25. März 2021

Was ist eigentlich „Selbstwirksamkeit“?

selbstwirksamkeit - meinefamilie.at

Was haben Wasserlacken und Klavierspielen gemeinsam? Wieso brauchen Kinder Selbstwirksamkeit und wie kann man sie fördern?

Es ist ein eisig kalter Winternachmittag. Wir sind warm eingepackt unterwegs, unser Ziel: der Badeteich. Wir „Großen“ genießen das Sonnenlicht, das sich am Eis spiegelt und obwohl wir längst bereit wären, wieder nach Hause zum warmen Ofen zurück zu kehren, gönnen wir unseren Töchtern diese zusätzlichen Minuten.

Sie tun das, was Kinder vermutlich schon immer getan haben: mit höchster Konzentration möglichst große und schwere Steine werfen, mit Stöcken am Uferrand balancieren und das Eis bearbeiten, mit voller Kraft auf die gefrorenen Wasserlacken treten, bis das Eis splittert und dann – ab zur nächsten!

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Der Sinn dahinter

Warum machen sie das eigentlich? Warum mühen sich Kinder mit scheinbar „unnötigen“ Aufgaben und Herausforderungen ab, nur um sich nach einem Erfolgserlebnis der nächsten zuzuwenden? Abgesehen von der frischen Luft und körperlichen Bewegung tut Kindern vor allem eines gut: sie erleben „Selbstwirksamkeit“. Neben dem Selbstwert („ich bin etwas wert“) und dem Selbstvertrauen („ich kann das, ich glaube an mich!“) ist die Selbstwirksamkeit für die Entwicklung von Kindern äußerst wichtig. 

Im Wort selbst steckt schon die Erklärung, was das eigentlich ist: sie merken, dass sie selbst etwas bewirken können! Zusätzlich wächst im Kind das Vertrauen, auch schwierige Situationen meistern zu können.

Wann „üben“ Kinder das?

Oft sind es nur Mini-Situationen und Anlässe im ganz normalen Alltag, in denen Kinder dieses Gefühl haben – ich kann etwas schaffen und bewirken: 

  • Nach einigen Versuchen bewusst mit Farben Spuren hinterlassen – das habe ich gemalt!
  • Das Rutschauto bewegen und bewusst lenken – ich komme dort hin!
  • Das Springen in eine Lacke, auch wenn man die Tiefe nicht sieht – es spritzt!
  • Das Schütteln eines unbekannten Gegenstandes – es ist eine Rassel! Ein Ton ist hörbar!
  • Oder auch: das Umwerfen eines Behälters – alles fällt heraus!

Unser Plädoyer ist: Gebt den Kindern Zeit und Möglichkeiten, sich mit Schwierigkeiten auseinander zu setzen!

Es sind die großen und kleinen Herausforderungen, die Kinder immer stärker machen. Wenn Kindern jeder Stolperstein aus dem Weg geräumt wird, haben sie gar keine Möglichkeit, Unbekanntes zu wagen und an Herausforderungen zu wachsen!

Gelegenheiten zulassen!

Wie viel Selbstwirksamkeit wird ein Kind empfinden, wenn es sich niemals selbst an- oder ausziehen soll? Wenn ihm noch im Vorschulalter das Essen in mundgerechte Bissen geschnitten wird, wenn es nie selbst um etwas bitten braucht, wenn es nicht klettern oder von einem Baumstamm hinunterhüpfen darf, wenn es niemals etwas zu Ende bringen oder durchführen soll?

Natürlich kommt es vor, dass auch eine unserer Töchter auf einer Eislacke ausrutscht, ein aufgeschlagenes Knie von der schnellen Rad-Kurve hat oder wirklich gar keine Motivation verspürt, ihr Instrument zu üben. Es gibt oft genug Momente, in denen auch unsere Kinder aufgeben möchten, das schwierige Puzzle wieder wegräumen, das harte-Karotten-Schneiden lieber wieder lassen. Doch genau diese Momente sind es auch, in denen ihre Selbstwirksamkeit „trainiert“ wird!

Es ist nicht immer alles leicht und lustig, manchmal geht auch etwas schief oder macht keinen Spaß. Dafür gibt es aber auch Erfolge und viel Freude!

Was Wasserlacken und Klavierüben gemeinsam haben

Als unsere jüngere Tochter noch im Kindergartenalter Klavier lernen wollte, haben wir uns das gut überlegt. Für uns war immer klar: mindestens ein Schuljahr wird durchgehalten! Mittlerweile haben wir die erste Krise schon überstanden, mit einer klaren Regel, dass täglich zur gleichen Zeit eine bestimmte Dauer geübt wird. Das war für sie und auch für uns Eltern zeitweise eine Überwindung (mit so manchen Diskussionen…), doch auch diese Herausforderung hat sie gemeistert und ist dadurch nicht nur disziplinierter geworden, sondern auch sehr stolz auf ihr Können! Mit jedem Ton und Lied, das sie lernt, merkt sie: ich kann etwas bewirken, ich halte durch!

Selbstwirksamkeit – gerade jetzt wichtig!

In einer Zeit wie dieser, wo Krisen, Probleme, verschiedene Sichtweisen und „Trends“ immer mehr werden, ist die Selbstwirksamkeit umso wichtiger. Zu wissen, dass man harte Zeiten überstehen und scheinbar überwältigende Probleme überstehen kann, gibt Hoffnung und Zuversicht. Lassen wir unsere Kinder etwas bewirken und geben wir ihnen Möglichkeit dazu!



EIN ARTIKEL VON
  • Elisabeth & Johannes Hackl

    Elisabeth und Johannes Hackl leben mit ihren Kindern, Hunden und Hühnern in Niederösterreich. Sie sind begeisterte Familienmenschen, Kindergartenpädagogen, Referenten für Natürliche Empfängnisregelung, Teilzeit-Selbstversorger, im Glauben verwurzelt und noch immer sehr verliebt ineinander!


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