27. August 2020

Vorbereitung auf den Schulweg

Vorbereitung auf den Schulweg - meinefamilie.at

Damit Kinder den Schulweg sicher und selbstständig bewältigen können, muss er geübt werden, aber auch richtig gewählt sein. Tipps zur Vorbereitung von der ÖAMTC-Verkehrspsychologin.

Anfang September ist es wieder soweit, für über 80.000 Erstklässler österreichweit beginnt der „Ernst des Lebens“. Nach bestandenem Schulreifetest liegt das Augenmerk vieler Eltern nun auf der sicheren Bewältigung des Schulweges. Ausgehend von einer Studie des ÖAMTC, wie sich Kinder im Straßenverkehr verhalten, haben wir die wichtigsten Tipps für die Vorbereitung auf den Schulweg für Sie zusammengestellt.

Wie verhalten sich Kinder im Straßenverkehr?

Um das Verhalten von Kindern im Straßenverkehr besser einschätzen zu können, führte der ÖAMTC in Zusammenarbeit mit dem Wiener Unternehmen „Viewpointsystem“ Untersuchungen mit fünf- bis neunjährigen Kindern durch. Diese sollten in Schwechat eine vierarmige, geregelte sowie eine ungeregelte Kreuzung mit Schutzweg überqueren. Dabei trugen sie Eye-Tracking-Brillen, die das menschliche Blickverhalten aufzeichnen. Mit Hilfe dieser Eye-Tracking-Aufnahmen wurde festgestellt, dass Fünf- bis Sechsjährige keinen Blickkontakt zu den Lenkern suchen. Auch der kontrollierende Pendelblick nach beiden Seiten wird in diesem Alter noch nicht angewandt.

Erst im Alter von sieben bis acht Jahren sind Kinder in der Lage zu lernen, Gefahren vorauszusehen. Es fehlt ihnen jedoch die Erfahrung, um beurteilen zu können, wie der Lenker reagieren wird.

Kinder zwischen acht und neun Jahren beherrschen den Pendelblick bereits besser, jedoch noch nicht sicher. „Dieser Blick nach links und rechts ermöglicht überblicksmäßig mehrere mögliche Gefahrenquellen zu erfassen und muss erst gelernt werden,“ meint die ÖAMTC-Psychologin Marion Seidenberger. Auch können Kinder noch nicht abschätzen, wie schnell ein Auto fährt und ob es vor dem Zebrastreifen noch stehen bleiben kann.

Gefahren vorbeugen und Umwege wählen

Erst ab einem Alter von neun Jahren können Kinder soweit mitdenken, um vorbeugende Verhaltensweisen zu setzen, wie z.B. einen Umweg zu gehen, wenn dieser sicherer erscheint.

Unabhängig vom Alter wurde beobachtet, dass Kinder im Volksschulalter überfordert sind, wenn sie mehrere Dinge gleichzeitig beachten müssen, wie z.B. auf die Ampel zu sehen und auf den Einbiege-Verkehr zu achten. Sie richten ihre Aufmerksamkeit auf ein Objekt, wie z.B. die Ampel und hasten über den Zebrastreifen, um die Überquerung der Straße schnell hinter sich zu bringen.

Roller besser schieben

Auch wenn Kinder die Straße mit einem Roller überqueren, sind sie so damit beschäftigt den Roller zu lenken, dass sie nicht mehr auf die Straße achten können. „Kinder sollten ihren Roller daher generell beim Überqueren der Fahrbahn schieben“, rät die ÖAMTC-Psychologin Seidenberger.

Wenn zwei Kinder gemeinsam eine Fahrbahn überqueren, übernimmt meist eines der Kinder die Führung und das andere Kind achtet nicht mehr auf den Verkehr. Daher kann nicht oft genug betont werden, dass die Kinder auch selbst immer auf die Straße schauen sollen.

Den Schulweg planen

Wichtig für die sichere Bewältigung des Schulweges ist neben intensiver Vorbereitung auch das Augenmerk auf eine gute Kreuzungseinsicht.

Nicht immer ist der kürzeste Schulweg der sicherste. Befinden sich auf dem Schulweg ein Zebrastreifen oder eine Ampel, ist es besser einen Umweg zu nehmen, um diese Einrichtung auch nutzen zu können. Wir nehmen z.B. einen Umweg von einer Viertelstunde in Kauf, um den befahrenen Gürtel meiden zu können. Gleichzeitig können wir so eine Strecke benutzen, die unser siebenjähriger Sohn bereits vom Kindergarten kennt.

Volle Konzentration auf den Schulweg

Tipps für den sicheren Schulweg - meinefamilie.at
Ablenkung ist am Schulweg gefährlich. Das Handy sollte in der Schultasche bleiben.

Nehmen Sie sich Zeit, den Schulweg mit dem Kind zu üben, z.B. an einem extra Nachmittag. Bitten Sie Ihren Partner oder andere Familienmitglieder, sich um Geschwisterkinder zu kümmern. Schalten Sie ihr Handy ab, sodass Sie sich ohne mögliche Ablenkungen voll auf den Schulweg konzentrieren können.

Den richtigen Zeitpunkt wählen

Ebenso sollte auf die Aufnahmebereitschaft des Kindes geachtet werden. Nicht zu jeder Tageszeit sind Kinder konzentriert und fähig einen neuen Weg einzutrainieren. „Eltern sollten die Aufmerksamkeit des Kindes stets im Blick haben und regelmäßig mit Lob motivieren,“ meint die ÖAMTC Expertin Seidenberger dazu.

