1. September 2021

Wie erreiche ich mein Kind? Authentizität im Familienalltag


Wenn wir in einer gleichwürdigen, wertschätzenden Beziehung zu unseren Kindern leben wollen, einer Subjekt-Subjekt-Beziehung, stellt uns unser Familienalltag oftmals vor Herausforderungen. Denn in der achtsamen Elternschaft fühlen wir uns eben nicht nur avantgardistisch, mutig, sicher und liebevoll, sondern eben manchmal auch ziemlich überfordert – und das darf auch mal sein.

Gleichwürdigkeit bedeutet: gleich an Würde. Eine gleichwürdige Beziehung zu unseren Kindern beruht auf Kommunikation, Verbindung, Liebe und Wertschätzung, statt auf Schimpfen, Drohen und Strafen – eine Beziehung ohne Machtgefälle und daher ohne Machtinstrumente.
Gleichwürdigkeit bedeutet aber nicht Gleichheit. Wir Eltern sollten liebevoll, aber verlässlich führen, „Leuchttürme“ für unsere Kinder sein, damit sie sich an uns orientieren können und lernen, dass auch andere Menschen Bedürfnisse und Grenzen haben.

Gleichwürdigkeit bedeutet aber nicht Gleichheit. Wir Eltern sollten liebevoll, aber verlässlich führen, „Leuchttürme“ für unsere Kinder sein, damit sie sich an uns orientieren können und lernen, dass auch andere Menschen Bedürfnisse und Grenzen haben.

Diese Gratwanderung – führen, aber ohne unsere Kinder dabei zu verletzen – macht so manche Alltagssituation herausfordernd: Wir müssen zur Arbeit und das Kind weigert sich, sich anzuziehen. Wir würden unser Kind wirklich gerne baden, doch das Kind will lieber spielen. Wir sind bei Freunden zu Besuch und das Kind verwüstet dort das Wohnzimmer… Was tun, wenn Schimpfen, Schreien und Drohen als Optionen wegfallen?

Was tun, wenn Schimpfen keine Option ist?

In diesem Artikel möchte ich euch etwas mitgeben, das ganz wesentlich in der achtsamen Elternschaft ist, nämlich, wie wir unsere Wünsche, Bedürfnisse und Grenzen kommunizieren – und zwar gar nicht so sehr, welche Worte wir wählen, sondern in welcher Haltung wir sie kommunizieren.

Kinder wollen immer kooperieren, sie können es nur nicht immer. Sie gehen beispielsweise aus der Kooperation, wenn sie mit der Situation überfordert sind, weil wir A sagen, aber (manchmal auch unbewusst) B meinen, weil sie uns hinter dem Wunsch, den wir äußern, nicht wirklich spüren, oder weil unsere Grenzen oder unsere Bedürfnisse bei ihnen nicht wirklich ankommen, wenn wir diese ausschließlich verbal kommunizieren.

Kinder wollen immer kooperieren, sie können es nur nicht immer.

(c)iStock

Kinder sind viel körperlicher als wir. Wenn wir sie erreichen wollen, geht das vor allem über Körpersprache, Authentizität, Präsenz, Verbindung. Wir Erwachsenen erklären uns jedoch fast ausschließlich auf der verbalen Ebene, mit Worten und formulierten Erwartungen. „Wie oft soll ich das noch sagen!?“, „Jetzt habe ich dir schon 100x gesagt…!“. Nur: Kinder können mit Worten und Erklärungen noch nicht so viel anfangen, vor allem nicht, wenn sie nebenbei fallen oder nicht mit Körpersprache, Mimik und ihrem Gespür über uns übereinstimmen.

Kinder kommunizieren anders.

Was können wir Eltern also tun, um unser Kind in seiner Welt zu erreichen? Wie können wir Verbindung aufbauen? Wie können wir also mit ihnen kommunizieren, damit es weiß, was wir von ihm wollen und überhaupt erst die Möglichkeit hat, dies auch zu tun?

Die Antwort auf diese Frage führt zu einem wirklich wunderschönen Grundsatz in allen zwischenmenschlichen Beziehungen, weil darin so viel Ehrlichkeit, Wachstum und so-sein-dürfen und so-sein-lassen steckt: Präsenz und Authentizität. 

