"Auch Eltern sind Lernende" - Wie Auszeiten im Sommer zu mehr Struktur im Alltag beitragen können
Bei den Familientagen in Mauterndorf lernen Eltern, ihre Erziehungssituationen mit anderen Augen zu sehen. Markus und Alexandra Schwarz erzählen, wie gemeinsames Nachdenken den Alltag leichter machen kann.
Erziehung ist herausfordernd, ist Alexandra Schwarz überzeugt. Die 7-fache Mama erzählt schmunzelnd, dass sie selbst mit jedem Kind besser erzogen wurde. Immer mehr begann sie sich in das Thema Erziehung zu vertiefen. Heute hält sie gemeinsam mit ihrem Mann Markus Kurse im Rahmen der >>GFO (Gesellschaft für Familienorientierung).
Das Referenten-Ehepaar Markus und Alexandra Schwarz waren heuer schon zum vierten Mal bei den Familientagen im Lungau dabei.
Was ist die Grundidee der Gesellschaft für Familienorientierung (GFO)?
Markus Schwarz: Wir unterstützen Eltern dabei, ihre Erziehungsaufgabe im Alltag besser zu bewältigen. In der GFO arbeiten wir mit oft etwas überzeichneten Beispielen aus dem Alltag, so genannten Fällen. Diese analysieren und diskutieren wir gemeinsam.
So entwickeln Eltern eine eigene Lösungskompetenz für den Alltag.
Alexandra Schwarz: Oft reagieren wir in Erziehungssituationen nur, ohne zu hinterfragen, warum Kinder so handeln oder warum bestimmte Regeln nicht funktionieren. Die Fall-Methode hilft, proaktiv zu erziehen: Man definiert Visionen fürs Kind und überlegt gemeinsam als Paar, wie man es leichter erreicht.
Welche Visionen sind das?
Alexandra Schwarz: Unsere Vision für unsere Kinder ist es, sie zu handlungsfähigen, verantwortungsbewussten Menschen zu erziehen, die aus einer inneren Freiheit heraus agieren. Dabei müssen wir uns auch immer selbst reflektieren: Welche Werte möchten wir unseren Kindern mitgeben und wie leben wir diese vor?
Warum stoßen Eltern - trotz guten Willens in der Erziehung - immer wieder an ihre Grenzen?
Markus Schwarz: Erziehung an sich ist herausfordernd, aber auch die Umstände haben sich geändert: Die Welt ist komplexer geworden, durch soziale Medien entwickelt sich alles schneller. Die Großfamilie, die früher vieles aufgefangen hat, fehlt heute oft – uns fehlt eigene Erfahrung. Genau hier möchten wir ansetzen: Wir vermitteln Erfahrungswissen und ermöglichen einen Austausch, der Familien stärkt - und die Familientage bieten dafür einen idealen Rahmen.
Was ist das Besondere an den Familientagen?
Markus Schwarz: Die Teilnehmer der Familientage in Mauterndorf schätzen es zu sehen, dass alle Familien ähnliche Probleme haben – und diese durch gemeinsames Lernen und Erfahrungsaustausch besser in den Griff bekommen werden können.
Welche Bedeutung haben Rituale, wie zum Beispiel das gemeinsame Essen, für das Familienleben?
Alexandra Schwarz: Gemeinsame Mahlzeiten sind zu Beginn mit kleinen Kindern anstrengend, werden aber mit der Zeit zu einer wertvollen Gelegenheit für Gespräche und gemeinsame Zeit – man erfährt, was den anderen bewegt.
Kommt dem Vater in der Erziehung eine besondere Funktion zu?
Markus Schwarz: Beide Elternteile sind wichtig, damit sich ein Kind in seiner Persönlichkeit gut entfalten kann. Vater und Mutter ergänzen sich auf besondere Weise - davon profiteren die Kinder sehr. Die Aufgabe des Vaters ist es, das Vertrauen im Kind zu stärken: „Du schaffst das, ich glaube an dich!“ und so einen Grundstein zu legen für die innere Stärke, die notwendig ist, um im späteren Leben aus einer positiven, inneren Freiheit zu agieren und so Verantwortung zu übernehmen.
Was kann zu einer guten Atmosphäre in der Familie beitragen?
Alexandra Schwarz: Immer an einem Kreislauf der Liebe zu arbeiten, der aufbaut statt kritisiert. Im Anderen das Gute zu sehen und nicht den Mangel, der schnell ein großes Gewicht bekommt und unsere Kommunikation vergiftet.
Welche Rolle spielen christliche Werte in der Erziehung?
Alexandra Schwarz: Wir haben versucht, eine christliche Familie aufzubauen – mit Werten wie Rücksichtnahme, Vertrauen und der Geborgenheit. Und vor allem mit der Gewissheit, dass letztlich jemand da ist, der unsere Kinder mehr liebt, als wir es je könnten.
Markus Schwarz: Wir haben gemerkt: wenn wir in der Erziehung ein gutes Team sind, geht vieles leichter. Als christliches Ehepaar können wir uns gemeinsam unter Christus stellen und eine gemeinsame Vision verfolgen – das hilft, den Kindern gegenüber homogen aufzutreten. Von Christus haben wir zudem gelernt: Es gibt immer Vergebung - ein Neuanfang ist immer möglich.
Dieses Interview ist auch in der Printausgabe des Rupertusblatts erschienen
Bereits zum vierten Mal organisierte das Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg die Familientage in Mauterndorf. Auch nächstes Jahr wird es dieses Angebot wieder geben. Kontakt: johannes.czifra@eds.at
