21. Oktober 2020

Corona: Mit Kindern über Veränderungen sprechen

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Seit Corona ist alles anders. Auch in den kindlichen Sprachgebrauch ist eine Zeitrechnung „vor“ und „während“ Corona eingezogen. Ist das eine akzeptable Veränderung oder problematisch?

Unsere Kleine (8) ist sehr achtsam. Stehen auf Bildern Menschen zu nahe zusammen, dann sagt sie laut „und was ist mit Corona“? Ihr ist absolut bewusst, dass mit den derzeitigen Corona-Schutzmaßnahmen alles anders ist und eine signifikante Veränderung in unsere Köpfe und in unser Verhalten Einzug gehalten hat.

Nun sind wir als Eltern so geprägt, dass wir es grundsätzlich propagieren, dass man mit Veränderungen umgehen lernen sollte oder sich zumindest damit arrangiert. Doch wie weit reichen diese Veränderungen in die Köpfe und Psyche unserer Kinder hinein? Wie sehr ist dies eine Veränderung, die hinein in eine Abwärtsspirale für alle Seiten führt?

Wie also über diese problematische Veränderung reden? Vorerst muss man wohl gar nicht viel sagen. Fast wöchentlich gibt es in der Schule derzeit Verdachtsfälle, auch einen positiven Fall haben wir schon erlebt. Der positive Fall, ein Mitschüler unserer Großen (12) hat dazu geführt, dass sie einige Tage in Quarantäne musste und sich jetzt wieder langsam auf die Schule vorzubereiten beginnt. Alles natürlich unter den Vorzeichen, dass Vergleichbares sehr bald wieder passieren könnte und sie dann wieder zuhause sitzt.

Auf Abruf

Das ist dann wohl auch das innerste Wesen dieser seltsamen Veränderungen, die tief in unseren Alltag eingedrungen sind: Es ist ein Alltag auf Abruf. Erst einmal wieder eingelebt und erst einmal wieder strukturiert kann dieser im Moment in wenigen Augenblicken wieder zerbröseln. Es genügt ein Anruf von der Schule oder von der großen Tochter selbst und alles geht wieder von vorne los.

Dann wartet man auf Bescheide der Behörde, wartet darauf, ob und wie man das Kind testen lassen soll, ob es K1 oder K2 ist oder ähnliches. Dazu kommt natürlich die große Hoffnung, dass das Kind kein Fieber hat und damit ebenfalls zum Verdachtsfall wird. 

Diese Alltagsleben auf Abruf zermürbt uns zusehends. Und das, obwohl die Schule im Grunde genommen eigentlich erst angefangen hat. Corona ist zum Hintergrundrauschen im Alltag geworden, das jederzeit so laut werden kann, dass es alles andere übertönt und ins Wanken bringt. Selbst wenn es Wochen ohne Probleme gibt, ist die Angst davor immer präsent.

Rund um uns herum werden stimmen lauter, wie man auf diese prekäre Veränderung adäquat reagieren könnte. Lässt man sein Kind zuhause und stellt schon mal vorsorglich auf „Home-Schooling“ um? Die Belastung durch den Lockdown würde dann zwar in kürzester Zeit wieder aufpoppen, doch immer hätte man eine selbstbestimmte Entscheidung getroffen. 

Man fühlt sich jedenfalls hilflos und ausgesetzt. Wem gegenüber eigentlich? Diesem Virus, der alles verändert hat oder den Maßnahmen der Regierung gegenüber, die sich womöglich als überzogen herausstellen könnten? Hat man eigentlich mehr Angst und Sorge vor dem Virus oder vor den Reaktionen darauf? Es ist eine verzwickte Situation.

Durchhalten und Kontakt halten

Bei all diesen Belastungen wäre es nur allzu leicht zu kapitulieren. Das hätte aber zur Folge, dass die Kinder noch mehr leiden und in dieser Situation zu stark merken, dass es ihren Eltern nicht gut geht. Dabei sollten diese doch der starke Part sein. 

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Somit bleibt einfach nur mehr der Pragmatismus übrig. Schließlich muss es irgendwie weitergehen. Und schließlich erlangt man über die Zeit Routine. Wenn ein Anruf aus der Schule kommt, ist man beim wiederholten Male nicht mehr schockiert, sondern gefasst und weiß auch, was zu tun ist und was auf einen zukommt. 

Das kann ja nicht per se schlecht sein. Und vielleicht gibt es irgendwann, wenn man die Corona-Veränderungen endlich vollständig akzeptiert und sich mit ihnen arrangiert hat, wieder so etwas wie eine wirkliche „Normalität“? Wer weiß.


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