Mama-Burnout auf dem Vormarsch: Warum ist das so?

Viele Mütter fühlen sich zunehmend häufig erschöpft. Familie, Karriere, Haushalt, Weiterbildung, Kinderförderung - wo bleibt da Zeit für sich selbst? Wie können Familien aus diesem Hamsterrad entkommen? Laut Schätzungen ist etwa jede 5. Mutter betroffen. Das Müttergenesungshilfswerk in Deutschland gibt an, dass die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom in den letzten 10 Jahren um 37% gestiegen ist. Warum ist das so? Ein paar Gedanken dazu.

#1 Die Schnelllebigkeit unserer Zeit

Wir leben heute in einer sehr schnelllebigen Welt. Alles muss schnell sein, jede Wartezeit sinnvoll genutzt werden. Die zur Regeneration so wichtigen “Leerlaufzeiten” werden immer seltener. Eindrucksvoll deutlich wird unser gesteigertes Lebenstempo bei Spielfilmen: Wer heute einen alten Film ansieht, hält das langsame Tempo kaum noch aus. Wir haben uns an das schnelle Tempo gewöhnt. Tatsächlich zeigte eine Untersuchung des Magazins “Wired” im Jahr 2013, dass in den 1950ern in Filmtrailern noch eine Schnittsequenz von 12 Cuts pro Minute Standard waren versus 39 Cuts pro Minute in Filmtrailern seit den 90iger Jahren. Das ist eine Verdreifachung!

Wir Menschen haben uns ein Lebensumfeld und Lebenstempo geschaffen, für das wir ursprünglich gar nicht gemacht waren.

Aber es gibt eine gute Nachricht: Gott, unser Schöpfer, hat bereits das Gegengift bereit. Von Anfang an wusste er, dass wir Menschen ausreichend Ruhe brauchen. Er hat uns schließlich in weiser Voraussicht so gemacht! Darum gab er uns den “Ruhetag”. Der Sonntag ist Gottes liebevolle Vorsorge für unser geistiges, körperliches und seelisches Ruhebedürfnis. Er ist die “Bremse” im Karussell unseres Lebens. 

Frage zum Nachdenken: Wann hast du das letzte Mal einen richtigen Ruhetag eingelegt? Vertraue Gott und gönne dir wieder einmal einen ganzen Tag göttliches Nichtstun.

#2 Die fehlende Unterstützung

Kindererziehung war noch nie eine einfache Aufgabe. Es ist wunderschön, Kinder auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden begleiten zu dürfen. Kinder sind ein Segen Gottes! Trotzdem ist es auch sehr herausfordernd - schon Adam und Eva, laut der Bibel die ersten Menschen auf dieser Welt, mussten das erleben.

Seither hatte jede Generation ihre eigenen Herausforderungen. Manche mussten Kriege, Hungersnöte, Pandemien oder Verfolgung durchstehen. Im Vergleich dazu leben wir in Österreich wohl in einer privilegierten Welt. Doch auch wir haben unser Päckchen zu tragen. Denn während die (Merhfach-)Belastung der Eltern stetig zunimmt, nimmt die Hilfe durch die erweiterte Familie genauso stetig ab. Viele Omas und Opas sind selbst noch erwerbstätig oder wohnen weiter weg. Manche möchten sich auch nicht so viel in die Jungfamilien einbringen, sondern ihre eigenen Träume verwirklichen.

Doch ist das Großziehen von Kindern ganz ohne Unterstützung überhaupt möglich?

“Es braucht ein Dorf, um ein Kind großzuziehen”, sagt ein bekanntes Sprichwort. Doch woher bekommt man ein Dorf, wenn man keines hat? Auch hier hat Gott spannenderweise bereits eine Lösung parat: Die Kirche. Wenn wir Kirche so leben, wie wir es im Neuen Testament beschrieben sehen, dann ist die Kirche wie ein Dorf: Eine Gruppe nahe beieinander wohnenden Menschen, die einander unterstützt, ermutigt, ermahnt, füreinander betet und auch ganz praktisch hilft.

Wir selbst haben als Familie innerhalb unserer Kirche so etwas wie unser eigenes kleines Dorf gefunden: Unseren Familien-Hauskreis. Wir treffen uns alle zwei Wochen zum gemeinsamen Bibellesen, Beten, Plaudern und Essen, während die Kinder miteinander spielen. Im Sommer treffen wir uns gerne direkt am Spielplatz. Ursprünglich waren nur Familien Teil des Hauskreises. Mittlerweile sind wir ein bunter Mix aus Familien, Paaren ohne Kinder und Alleinstehenden. Diese Mischung ist genau perfekt, wie sich herausstellte, denn wir ergänzen einander ideal. Zwar kann unser Hauskreis wohl nicht die Hilfe einer nahe wohnenden Oma ersetzen, doch ist er immerhin ein guter Anfang. Danke Gott dafür!