Präsenz und Authentizität

Präsenz bedeutet ein wirkliches da sein im Moment. Ich als Mama oder Papa bin, wenn ich mein Kind um etwas bitte oder meine Grenze aufzeige, voll da. Ich koche nicht nebenbei, ich laufe nicht nebenbei durch die Wohnung, ich mache es nicht halbherzig, sondern mit vollem Bewusstsein und in Achtsamkeit für mich und mein Kind. Sätze, die ich meinem Kind so „zuschmeiße“ nimmt es in seiner Welt oft gar nicht richtig wahr, es ist viel zu vertieft in seine Tätigkeit.

Sätze, die ich meinem Kind so „zuschmeiße“ nimmt es in seiner Welt oft gar nicht richtig wahr, es ist viel zu vertieft in seine Tätigkeit.

Ich gehe also vielleicht körpersprachlich auf die Ebene meines Kindes, zum Beispiel auf die Knie, wende mich ihm zu und warte, bis ich wirklich seine volle Aufmerksamkeit habe, bis wir Blickkontakt haben, bis auch mein Kind voll da ist. Und dann formuliere ich meine Bitte, so präzise und kurz wie möglich und im besten Fall ohne Verneinungen, damit es nicht zu kompliziert wird. Also in etwa: „Das ist mir zu wild – bitte setz dich mal her zu mir.“ Oder: „Ich will, dass du dich jetzt anziehst.“ Im Tonfall freundlich und liebevoll, aber vom Satz her klar und deutlich. Liebevolle Grenzen setzen. In Verbindung, in eine wirkliche Verbindung mit unserem Kind gehen, und dann unseren Wunsch äußern oder unsere Grenze setzen.

Liebevolle Grenzen setzen.

Authentizität bedeutet ich-selbst-sein. Kinder lesen uns, wie niemand anderer. Sie wissen ganz genau, ob wir die Grenze, die wir gerade gesetzt haben, wirklich ernst meinen. Sie spüren jede kleine Diskrepanz. Wenn ihr also eine Grenze setzt, dann nur eine, die wirklich eure ist. Sonst wird diese unechte, dehnbare, auslegbare, nicht ganz klare Grenze immer wieder diskutiert – zu Recht. Unechte Grenzen sind z.B. Grenzen, die wir setzen, weil wir denken dass „man“ das so macht, oder die wir nur jemand anderem zu liebe setzen. Euer Kind spürt das sofort, und nimmt sie nicht ernst.

Unechte Grenzen sind z.B. Grenzen, die wir setzen, weil wir denken dass „man“ das so macht, oder die wir nur jemand anderem zu liebe setzen. Euer Kind spürt das sofort, und nimmt sie nicht ernst.

Authentizität bedeutet auch Echtheit. Formuliert Sätze und Bitten in eurer Sprache, seid ehrlich zu eurem Kind. Ihr könnt auch mal sagen: „Da muss ich kurz nachdenken“ oder: „Hm, ich habe keine Ahnung, was ich jetzt machen soll.“ Eure Kinder werden euch danken, weil sie eure Gefühle ohnehin spüren, aber nicht zuordnen können, wenn ihr auf der verbalen Ebene etwas ganz anderes kommuniziert.

Ehrlicher Umgang, ehrliche Kommunikation

Authentisch sein (ich-sein) und präsent sein (da-sein) führt uns zu einem ehrlichen Umgang mit uns und unserem Kind und automatisch zu einer ehrlicheren, wertschätzenden  Kommunikation. Es macht es Kindern einfacher, uns zuzuhören und zu kooperieren. Mich selbst, meine Grenzen, Programme und Bedürfnisse zu kennen, ist daher sozusagen die Grundlagenarbeit von gleichwürdiger und bedürfnisorientierter Beziehung.

Wenn ihr mehr darüber wissen möchtet, oder gerne einen praktischen Leitfaden hättet, wie ihr Präsenz und Authentizität mehr in euer Familienleben einbauen könnt, besucht sehr gerne mein Webinar am 20. September 2021: Wie erreiche ich mein Kind? Präsenz und Authentizität im Umgang mit Kindern. Montag, 20.09.2021 von 19.30-21.00 (online)

 In diesem Webinar erfahrt ihr, wie ihr Präsenz und Authentizität im Alltag mit euren Kids gut leben könnt – anhand praktischer Beispiele und eurer Fragen aus eurem Familienalltag. 


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