4. November 2020

Welche Welt können wir unseren Kindern zumuten?

Welche Welt koennen wir unseren Kindern zumuten

Einschränkungen durch Corona-Schutzmaßnahmen. Terror. Eine gespaltene Gesellschaft. Unsere Kinder leben gerade in unruhigen Zeiten. Wie kann man seine Kinder beruhigen ohne ihnen Ereignisse vorzuenthalten?

Die Bilder und Berichte vom Terroranschlag in Wien gehen tief. Gebannt und geschockt saß man als Erwachsener vor dem Fernseher und Laptop und verfolgte die Situation. Nicht nur wegen der Uhrzeit waren die Kinder bei diesen Berichten nicht dabei. Zu unsicher war es, was gerade passiert. Die Einordnung und Verarbeitung dieser Momente fiel und fällt selbst gefestigten Erwachsenen Personen schwer.

Am nächsten Tag sitzt man nach einer unruhigen Nacht mit seinen Kindern am Frühstückstisch. In meinem Fall mit zwei Mädels, 12 und 8 Jahre alt. Selbst hat man nachts sehr schlecht geschlafen, als man sich hinlegte waren die Ereignisse noch im Gange. Es war unklar, ob in der Nacht nicht noch mehr passieren würde. Ich entschied mich dazu es ihnen nicht zu erzählen, die Ereignisse nicht zu thematisieren. Klarerweise würden es aber die Lehrer in den Schulen tun. Der erste Schultag nach den Ferien beginnt also mit einem Schock. Mancherorts und vor allem in den sozialen Netzwerken wurde gar gefordert, dass man zumindest am Tag nach den Anschlägen die Schulen vorsorglich schließen solle.

Muss man Angst haben?

Das bringt einen selbst in eine Angstposition. Muss man Angst um seine Kinder haben, ist es unverantwortlich sie an diesem Tag aus dem Haus gehen zu lassen? Ich denke nicht, denn Angst und Verunsicherung ist genau das, was die Attentäter verbreiten wollen. Zugleich heißt es aber auf der Hut sein und die Umstände kritisch und präzise zu analysieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Zum Glück bleibt Zeit, bis die Kinder wieder von der Schule nach Hause kommen. Diese Zeit eignet sich gut um sich selbst zu sammeln, sich eine passende und vor allem auch altersgerechte Reaktion zu überlegen.

Welche Welt kann man Kindern zumuten und wie festigt man sie, ohne die Sachen zu beschönigen?

Es ist jedenfalls nicht angemessen, mit dunklen Farben ein dystopische Szenario heraufzubeschwören und die Kinder vollends zu verunsichern. Denn wenn sich etwas am Montagabend und in der Nacht von Montag auf Dienstag gezeigt hat, dann, dass das „System“ auch im absoluten Ausnahmezustand gut funktioniert. Die Polizei war schnell vor Ort, hat überaus entschlossen gehandelt und konnte noch Schlimmeres offenbar verhindern.

Sicherheit geben

Auch die Medienlandschaft funktioniert. Ein überwiegender Teil der Medien arbeitete seriös, die Berichte waren in Bezug auf die Fakten gut gemacht, Mutmaßungen wurden unterlassen. Zudem war und ist die nationale und internationale Solidarität mit den Opfern und der Stadt selbst beispiellos. Man ist in dieser Hinsicht geneigt anzunehmen, dass der Kampf gegen den Terror und gegen Terroristen nunmehr beherzter als je zuvor angegangen wird.

Über all das kann man mit seinen Kindern reden. Es gibt nämlich keinen Grund beunruhigt zu sein. Es gilt gerade in solch stürmischen Zeiten sachlich, ruhig und klar zu bleiben. Nichts zu beschönigen und schon gar nichts zu verschweigen. Die Wahrheit ist den eigenen Kindern zumutbar. Was aber nicht zumutbar ist, sind die eigenen (zum Teil durchaus legitimen) Ängste und Verunsicherungen auf die Kinder zu übertragen.

Gefestigt sein

Sie haben sich nämlich sowohl eine klare Weltsicht als auch gefestigte Eltern verdient. Ihre eigene, zum Teil noch kleine Welt, sollte nicht über Gebühr ins Wanken gebracht werden. Als Eltern hat man die Aufgabe, für eine sichere Umgebung zu sorgen und Geborgenheit zu vermitteln. Das ist nämlich schließlich auch die Grundlage, auf der Liebe wächst. Und diese Liebe ist stärker als Hass, der gerade versuchsweise vom Terror gesät wird.

Fakt ist aber natürlich auch, dass solche Gespräche niemals abgeschlossen sind und Verunsicherung nicht zu vermeiden ist. Dann hilft „nur“ mehr gutes Zureden und Trost.



EIN ARTIKEL VON
  • Markus Stegmayr

    Als freier Journalist, Blogger und Hobby-Gastrosoph besteht mein Berufsalltag hauptsächlich aus lesen, schreiben, hören und essen. Mein Familienalltag bringt diesen Rahmen aber oft gehörig aus der Fassung. Genau darüber lohnt es sich aber wiederum zu schreiben!


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