Frage zum Nachdenken: Habe ich schon einmal in Erwägung gezogen, dass meine Kirche wie ein “Dorf” für mich und meine Familie sein könnte? Wenn nein - warum nicht? Und falls ich selbst in der Kirche aktiv bin: Wäre es vielleicht eine Option, einen “Familienfreundlichen Hauskreis” zu gründen?

#3 Der gestiegene Anspruch

Wir leben in einer Welt, die den Perfektionismus feiert. Makellose Bilder von schön dekorierten Zimmern, schlanken wunderschönen Frauen, ansprechend serviertem Essen und superkreativen Spielideen überfluten uns auf Insta, Facebook, Youtube & Co.

Ich muss gestehen: Ich liebe diese Bilder. Ich liebe die Möglichkeit des Internets, mir Inspirationen zu allem und nichts zu holen. Dazuzulernen und zu sehen, wie man etwas schön gestalten kann. Ich finde es toll, dass es das gibt! Aber: Es hat auch eine Kehrseite. Wir müssen aufpassen, dass wir es nicht übertreiben und mit beiden Füßen am Boden bleiben - und zwar am erdigen, sandigen Boden und nicht am perfekt polierten Marmorboden ;)

Neben dem hohen Anspruch an alles äußerlich sichtbare ist meinem Empfinden nach auch unser innerer Anspruch in Sachen Kindererziehung gestiegen.

Die heute propagierte und auch in den sozialen Medien viel besprochene “Bindungsorientierte Erziehung” ist meiner Meinung nach ein Schritt in eine gute Richtung. Sie spiegelt viel vom Herzen Jesu und seiner bedingungslosen für uns Menschen wider. Aber: Sie ist auch sehr anspruchsvoll und benötigt zur erfolgreichen Umsetzung viel Auseinandersetzung mit diesem Thema, viel Reflektion, viel inneres Reifen und Wachsen, viel üben, hinfallen und wiederaufstehen. Kurz: Sie benötigt viel Energie.

Auch hier müssen wir aufpassen, dass wir es nicht übertreiben und das Tempo, das wir wählen, an unsere Möglichkeiten anpassen. Unsere menschliche Liebe ist nicht so vollkommen wie Gottes Liebe, so sehr wir uns auch darum bemühen. Wir sind Menschen und machen Fehler. Doch hat Gott auch hier die richtige Lösung parat, nämlich: Gnade und Barmherzigkeit. Nicht nur für unsere Kinder, sondern auch für uns selbst. Wenn es uns gelingt, uns selbst gnädig und freundlich zu begegnen, wenn wir Fehler machen, dann lernen auch unsere Kinder einen gesunden Umgang mit sich selbst.

Frage zum Nachdenken: Wie gehe ich mit mir selbst um, wenn ich als Mutter oder Vater einen Fehler mache? Spiegelt sich im Umgang mit mir selbst Gottes Gnade wider?

Fazit

Die Schnelligkeit unserer Zeit, die fehlende Unterstützung für Familien und der gestiegene Anspruch an uns selbst und die Kindererziehung sind nur drei von vielen Faktoren, die ein Mama-Burnout begünstigen können. Spannend ist, dass Gott zu jedem dieser drei Themen einen weisen Rat zur Hand hat. Die Frage ist: Nehmen wir seinen Rat an?

Tipp zum Thema: Tagung “MutterNacht” am 08.05.2023

Worum es geht: “Die Tagung “MutterNacht” nimmt rund um den MutterTag 2023 erstmals dunkle Seiten und Gefühle in den Blick, die Mütter rund um Geburt und Elternschaft haben können. Denn während Mutter-Sein in der Öffentlichkeit oftmals als persönliches Lebensglück dargestellt wird, verschwindet in der Wahrnehmung, dass es auch Schattenseiten gibt. Heuer im Fokus: erschöpfte Mütter. Die Fachtagung beschreibt und analysiert dabei nicht nur dieses erschöpfende Mutter-Sein, sondern zeigt auch Wege aus dieser Krise auf.”

Termin: Montag, 8. Mai 2023 | 09:00 – 19: 30 Uhr

Ort: St. Virgil Salzburg | Ernst-Grein-Straße 14, 5026 Salzburg

Beitrag: EUR 90,-

Anmeldung: erforderlich bis 28. April 2023 an anmeldung@virgil.at

Hier kannst du den Folder mit allen Informationen herunterladen

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