12. März 2020

Wie wir den Spagat zwischen Stadt und Natur schaffen

wie wir den spagat zwischen stadt und natur schaffen

Jede Stadtfamilie, und selbst wenn sie nur in einer kleinen Großstadt wie Innsbruck wohnt, hat den Spagat zwischen Beton und Natur, zwischen Kultur und Wildnis zu bewältigen. Wie uns das gelingt? Eigentlich ganz einfach.

Zuerst einmal sei angemerkt, dass wir als Familie den Unterschied zwischen Kultur und Natur nicht zu scharf ziehen. Das mag daran liegen, dass wir seit mehr als 10 Jahren bereits in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck leben, in der die Natur zum Greifen nah ist. In nicht einmal 10 Minuten ist man von der Innenstadt mit der Hungerburgbahn in den Bergen und in den umliegenden Wäldern.

Doch die örtliche Nähe ist nicht der Grund. Das alpin-urbane Bewusstsein, das auch Selbstverständnis von Innsbruck ist, scheint tief in unsere Köpfe eingesickert zu sein.

Wie ich das meine?

Eigentlich ganz einfach. Womöglich wird es mit einem Beispiel greifbarer. Am Samstag waren wir als ganze Familie am Berg. Es war herrlich! Am Abend war ich dann mit unserer Kleinen (8) in einem Tanztheater am Innsbrucker Landestheater, weil sie sich in letzter Zeit so sehr für Tanz begeisterte.

Auf die Idee, dabei das Eine gegen das Andere ausspielen zu wollen bin ich nicht gekommen. Auch die Frage nach der richtigen „Balance“ zwischen Natur und Kultur scheint mir nicht vordergründig.

Alles ist Eins

Das ist uns bei der Erziehung nämlich wichtig. Kultur umgibt es uns, glücklicherweise, genauso und genauso alltäglich wie die Natur. Das führt auch dazu, dass wir vermeintlich Kultur-Konventionen und -Restriktionen nicht akzeptieren. Man kann mit einem achtjährigen Kind nicht in eine zweistündige Tanzaufführung gehen? Wer hat das noch einmal gesagt und wann hat sich diese Annahme eingeschlichen?

Man kennt sein Kind schließlich am allerbesten.Was interessiert es? Ist es geduldig oder muss es dauernd umherlaufen? Davon ausgehend kann man dem Kind auch durchaus mal etwas „zumuten“ oder besser gesagt zutrauen.

Ich kann nur sagen, dass der Tanzabend mit meiner Tochter rundherum gelungen war und wir uns nachher darüber ausgetauscht haben, welcher Teil des Abends uns jeweils am besten gefallen hat.

Das gelingt uns meiner Meinung nach deshalb, weil wir zwischen Kultur und Natur nicht wirklich unterscheiden. Über beides lässt sich reden, beides lässt sich erleben! Die Kultur und die Kunst als ihre feinsinnigste und manchmal auch komplexeste Ausformung ist nicht das abgehobene Konstrukt, vor dem man in Ehrfurcht erstarren muss und das man erst nach jahrelanger intensiver Beschäftigung versteht.

Man kann sich wagemutig hineinwagen. Auch und besonders als Kind. Schließlich sind Kinder von Natur auf neugierig. Diese Neugierde sollte man ihnen nicht durch Vorschriften und Konventionen madig reden lassen.

Trennung aufheben

Eine Aufhebung der Trennung zwischen Natur und Kultur heißt aber nicht, dass alles gleich ist. Es sollte nur gleich selbstverständlich sein, dass man sich hier und dort bewegt. Während man auf dem Berg und im Wald als kleines Kind Matschhose & Co anzieht und später zumindest an eine Hose denkt die dreckig werden kann und gutes Schuhwerk nicht vergisst, so denkt man auch beim Kulturgenuss an die adäquate Kleidung.

Ebenso ist es bei einem Theaterbesuch. Gegen eine saubere Hose und ein Hemd bzw. eine Bluse ist nichts einzuwenden. Nicht, weil es so sein muss und weil es irgendwelche geschriebenen und ungeschriebenen „Gesetze“ sagen, sondern weil man damit auch die Musik und die Kunst ehrt, die zwar Teil des Alltages ist, aber dennoch ein Highlight in eben diesem ist. Ähnlich einem guten Essen.

Fazit

Das Leben einer Stadt ist bunt und vielfältig. Warum sollte man dann mit Kindern nicht auch alle Aspekte ausnutzen und sie von vornherein, etwa weil sie zu jung dafür sind oder ähnliches, von manchem Genuss ausschließen? Es geht schlicht und einfach um den Umgang mit den Möglichkeiten, die es in der Stadt gibt. Und diese werden von Eltern aufgezeigt und vorgelebt.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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