Ab wann braucht mein Kind ein eigenes Zimmer?
Eines vorneweg – das ist eine Frage, die in der Familie individuell zu beantworten ist. Sicher ist aber, dass die Frage nach dem Kinderzimmer regelmäßig auftaucht: Vor der Geburt, wenn das Kind ein Geschwisterchen bekommt, beim Eintritt in den Kindergarten oder Volksschule, bei Übertritt ins Gymnasium und spätestens dann, wenn das Kind in die Pubertät kommt.
Vor den großen Ferien, wo man Zeit hat zum Aussortieren und Einrichten hat, ist das „eigene Zimmer“ auch wieder ein großes Thema bei uns.
Das Babyzimmer für Säuglinge und Kleinstkinder
Werdende Eltern richten oft schon in der Schwangerschaft das perfekte Zimmer für den Nachwuchs ein und erleben dann, dass das Zimmer kaum genutzt wird, höchstens als Stauraum für Spielzeug und Kleidung.
In den ersten 2-3 Lebensjahren brauchen Kinder vor allem Nähe und Kontakt zu den Eltern. Darüber hinaus sollte ein sicherer Schlafplatz, Stauraum für Kleidung und ein Wickelplatz vorhanden sein.
Auch wenn der Boden mitunter der sicherste Ort zum Wickeln ist, weil keine Gefahr für die Kleinen besteht, hinunterzurollen, ist doch eine Wickelkommode oder Wickeltisch mit allen notwendigen Utensilien in Griffweite viel praktischer.
Wenn das Baby nicht bei Mama oder Papa schläft, dann bietet sich eine Wiege (super wegen der Schaukelbewegungen) oder ein Stubenwagen an, der immer in der Nähe Eltern steht. In so jungen Jahren ist ein eigenes Zimmer also noch nicht notwendig, etwas zusätzlicher Platz aber schon.
Das Kinderzimmer für Kindergarten- und Schulkinder
Je älter das Kind wird, desto aktiver wird es und braucht naturgemäß mehr Platz. Ab dem Kindergartenalter benötigen Kinder Bewegungsfreiheit zum Spielen und Entdecken. Freundschaften mit Altersgenossen und erste Hobbies kommen dazu. Wenn Gastkinder zu Besuch sind, suchen sich die Kleinen einen eigenen Raum zum Spielen, oft ohne Erwachsene. Gleichzeitig entsteht in dem Alter der Wunsch nach Rückzugsmöglichkeiten und somit wird ein eigenes Zimmer das erste Mal richtig interessant.
Ein eigener Raum ist nicht unbedingt notwendig, oft lässt sich im Wohnzimmer oder in der Küche eine „Spielecke“ einrichten, in dem der Nachwuchs (ungestört) spielen und wo auch mal eine Legostadt über Tage stehen bleiben kann.
Bekommt das Kind in diesem Alter (3- 6 Jahre) das erste eigene Zimmer, bekommt es wahrscheinlich auch ein größeres Bett. Das soll ein Rückzugsort und vor allem sicher sein (Rausfallschutz oder Netz beim Hochbett) und dem kindlichen Geschmack entsprechen.
Das Aufräumen des Kinderzimmers wird erleichtert, indem das Spielzeug in leicht zugänglichen Kisten aufbewahrt wird, kindgerechte Kleiderschränke und Kommoden unterstützen die Selbstständigkeit, so kann sich das Kind selbst seine Kleidung holen und anziehen. Mal- und Basteltisch fördert die kreative Entwicklung des Kindes. Ab dem Schuleintritt empfiehlt sich ein eigener Schreibtisch mit Stauraum für die Schulsachen.
Ich kann aus Erfahrung sagen, dass das Kinderzimmer in diesem Alter aber vor allem zur Lagerung von Spielzeug und in der Nacht zum Schlafen genutzt wurde. Gespielt wurde in der Nähe der Eltern, gezeichnet und gebastelt meist am Esstisch. Nur selten zogen sich die Kinder ins Kinderzimmer zurück um alleine zu sein und zur Ruhe zu kommen. Das eigene Zimmer war vor allem interessant, wenn Freunde zu Gast waren.
