Geschwisterkonflikte verstehen und begleiten: Die 5 wichtigsten Schritte für Eltern

Geschwisterbeziehungen sind die Beziehungen von besonders langer Dauer in unserem Leben. Geschwister sind also oft die Menschen, die uns „ein Leben lang“ begleiten. Im Idealfall auf eine positive Art und Weise.

Als Eltern ist es eine Herausforderung das gute Miteinander unter den Geschwistern zu fördern. Dazu hilft mir Folgendes:

  • Kinder, findet eine Lösung
  • Mich interessiert, wer es beendet und nicht wer begonnen hat
  • Mama-Kind Zeit
  • Kein Vergleichen
  • Prävention

 

#1. Kinder, findet eine Lösung

Diesen Tipp habe ich selber von einem Buch, das ich einmal zum Thema Geschwisterkonflikte gelesen habe. Es scheint mir der Wertvollste von allen zu sein. Wir sollen unseren Kindern zutrauen, dass sie SELBER eine Lösung finden. Und uns lernen zurückzunehmen.

Wir wollen unsere Kinder schließlich zu selbstständigen, lösungsorientierten und vor allem lösungsfähigen Menschen erziehen.

Das Erstaunliche ist, dass die allerkleinsten schon gute Lösungen finden können. Anfangs oder wenn die Situation festgefahren ist, können wir Anregungen geben. Die Kunst besteht darin, es den Kindern WIRKLICH zuzutrauen und es dabei zu belassen. 

Wir haben diese „Methode“ von Klein an genutzt und es ist - natürlich mit Ausnahmen - bemerkenswert, wie sehr sich die Kinder daran gewöhnt haben, recht schnell vorzuschlagen: „okay, dann abwechselnd“ oder „dann schauen wir das Buch gemeinsam“ oder was ihnen so einfällt.

Klar können wir den Kindern helfen, zu erkennen, was gerade vor sich geht. Wenn zum Beispiel beide am TipToi Stift ziehen und schreien sage ich etwas in Richtung: „Stop, so nicht. Ich sehe einen Tiptoi Stift und zwei Kinder, die ihn nutzen wollen. Ich sehe ihr seid verärgert und es braucht eine Lösung für dieses Problem. Findet eine Lösung.“.

Ich beschreibe die Situation, benenne Gefühle und kämpfe nicht (wie das mein eigentlicher Impuls wäre) gegen ihre Wut oder Ärger.

Das Schöne daran ist, dass unsere Kinder einem Vorschlag erstaunlich gewillt folgen, wenn sie ihn selbst machen/erarbeiten dürfen und ihnen die Lösung nicht aufoktroyiert wird. Sie sind stolz darauf und WOLLEN selbst bestimmen, was sie als nächstes tun werden. Allein das ist glaube ich ein großer Hebel in diesem „die Verantwortung zurück an die Kinder geben“.

 

#2. Wichtig ist, wer den Streit beendet

Dieser Tipp ist natürlich an den ersten gekoppelt und vielleicht eine Art Verstärkung. Vielleicht denkst du dir gleich, „wie ungerecht“, „der oder die Kleine können sich doch einfach nicht zur Wehr setzen“ bzw. „ich weiß doch, dass XY meistens/immer ärgern beginnt“.

Hier finde ich hilft es sehr, die Tatsache zu verstehen und zu akzeptieren, dass das, was uns vermeintlich so klar erscheint, in Wahrheit viel komplexer ist. Ja, vielleicht ist das eine Kind eher „aggressiv“ und meistens derjenige, der zuerst schreit. Wissen wir aber wirklich, was ein anderes unserer Kinder so alles veranstaltet um zu provozieren? Das muss ja nicht verbal und lautstark über die Bühne gehen. Da funktionieren auch Blicke und Triggerknöpfchen, die die Geschwister meist besser kennen als wir.

Ich zumindest glaube, dass unsere Kinder sich eigentlich gegenseitig „besser“ kennen und durchschauen als ich das tue. Bei uns sind alle Kinder zuhause und teilen sich ein Zimmer. Wahrscheinlich verbringen auch deine Kinder viel gemeinsame Zeit und haben eine ganz besondere Vertrautheit miteinander. Also zurück zum Punkt: Das, was zählt ist die Lösung, bzw. das, was wir unterstützen und wertschätzen wollen, ist, wenn ein Kind den Streit beilegt, nachgibt, Frieden stiftet. 

