy End“ unserer Kennenlernzeit war und unsere Hochzeit das „Happy End“ unserer Verlobungszeit, war es tatsächlich erst der Beginn unseres gemeinsamen Lebens.

Die Zeit nach dem „Happy End“ war zum Glück oft „happy“, aber natürlich nicht immer. Wir sind zwei unterschiedliche Menschen mit teilweise sehr unterschiedlichen Charakterzügen und Interessen. Zusätzlich sind wir miteinander erst richtig erwachsen geworden – da war es ganz klar, dass es Ecken und Kanten gab, die noch nicht ganz zueinander gepasst haben. Das war schon während unserer Verlobungszeit merkbar, aber das Zusammenziehen nach unserer Hochzeit war in einigen Bereichen ein kleiner „Kulturschock“. Während Johannes anfangs für eine Großfamilie einkaufte und sich auf gemeinsame Stunden freute, war ich es gewohnt nach der Arbeit „meine Ruhe“ zu haben. Er war sehr gern in der Natur, ich vermisste oft die Stadt – da war viel Gesprächsbedarf da.

valentinstag - meinefamilie.at

Gerade diese kleinen und manchmal auch größeren Konflikte machen in dem Moment nicht gerade glücklich, sind aber nötig um dauerhaft miteinander glücklich sein zu können. Es ist nicht verwunderlich, dass es so viele Paare gibt, die aufgeben! Eine Beziehung zu pflegen und zu stärken braucht Arbeit – Arbeit, die nicht immer Freude und Spaß macht. Den anderen auszuhalten, wenn es anstrengend wird, einander Macken und Eigenarten zuzugestehen und dabei immer wieder an sich selbst zu arbeiten – das kostet Kraft. Aber: es zahlt sich aus!

Wir haben Kinder geboren, Krankheiten und Verluste bewältigt und sind im Glauben gewachsen.

Wir sind stolz auf unsere 14,5 Ehejahre! Wir haben Dinge miteinander erlebt und gemeistert, die wir uns nie erträumt hätten! Nicht alles klingt wie ein Happy End, aber vieles davon ist Teil unseres Glücks. Wir haben ein Haus gebaut und einen wunderbaren Garten angelegt, mittlerweile fünf zusätzliche Ausbildungen (bald) geschafft, zwei Kinder geboren und ein drittes verloren, Krankheiten und Verluste bewältigt, eine gemeinsame Leidenschaft und dadurch einen Nebenjob gefunden, den wir gemeinsam machen und lieben, sind im Glauben viel mehr gewachsen und haben mehr darüber gelernt als wir überhaupt kannten – und haben gelernt, dass wir trotz allem nur begrenztes Glück in dieser Welt und miteinander finden werden, denn so wie es der Selige Karl von Österreich sagte: „Nun müssen wir uns gegenseitig in den Himmel helfen!“

Dieses Glück und diese Liebe, die wir miteinander teilen und erleben dürfen, an denen wir arbeiten und manchmal auch (fast) verzweifeln – die sind es definitiv wert gefeiert zu werden! Wir können also verstehen, warum Paare den Valentinstag feiern (der ja übrigens auf den Heiligen Valentin zurück geht)! Trotzdem feiern wir lieber unseren Hochzeitstag, an dem wir an unsere ganz eigene und persönliche Liebesgeschichte denken: „Es war einmal, vor nicht allzu langer Zeit….“!


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