Kurze, klare Anweisungen sind leichter einprägsam

Bei jedem Training sollte nur ein Thema, wie z.B. die Ampelnutzung kurz und klar erklärt und geübt werden. Nach einigen Wiederholungen empfiehlt es sich nachzufragen und das Kind die Übungssituation selbst erklären zu lassen. So kann kontrolliert werden, was tatsächlich beim Kind angekommen ist.

Mein Sohn und ich spielen manchmal Schule. D.h. er darf den Lehrer spielen, der mir als „neuem Schulkind“ erklärt, worauf man achten muss. Dabei gilt die Regel, dass er mir neben dem normalen Weg auch sicher begehbare Abkürzungen zeigen darf. So habe ich nicht nur einen Überblick darüber, wie gut er sich in der Gegend auskennt, sondern auch sein Selbstvertrauen wird enorm gestärkt.

Kinder haben ein anderes Sichtfeld

Dadurch, dass Kinder kleiner sind, haben sie oft noch keinen ausreichenden Einblick auf die Straßensituation. Um ihre Sicht besser nachvollziehen zu können, empfiehlt es sich, „in die Hocke zu gehen“, rät Verkehrspsychologin Seidenberger. Auch können Kinder Gefahren, die sich von der Seite nähern, aus den Augenwinkeln nicht erkennen.

An solch unübersichtlichen Stellen habe ich meinem Sohn schon oft erklärt, dass er langsam und vorsichtig ein kleines Stück auf die Straße gehen kann, um überhaupt herannahende Autos erkennen zu können. Vor allem wenn geparkte Autos die Sicht verstellen.

Kinder reagieren langsamer und sind leicht abzulenken

Im Vergleich zu Erwachsenen benötigen Kinder ungefähr doppelt so lang, um reagieren zu können. Auch sind sie leicht ablenkbar und können Gefahren noch nicht richtig einschätzen. Handys sollten daher am Schulweg immer in der Schultasche bleiben. Da Kinder bis zu zehn Jahren sich auch schwer tun, rechts und links zu unterscheiden, sollte ihnen beigebracht werden, prinzipiell in beide Richtungen zu schauen, auch bei Einbahnen oder Sackgassen.

Realistische Umstände zum Üben schaffen

In einem zweiten Schritt empfiehlt es sich, den Schulweg noch einmal unter realistischen Umständen zu üben. An einem Werktag, zur Stoßzeit, wo mehr Verkehr herrscht als am Wochenende sowie mit einer befüllten Schultasche ausgestattet. Ebenso mit den tatsächlichen Verkehrsmitteln, z.B. ein Stück zu Fuß und ein Stück mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ausnahmen besprechen

Unser Elternvertreter meinte, „sich den Schulweg zu merken sei ja an sich nicht schwer, die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, dass Kinder bei der kleinsten Änderung des normalen Ablaufes bereits überfordert sind.“ Wenn z.B. die U-Bahn eine Störung hat. Oder sie irrtümlich eine Haltestelle zu weit gefahren sind, bzw. sie in den falschen Bus eingestiegen sind, wenn mehrere Linien an einer Haltestelle fahren.

Es ist, mit dem Kind auch Ausnahmen zu besprechen, indem man Fragen stellt wie: „Was machst du, wenn eine Baustelle den Gehweg versperrt?“, rät die Verkehrspsychologin. „So lernt das Kind mitzudenken und selbst eine sichere Lösung zu finden.“

Ich habe mir angewöhnt, meinen Siebenjährigen auf ihm bekannten Strecken, wie zur Bibliothek oder zu Freizeiteinrichtungen, zu fragen, ob er die Gegend wiedererkennt. Meist erzählt er mir freiwillig, woran er sich orientiert, was er sich merkt, um zu erkennen ob wir schon aussteigen müssen oder nicht. So kann ich überprüfen, ob seine Erkennungsmerkmale kontinuierlich vorhanden sind, wie z. B. eine lange Mauer, die um die Kurve führt. Im Gegensatz zu einer Werbung, die monatlich wechselt und so nicht zuverlässig erkennbar wäre.

Unsere Vorbildrolle ernst nehmen

Sind Sie sich Ihrer Vorbildwirkung bewusst. Mein Sohn rügte mich z.B. vor ein paar Wochen, da ich ausnahmsweise ein wichtiges Telefonat am Gehsteig annahm und während dem Telefonieren eine unbefahrene Straße überquerte. Auch erzählte er mir, dass die Polizistin – welche die Klasse besuchte, um mit ihr das Überqueren der Straße zu üben – eine alte Dame abmahnte, die bei Rot über die Straße ging. Kinder sind gute Beobachter! Auch wenn wir alleine, ohne unsere eigenen Kinder unterwegs sind, sollten wir daher gute Vorbilder für andere Kinder sein.



EIN ARTIKEL VON
  • Regina Magdalena Smrcka

    Vor meiner Karenz meines Sohnes war ich in der direkten Pflege, aber auch im Leitungsteam, für die Betreuung von Menschen mit besonderen Bedürfnissen verantwortlich. Als Ausgleich dazu unterrichtete ich Kinderturnen. Derzeit vertrete ich als Texterin & Grafikerin EPUs bei ihrem Firmenauftritt. Jetzt unterstütze ich meinen Lebensgefährten im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinsam haben wir einen Sohn.


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