21. Mai 2021

Wenn das Essen zum Problem wird – Essstörungen und Covid-19-Pandemie


Ein Jahr nach Beginn der Covid-19-Pandemie, berichten die Medien im März 2021 darüber, dass diese Auswirkungen auf das Körpergewicht von Kindern und Jugendlichen zeigte. Nicht nur das Risiko für Übergewicht ist durch die Corona-Pandemie gestiegen, sondern auch für Essstörungen. Die Warteliste für Essstörungspatienten an den Kinder- und Jugendpsychiatrien haben sich zum Teil verdoppelt. 

Als Ursache für den Anstieg der Essstörungen (Untergewicht, aber auch Übergewicht) wird die psychische Belastung der Kinder und Jugendlichen durch die Covid-Maßnahmen genannt.

Die Gründe für Übergewicht liegen bei einer erhöhten Energiezufuhr durch ständiges Essen und/oder durch hohe Zufuhr an Süßigkeiten und süßen Getränke, zu wenig Bewegung (an der frischen Luft) und Wegfall des Schulsportes. Weiteres kann begleitend ein emotionales Essen durch die psychische Belastung in der Pandemie und/oder ein Binge-Eating-Syndrom eine Rolle spielen. 

Bei der ‚Magersucht‘ wird als Ursache ebenfalls die psychische Belastung beschrieben. Durch den Wegfall der Alltagsroutine beschäftigen sich viele Jugendliche mit dem Thema Gewichtsabnahme und dem Zählen von Kalorien. Zusätzlich kommt es oft zur extremen körperlichen Aktivität durch Online-Workouts. Die sozialen Medien sind hier nicht immer förderlich. 

Zu den klassischen Essstörungen zählen: 

  • Anorexie: Die betroffenen Jugendlichen leiden an (zum Teil starken) Untergewicht. Zu den Symptomen gehören u.a. eingeschränkte Nahrungsauswahl und übertriebene körperliche Aktivitäten. Aufgrund der eingeschränkten Nahrungszufuhr kommt es zu einer schweren Mangel- und Unterernährung. 
  • Bulimie: Die betroffenen Jugendlichen beschäftigen sich stark mit der Kontrolle des eigenen Körpergewichtes und nach Heißhungerattacken und Essattacken wird das gegessene wieder erbrochen oder es werden Abführmittel verwendet. Der Hintergrund ist, dass die Betroffenen somit die Kontrolle über ihr Körpergewicht erlagen wollen. Der Gewichtsbereich kann sowohl beim Untergewicht als auch beim Normalgewicht liegen. Das häufige Erbrechen kann zu Elektrolytstörungen und weiteren körperlichen Komplikationen führen. 

Angebot

Familienberatung finden


  • Binge-Eating-Störung: Die betroffenen Kinder und Jugendlichen leiden an regelmäßigen Essattacken und verlieren die Kontrolle über die Nahrungsmenge. Innerhalb kürzester Zeit wird viel Energie aufgenommen. Die Betroffenen leiden meist an Übergewicht. Ursache für die Binge-Eating-Störung können rigide Essmuster oder emotionale Belastungen sein. 
  • Eine neuere Essstörung ist die Orthorexie. Die Orthorexia nervosa ist gekennzeichnet durch eine übermäßige Beschäftigung mit dem Thema Ernährung und einem ‚krankhaft‘ gesunden Essmuster. Die Betroffenen versuchen sich super gesund zu ernähren und überlegen bei jeden Bissen, ob dieser gesund ist oder nicht. Dieses übermäßige Beschäftigung mit dem Essen wird als krankhaft eingestuft.

Was kann man tun?

Wichtig ist es frühzeitig professionelle Hilfe aufzusuchen und eine multiprofessionelle Therapie (Medizin, Psychotherapie und Diätologie) in Anspruch zu nehmen. 

 

 

Möglichkeiten im Alltag, Essstörungen im Allgemeinen vorzubeugen

  • Regelmäßige Mahlzeiten anbieten/Tagesstrukur 
  • Auf eine ausgewogene Zusammenstellung der Mahlzeiten achten 
    • Zusammenstellung des ‚Tellers‘
      • Sättigungsbeilage wie z.B. Kartoffeln, Reis, Nudeln, Brot…
      • Eiweißkomponente: Fisch, Fleisch, Milch und Milchprodukte (inkl. Käse), Ei, Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kirchererbsen &Co), Soja und Sojaprodukte
      • Gemüse und oder Salat 
  • Angenehmes Essambiente schaffen
  • Fixer Essplatz (z.B. Küchentisch, Tisch im Esszimmer)
  • Genussmomente einbauen und erlauben 
  • Essen soll positiv behaftet sein 
  • Auf ausreichend zucker- und energiefreie Flüssigkeitszufuhr achten
  • Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft 

Eine ausgewogene Ernährung mit wenig Junk-Food (= stark verarbeitete Lebensmittel, viel Zucker, Salz und Fett) verbessert auch das emotionale Wohlbefinden und hat somit einen positiven Effekt auf die Psyche. 



EIN ARTIKEL VON
  • Martina Brunnmayr

    "Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen" - frei nach diesem Zitat von Sokrates ist es mir als Diätologin ein Anliegen, gesunde Kost in den Alltag einzubauen. Das Ganze ohne Verbote aber mit viel Genuss.


MeineFamilie.at