23. September 2020

Die süße Lebensmittelfalle

Die süße Lebensmittelfalle

Mit Süßem sollte man besonders in der Kinderernährung vorsichtig sein. Eine Präferenz zu süßem Geschmack ist angeboren was in einer „natürlichen Ernährung“ dazu führt, dass Säuglinge Muttermilch gut annehmen und später gerne Obst essen.

In unserer modernen Ernährung werden wir aber von allen Seiten mit einem Überangebot an Süß konfrontiert. Insbesondere verarbeitete Lebensmittel zeichnen sich nicht selten durch besonders süßen Geschmack aus.

Nun verhält es sich mit dieser Vorliebe so, dass sich das Geschmacksempfinden anpasst. Je mehr Süßes man also isst, desto süßer müssen die Lebensmittel sein, um dieses Bedürfnis weiterhin zu stillen. Auch der Einsatz von Zuckeraustauschstoffen oder Süßstoffen verhindert den immer stärkeren Hang zu Süßem nicht und in Studien konnte gezeigt werden, dass der Einsatz dieser Mittel weder vor Übergewicht noch vor Folgeerkrankungen wie z.B. Diabetes schützen. Darüber hinaus aktiviert der Konsum von Zucker unser Belohnungssystem im Gehirn, weshalb immer wieder über das Suchtpotential von Zucker diskutiert wird. Daher sollte die Vorliebe zu Süßem generell nicht unbedingt unterstützt werden.

Hier ein paar Tipps, wie man der „süßen Falle“ entkommt und den Kindern einen gesunden Umgang mit Süßem beibringt:

Wie?

  • Keine Verbote: das macht es nur interessanter!
  • Nicht als Belohnung oder Trost: das verhindert eine unvorteilhafte Verhaltenskonditionierung („Frustesser“).

Wann?

  • Nicht täglich!
  • am besten am Ende einer richtigen Mahlzeit, als Zwischenmahlzeit oder Snack eignet sich besser unverarbeitetes Obst: dies verhindert ein Übermaß, Heißhungerattacken und einen permanent hohen Blutzuckerspiegel.
  • Heißhunger bzw. Lust auf Süßes nicht mit Durst verwechseln! Oft hilft es mit einem Glas Wasser zu beginnen.
Die süße Lebensmittelfalle
(c)iStock

Was und wieviel?

  • Nach Möglichkeit immer nur 1 Portion der Süßigkeit (max. 140 kcal) auf einmal geben.
  • Nicht als Getränk bzw. Säfte stark verdünnen (1:3): in flüssiger Form schießt Zucker ins Blut und löst eine richtige „Blutzucker-Achterbahn“ aus.
  • Bewusst Süßigkeiten wählen, die weniger süß sind: z.B. Schokolade mit höherem Kakaoanteil wählen – Schritt für Schritt, es muss ja nicht gleich die 90% Bitterschokoladen sein.

Worauf sollte man besonders achten?

  • Achtung! Zucker versteckt sich hinter vielen Namen:
    • Zucker, -zucker,
    • Alles was auf „-ose“ endet,
    • Sirup, -sirup,
    • Honig
    • Dicksaft, Fruchtsaft, Fruchtsaftkonzentrate
    • (Malto-)Dextrin, Raffinade
    • Fruchtextrakt, -püree, -süße, getr. Früchte
  • Selber machen!
    • Wer selber kocht weiß was drinnen ist und muss nicht die Zutatenlisten auf der Verpackungen entziffern.
    • Bei klassischen Backgerichten kann man problemlos auf 1/3 des Zuckers verzichten.
    • Zur Verbesserung der Akzeptanz kann man die Kinder zudem mitkochen / – backen lassen.
  • Und wie so oft darf man auch hier die eigene Vorbildfunktion nicht unterschätzen!

Süß zu Essen ist eine Angewohnheit, die man durch einen disziplinierten Umgang mit Zucker und Süßungsmittel auch wieder abtrainieren kann.

Im Selbstversuch kann man dies auch gut beobachten: Wer einmal einige Tage bewusst komplett auf Süßes verzichtet wird danach beobachten, dass einem die klassischen Lieblingssüßigkeiten danach eigentlich zu süß sind.

Wer Kindern hier ein gesundes Maß beibringen möchte, tut also gut daran das „Süß-Level“ generell niedrig zu halten. Hierbei geht es nicht darum Süßspeisen oder Süßigkeiten generell aus der Ernährung zu streichen, sondern mit Maß und einfach weniger süß anzubieten. Das führt langfristig dazu, dass Kinder ihren Geschmackssinn sensibel erhalten und sich auf natürliche Weise von selber weniger süß ernähren.



EIN ARTIKEL VON
  • Maria Theresia Schoenfeldt

    Ich bin Ernährungswissenschafterin, berufstätig und Mutter von 2 kleinen Kindern. Zeit mit der Familie, Job, Haushalt und die vielen kleinen Aufgaben, die so zwischendurch über einen hereinbrechen, sind oft sehr schwer zu bewältigen.
    Gesunde Ernährung ist mir wichtig, aber dies soll eben auch im Alltag umsetzbar sein. Mein Mann und meine Kinder sind mir hier eine ständige Inspiration und meine größten Kritiker.


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