Das Jugendzimmer
Spätestens mit dem Eintritt in eine höhere Schule bzw. mit der Pubertät ändern sich die Bedürfnisse und Geschmäcker von Kindern grundlegend. Spielzeug wird nicht mehr angerührt, die Kinderzimmereinrichtung ist “peinlich“ und muss ganz dringend ausgetauscht werden. Und oft ist es für die Atmosphäre in der Familie zuträglich, wenn der Teenager seinen Stimmungsschwankungen in Ruhe und alleine begegnen kann.
Im besten Fall kann das Bett und der Schreibtisch so umgebaut und „erwachsener“ gemacht werden, werden, dass er für Teenager akzeptabel ist. Hinzu kommt der Wunsch nach einem gemütlichen Sessel oder einem trendigen Schlafsofa. Das Zimmer ist nicht mehr Platz zum Spielen, sondern ein Rückzugsort, wo mit Freunden möglichst ungestört Zeit verbracht und „gechillt“ werden kann.
Ganz wesentlich ist, dass der Teenager sich mit seinem eigenen Geschmack von den Erwachsenen und den Geschwistern abgrenzt. Das Einrichten des Zimmers trägt auch zur Identitätsbildung bei. Kindliche Sachen, bunte Vorhänge und die Idole der Kindheit müssen aus dem Bereich des Teenagers verschwinden. Dafür halten mitunter elektronische Geräte, Fernseher und Gaming-Equipment Einzug.
Wenn in einer kleinen Wohnung nicht jeder Heranwachsende die Chance auf ein eigenes Zimmer hat, so kann man zumindest einen Raum so teilen, dass zwei individuelle Ecken entstehen, die von den Jugendliche selbst, mit eigenen Vorlieben (mit) gestaltet und so zu einem Rückzugsort werden. Regale als Raumteiler, dicke Vorhänge oder auch eine Rigibswand sorgen für Abtrennung und gute Kopfhörer für ein ungestörtes Miteinander.
Gemeinsamer Schlafplatz trotz getrennten Zimmern
Auch wenn Kinder von klein auf ihr eigenes Zimmer haben könnten, schlafen sie oft lieber gemeinsam in einem Raum, mitunter auch lange bei den Eltern. Das Kinderzimmer wird zum „Spielzimmer“ oder nur dann genutzt, wenn Besuchskinder da sind.
Daher denke ich, dass man bei der Gestaltung von Kinderzimmern darauf Rücksicht nehmen sollte z.B. ein Bett so breit gestalten, dass zwei Kinder darin schlafen können, eine Schlafcouch oder ein Tagesbett herrichten, das Bruder oder Schwester nutzen können.
Drei Indikatoren für ein eigenes Kinderzimmer
Oben habe ich ja schon darauf hingewiesen, dass die Entscheidung fürs eigene Kinderzimmer immer in die Familie und deren Lebensweise passen muss. Allerdings gibt es drei Punkte, wonach getrennte Zimmer (bzw. klar getrennte Bereiche) forciert werden sollten:
- Geschwister mit mehr als 4 Jahren Altersunterschied, weil die Schlaf- und Lernbedürfnisse zu weit auseinanderliegen.
- ab der Pubertät, wenn der Wunsch nach Intimität und Privatsphäre wächst
- Geschwister unterschiedlichen Geschlechts, die mit zunehmenden Alter ihre Sexualität entdecken.
Fazit
Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Privatsphäre und einen Rückzugsort!
Baby und Kleinkinder verbringen die meiste Zeit in der Nähe der Eltern und benötigen nicht zwangsläufig einen eigenen Raum, ab dem Kindergartenalter bzw. spätestens mit Schuleintritt wird das Kind mehr Zeit alleine verbringen (wollen) und Raum für sich und seine Freunde zum Spielen und Entdecken brauchen. Spätestens mit dem Eintritt in die Pubertät (10-14 Jahre) wird zum eigenen Zimmer (oder klar abgetrennten Bereich) geraten.
