Mitgefühl macht stark - wie Kinder lernen, die Welt zu verändern

Wie Mitgefühl bereits im Kindesalter Großes bewirken kann: Ein bewegender Beitrag über Hilfsbereitschaft, Familienwerte und den Blick über den Tellerrand.

Eine stille Beobachtung - Miras Blick auf Anna

Mira hat beobachtet, dass es Anna in der Klasse nicht leicht hat. Sie spricht kaum mit jemandem, die anderen Kinder ignorieren sie. Anna ist nie zu Geburtstagsfeiern eingeladen und am Schulhof, während der Pause, steht sie meist alleine am Rand uns schaut den anderen Kindern traurig zu.

Kleine Gesten mit großer Wirkung

Da Mira zu Hause gelernt hat, dass man sich um Schwächere kümmert und nicht weg schaut, wenn es jemandem schlecht geht, ist es für sie das Normalste der Welt, dass sie Anna von nun an immer wieder fragt, ob sie mit ihr gemeinsam die Hofpause verbringen möchte. Sie lädt sie ein, am Nachmittag zusammen zum Teich zu gehen, um nachzusehen, ob aus den Kaulquappen bereits kleine Frösche geworden sind. Von nun an sind Anna und Mira in der Schule häufig gemeinsam anzutreffen. Anna ist unglaublich erleichtert, nicht mehr alleine zu sein, dazu zu gehören und eine Freundin gefunden zu haben.

Mira hat ganz intuitiv das Richtige getan. Sie sah eine Not, erkannte, dass sie diese lindern konnte und handelte danach. Nicht nur Anna hat davon profitiert, auch Mira selbst, denn sie hat erlebt, dass sie selbst bereits als Kind stark genug ist, etwas verändern zu können. Ihre Hilfsbereitschaft und ihre Bereitschaft hinzusehen werden nicht nur für Annas, sondern auch für Miras Leben Segen bringen.

 

Die Familie als Keimzelle des Mitgefühls

In einer Familie hilft und unterstützt man sich gegenseitig und dies ist eine Selbstverständlichkeit, denn ohne einander zu unterstützen, würde das Familienleben nicht funktionieren. So lernen Kinder bereits früh und selbstverständlich, dass es möglich ist, die eigenen Fähigkeiten dem Alter entsprechend einzubringen und für die Gemeinschaft zu nützen.

 

Sinn durch Fürsorge

So ist es auch später: wenn wir nur auf uns selbst schauen, dass es uns gut geht, dass wir ein möglichst komfortables Leben führen können, werden sich zunehmend Gefühle der Unzufriedenheit, der Leere und des Frustes einstellen.  Die Suche nach dem Sinn wird uns unbefriedigt zurücklassen und wir werden von einer Aktivität zur nächsten ziehen, in der Hoffnung, endlich zufrieden und erfüllt zurück zu kehren. Doch leider funktioniert das nie zur Gänze. Die Listen, die erstellt werden, von den Dingen, die man unbedingt noch bis zum Ende des Lebens erleben und abhaken möchte, bringen leider meist auch nicht das erhoffte Glück, sondern lassen uns am Ende leer zurück.

Albert Schweitzer sagte einmal: „Ich kenne ihr Schicksal nicht, aber ich weiß, dass nur die glücklich werden, die eine Möglichkeit finden zu dienen“. 

Ich selbst durfte an einigen reifen Menschen in meiner Umgebung erfahren, dass Albert Schweitzer damit Recht hat.  Diese stellten sich zur Gänze in den Dienst der anderen. Die einen durch die Arbeit in den ärmsten Ländern der Welt, die anderen aber ganz unscheinbar dadurch, dass sie in ihren Familien für diejenigen da waren, die sie gerade am meisten brauchten. Ma konnte erkennen, dass das Helfen und Dasein für Andere, ihrem Leben Sinn gab.

Wo dienen  wir einander mehr als in der Familie? Es beginnt beim Säugling, der rund um die Uhr versorgt werden muss und es endet in der Pflege der Alten und Kranken.

Lernen durch Vorbilder

Unsere Kinder lernen auch hier wieder durch unser Vorbild. Schauen wir doch öfters mit ihnen über unseren eigenen Tellerrand: Es beginnt bei unseren Nachbarn. Früher war es selbstverständlich, dass Nachbarn einander kannten und zumindest locker miteinander in Kontakt standen (was nicht heißt, dass man unbedingt miteinander befreundet sein muss). Man wusste einfach, wenn jemand krank war und vielleicht Unterstützung benötigte. Heute kennen wir unsere Nachbarn häufig gar nicht mehr. Dabei kann eine freundliche, offene Beziehung das Leben von allen Seiten etwas bunter und fröhlicher machen. Das Angebot, für einander da zu sein, falls es einmal notwendig ist, kann für alle sehr entlastend und beruhigend sein.

Der Blick über den Tellerrand

Der Blick über den eigenen Tellerrand endet aber nicht bei den Nachbarn, sondern geht weiter. Zeigen wir unseren Kindern die Welt. Erzählen wir ihnen, dass es nicht alle so gut haben, wie die meisten von uns.

Lassen wir sie erfahren, dass es viele Gegenden auf der Welt gibt, in welchen die Menschen Hunger leiden, von Krieg und Verfolgung betroffen sind und um das tägliche Überleben kämpfen.

Es traumatisiert unsere Kinder nicht, wenn wir ihnen berichten, dass es ein Privileg ist, lernen und zur Schule gehen zu dürfen, dass es Kinder in ihrem Alter gibt, die bereits unter ungesunden Bedingungen arbeiten müssen, oder gar im Abfall nach Essbarem suchen, um überleben zu können.

Sensibel werden

Dieses Wissen lässt in unseren Kindern Gefühle der Dankbarkeit, der Zufriedenheit und der Wertschätzung dessen, was wir zur Verfügung haben, entstehen. Es lässt sie sensibler werden, für die Nöte der Anderen und mit zunehmendem Alter wird es ihnen gelingen, mit Selbstverständlichkeit für das Schöne, das Wahre und das Gute in der Welt einzustehen und Verantwortung dafür zu übernehmen.

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