4. August 2020

Das Selbstwertgefühl der Kinder stärken


“Du bist wertvoll in meinen Augen und ich habe dich lieb.“ (Jesaja 43,4) Gott spricht zu uns Menschen auf verschiedene Weise und zeigt, wie wertvoll wir in seinen Augen sind und dass er uns liebt. Das ist ihm ein Anliegen.

Wie wir Eltern diesem Wunsch unseren Kindern gegenüber nachkommen und es schaffen, das Selbstwertgefühl unserer Kinder zu stärken, ist hier beschrieben. In einer meiner Weiterbildungen wurde mir der Unterschied zwischen dem Selbstvertrauen und dem Selbstwertgefühl deutlich gemacht. Darauf möchte ich gleich einmal zu Beginn eingehen:

Das Vertrauen in uns selbst

Das Selbstvertrauen ist das Vertrauen in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten. Es steigert sich durch die Qualität der Leistungen und sinkt mit dem Misserfolg – wie z. B. beim Kochen, Bogenschießen oder in der Mathematik. Bildlich kann man sich das anhand verschieden hoher Balken vorstellen, die links und rechts einer Person platziert sind und in denen steht, was man gut kann. Je breiter die Person aufgestellt ist, desto mehr Balken sind aneinandergereiht und je besser man etwas kann, desto höher ist der jeweilige Balken.

Ich gebe dazu ein Beispiel: Wenn mir beim Kochen ständig was missglückt, sinkt mein Selbstvertrauen und der Balken ist niedrig. D. h. ich habe kein Selbstvertrauen in meine Kochkünste.
Wie steigt die Leistung? Nicht durch gutes Zureden wie, “Es wird schon werden“, sondern durch gutes fachliches Feedback, z. B. durch Anleitungen, wie es besser gelingen kann. Der daraus resultierende Erfolg steigert das Selbstvertrauen und gibt mir ein gutes Gefühl.

Das Gefühl meines Selbstwertes

Das Selbstwertgefühl ist die Bewertung, die der Mensch über sich selbst abgibt. Wie betrachte ich mich? Wie gehe ich mit mir selbst um? In der Gesellschaft wird man vor allem über Leistung beurteilt. Je mehr man leistet, desto größer ist dein Wert.

Jedoch ist dein Wert: Du bist gut so wie du bist.

Ein Beispiel: Ein Baby leistet nichts und ist trotzdem wertvoll. Schenke ich einem Kind diese liebevolle Beachtung nicht, weil meine Anteilnahme zunehmend davon abhängig ist, was es leistet oder vollbringt, geht dieses Gefühl verloren: Ich bin wertvoll, weil ich da bin.

Der Selbstwert bildlich gesehen

Veranschaulichen kann man den Selbstwert anhand von einer Person, die in der Mitte ihres Körpers einen Balken stehen hat. Wenn ich mir nicht genüge, ist dieser innere Balken, dieser innere Maßstab nicht voll. (z. B. Schönheit, Reichtum, Ausbildung, …) Wenn dieser innere Maßstab unten ist, habe ich das Gefühl, nichts wert zu sein und es nicht geschafft zu haben. Wenn ich mich so annehme und akzeptiere, wie ich bin, ist dieser innere Balken voll und gibt mir ein gutes Gefühl.

Wir wollen wahrgenommen und gesehen werden?

Ein Beispiel liefert der Fall einer alten Frau, die heute noch immer nicht sagen kann wie es ihr geht, wenn man sie danach fragt. Es hat nie jemanden interessiert und wenn doch, ist man diesen Anliegen nicht nachgekommen. Wenn Gefühle und Bedürfnisse nicht beachtet werden, verlernen wir es, uns selbst wahrzunehmen und haben das Gefühl, nichts wert zu sein. Das Selbstwertgefühl aller Beteiligten steigt, wenn wir mit anderen über uns selbst reden. So lernen wir uns kennen und erfahren etwas über uns. Wenn man z. B. ein Baby füttert, begleitet man das mit Gesprächen: “Na, das schmeckt dir aber“, oder: “Bist du schon satt, weil du den Löffel zur Seite schiebst“, usw. Nicht alle sind so aufmerksam begleitet worden. Doch damit kann man beim Selbstwert des Kindes viel bewegen: Ich schaue hin. Ich zeige Interesse.

Hierzu ein Beispiel aus dem “Handy-Zeitalter“. Man fragt das Kind: “Um was geht es bei dem Spiel? Was gefällt dir daran? Was ist hier anders als in der realen Welt?“ Das Kind spürt, da nimmt mich jemand ernst. Ich bin wichtig.

Das Selbstwertgefühl steigt außerdem, wenn wir alles, was neu ist, würdigen. Das Kind bekommt Anerkennung und merkt, dass es gesehen wird.

Was uns klein hält

Aussagen wie: “Na was glaubst du eigentlich wer du bist?“, “Heulsuse!“, “Indianer kennen keinen Schmerz“, oder “Wenn das Keks spricht ist der Brösel still!“ und ähnliches machen das Kind klein und sie spüren, dass sie nicht wahrgenommen werden. Die Kinder glauben das und verspüren Schuld und Scham.
Hier wird deutlich, wie wichtig es ist, auf die Befindlichkeiten der Kinder einzugehen, um ihre Gefühle und Bedürfnisse zu erkennen.

Hierzu ein Beispiel: Ein Kind sieht in einem Schaufenster ein tolles rotes Rad und sagt: “Das hätte ich gerne!“ Falsch wäre zu sagen: “Das ist doch viel zu teuer. Wer glaubst du eigentlich wer du bist?“ Eine Möglichkeit wäre: “Wow, das sieht ja wirklich toll aus. Das glaube ich dir, dass du dieses Rad gerne hättest. Aber damit müssen wir noch etwas warten.“

Nährstoffe

Die zwei wichtigsten Nährstoffe für ein gesundes Selbstwertgefühl sind:

  • Mindestens eine Person, die uns in unserer Person sieht und anerkennt
  • das Gefühl, durch unser Leben das Leben eines anderen Menschen bereichert zu haben – einen Wert für einen anderen zu haben.

Feinde

Die schlimmsten Feinde des Selbstwertgefühls sind übertriebene Besorgnis, unnötige Fürsorge und Hilfe, sowie Übergriffe. Diese Handlungen signalisieren, dass die Befindlichkeiten der jeweiligen Person nicht von Bedeutung sind, dass die Person einem egal ist, dass sie nicht wertvoll ist.

Wer definiert meinen Wert?

Die Erfahrungen, die Kinder im Laufe ihrer ersten Lebensjahre machen, prägen ihr Selbstwertgefühl entscheidend. Eltern spielen hierbei eine wesentliche Rolle. Der Wert unserer Kinder hängt jedoch nicht davon ab, was sie tun oder leisten, wie wir sie betrachten oder wie andere sie sehen. Der Wert eines jeden Menschen ist festgelegt durch die Hand seines Schöpfers. Gott nimmt uns an, so wie wir sind und spricht uns zu: “Du bist wertvoll in meinen Augen und ich habe dich lieb.“ (Jesaja 43,4)



EIN ARTIKEL VON
  • Kerstin Cerne

    Kindererziehung hat für mich eine große Bedeutung. So wie wir unsere Kinder ins Leben begleiten, werden sie später im Leben stehen. Als Mutter von 3 Kindern kann ich mich dieser Aufgabe so richtig stellen. Nebenbei arbeite ich leidenschaftlich als Eltern-Kind-Gruppenleiterin.


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