Vielleicht passiert das bei euch auch recht oft:

Wie viele Male bin ich dazwischen gegangen, habe mich furchtbar aufgeregt, irgendwelche moralischen Dinge von mir gegeben und viel Energie investiert um zu erleben, dass die Kinder sich plötzlich wieder vertragen und ruhig miteinander spielen, während ich vollkommen erschöpft und in großer Wut lange brauche, um wieder in den Normalbetrieb zurückzufinden.

 

#3. Exklusiv-Zeit bewirkt oft Wunder

Mama-Kind Zeit (ich nenne sie je nach Namen des Kindes, Mami-Paula oder Mami Karl etc Zeit) lieben meine Kinder und ich auch. Das Umsetzen/Einhalten ist oft schwer aber diese Prime-Time mit einem Kind ist, finde ich, Gold wert. Von Großfamilienmamis habe ich auch gehört, dass ein „Hervorheben“ eines Kindes bereits viel bewirkt zb beim Buchlesen darf ein Kind das Buch aussuchen und allein am Schoss sitzen, um sich besonders gesehen zu fühlen, auch wenn andere Geschwister dabei sind und die Zeit mit dem Kind nicht ganz exklusiv verbracht wird.

Besonders wirkungsvoll ist es, wenn es wirklich fixe Zeiten gibt, wo das Kind besondere Aufmerksamkeit bekommt und der Liebestank dadurch aufgefüllt werden kann bzw. die Aussicht und das Wissen darum allein schon helfen, ausgeglichenere Kinder zu haben. Ich bin jedes Mal ein gerührt wenn ich Augen der Kinder leuchten sehe und sie sich so besonders freuen, „nur“ weil sie diese Mami-Kind Zeit mit mir verbringen können.

 

#4. Gerecht heißt nicht gleich!

Das ist oft gar nicht so leicht, vor allem weil ich immer wieder verlockt bin, durch einen Vergleich zu motivieren oder Druck auszuüben. Damit biege ich aber leider immer falsch ab. Vergleichen ist und bleibt keine hilfreiche Sache und somit sollen wir es ganz sein lassen.

Unsere Kinder sind unterschiedlich und brauchen nicht das Gleiche. Und wenn der eine zwar sehr ordentlich ist und der andere nicht, hat das eine eben nichts mit dem anderen zu tun.

Unsere Aufgabe ist es, Stärken zu stärken und auf jedes Kind gesondert zu schauen. Es soll sogar helfen, Kinder nicht voreinander zu loben sondern möglichst unter 4 Augen, damit weniger Konkurrenz und Kampf um Lob/Aufmerksamkeit entsteht.

Daran halte ich mich nicht so ganz, auch weil ich finde, dass Kinder es ruhig aushalten lernen sollen, dass ein Geschwister etwas gut oder besonders kann.

Ich komme aus einer Familie, wo alles „ganz gerecht“ sein musste: jeder bekommt das Gleiche. Ich selber versuche meinen Kindern oft zu veranschaulichen, dass wir selten genau das Gleiche brauchen/wollen/gleich gerne haben.

 

#5. Ruhige Eltern - ruhiger Alltag

Familie-sein ist herausfordernd und es gibt einfach Phasen, da läuft es nicht so rund. Oder Momente, die schneller als gedacht zur Eskalation führen können. Je bewusster wir unsere Familie durch dies Situationen/Phasen navigieren und vorbeugen, dass es allzu viele Reibungspunkte gibt, desto besser.

Konkret kann das heißen: Kinder trennen und „Alleinsein“ ermöglichen, an die frische Luft, früher Essen und überhaupt auf Grundbedürfnisse wie Hunger, Schlaf etc. zu achten, Körper- und bewusster Augenkontakt und entspanntes Programm usw.

Leider sind wir selber ja keine Thermometer sondern Thermostate unserer Familie. Damit meine ich, das die Stimmung zu Hause oft von uns kommt, und wir die „Temperatur“ vorgeben und nicht nur messen wie das bei einem Thermometer der Fall wäre.

Die Prävention beginnt also bei mir als Mami oder eben uns als Paar. Wenn ich für mich ausgeglichen sein kann ist das Vorbild allein schon unglaublich viel wert und auch die Kinder werden vielleicht weniger explosiv durchs Leben gehen.

 

Fazit

Auch wenn nicht alle 5 Punkte immer super umgesetzt werden: Sich ein wenig daran zu orientieren hat bei uns geholfen, dass die Kinder den Großteil der Zeit ein sehr gutes Team sind. Sie finden meistens selbstständig Lösungen, wenn es herausfordernde Situationen gibt. Wir genießen besondere Momente zusammen und auch ich profitiere davon, mich bei ihnen und darüber hinaus bewusst vom Vergleichen fernzuhalten.

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