6. März 2018

Familien-Steuerbonus – ein kompliziertes Thema?

steuertipps für familien - meinefamilie.at

Das Steuerrecht macht derzeit keinen großen Unterschied, wie viele Personen von einem Einkommen leben müssen. Dies soll sich ab 2019 mit der Einführung des Familienbonus ändern! „Jeder, der ein Kind hat und arbeiten geht profitiert – besonders jene, die Steuern zahlen“, sagt Bundeskanzler Sebastian Kurz über den Familienbonus.

Konkret sollen es 950.000 Familien mit 1,6 Millionen Kinder sein, die sich über eine Steuerrückzahlung freuen können. 1.500 Euro Familienbonus in Form einer Lohnsteuerrückerstattung für jedes Kind, verspricht die Bundesregierung. Ab welchem Einkommen profitieren Familien von diesem Bonus und welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden? Meinefamilie.at hat für Sie die wichtigsten bisher bekannten Informationen zusammengestellt.

Für wen gilt der Familienbonus?

Familien, die Lohnsteuer bezahlen, sollen künftig bis zu 1.500 Euro pro Kind und Jahr als Steuergutschrift im Rahmen der Arbeitnehmerveranlagung wieder zurück erhalten. Der Familienbonus steht für Kinder bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres zu, sofern Anspruch auf Familienbeihilfe besteht und das Kind in Österreich lebt. Der Bonus kann von einem Elternteil in Anspruch genommen werden oder auf Vater und Mutter verteilt werden.

 

Ab wann soll der Familienbonus gelten?

Der Familienbonus soll mit 1. Jänner 2019 in Kraft treten. Familien können den Bonus dann erstmals 2020, wenn sie die Arbeitnehmerveranlagung 2019 machen, beantragen.

Was fällt weg?

  • Der Kinderfreibetrag in der Höhe von 440 Euro/Kind/Jahr; machen beide Elternteile den Freibetrag geltend, stehen jedem Elternteil 300 Euro zu.
  • Absetzbarkeit der Betreuungskosten – seit 2009 können Kinderbetreuungskosten bis zu 2.300 Euro/Jahr/Kind steuerlich geltend gemacht werden; das sind die unmittelbaren Kosten für die Kinderbetreuung (Kinderkrippe, Kindergarten, Tagesmutter, Kindermädchen, Hort, Nachmittagsbetreuung, Verpflegung, Bastelgeld, Kosten für Ferienbetreuung). Die Kosten müssen tatsächlich angefallen sein und das betreute Kind darf nicht älter als 10 Jahre sein.

Warum der Familienbonus eine Verbesserung ist?

Für steuerzahlende Eltern ist der Familienbonus aus drei Gründen eine Verbesserung:

  1. Die Kinderbetreuung zu Hause wird wertgeschätzt. Es gibt den Familienbonus, weil ein Kind zu versorgen ist und nicht, weil das Kind in einem Kindergarten oder Hort betreut wird, und die externe Betreuung Geld kostet.
  2. Kinder über das 10. Lebensjahr hinaus werden mit bis zu 1.500 Euro Bonus steuerlich berücksichtigt. Derzeit gibt es für Kinder nach dem 10. Lebensjahr nur den Kinderfreibetrag von 440 Euro; das bringt im Idealfall eine Steuerersparnis von 220 Euro.
  3. Für Studierende gibt es einen Familienbonus von 500 Euro. Das ist im Vergleich zur geltenden Freibetragsregelung von 440 Euro eine deutliche Verbesserung.

Ab welcher Einkommenshöhe profitiert man vom Familienbonus?

Meinefamilie.at hat ein paar Beispiele zusammengestellt und für verschiedene Einkommen den Familienbonus berechnet:

Brutto-Gehalt: 1.200 Euro/ Monat

Bei diesem Gehalt bleiben 1.020 Euro Netto, pro Monat fallen 180 Euro an Sozialversicherungsbeiträge an, die Lohnsteuer pro Jahr beträgt 86 Euro und wird mit dem Familienbonus rückerstattet.

 Brutto-Gehalt: 1.860 Euro/ Monat

Bei diesem Gehalt bleiben Netto 1.408 Euro, 337 Euro pro Monat beträgt die Sozialversicherungsbeiträge, die Lohnsteuer macht 115 Euro pro Monat aus. Über das Jahr gerechnet ergibt sich eine Lohnsteuer von 1.527 Euro; gibt es ein sorgepflichtiges Kind, wird mit dem Familienbonus nahezu die gesamte Lohnsteuer rückerstattet.

Brutto-Gehalt: 2.300 Euro/ Monat

Das bedeutet ein Nettoeinkommen von 1.642 Euro und eine jährliche Lohnsteuerbelastung von 3.083 Euro. Bei zwei Kindern unter 18 Jahren werden mit dem Familienbonus 3.000 Euro pro Jahr wieder rückerstattet.

Brutto-Gehalt: 3.000/ Monat

Dieses Brutto-Gehalt (2.041 Euro netto) bedeutet eine jährliche Lohnsteuerbelastung von 5.561 Euro. Sind drei Kinder zu versorgen, bleiben knapp 1.000 Euro Lohnsteuer übrig; bei vier Kindern wird die gesamte Lohnsteuer rückerstattet.

Wie kann ich jetzt Steuern sparen?

Der Familienbonus gilt ab 2019, bis dahin können Familien, die bisher geltenden Steuervergünstigungen wie Kinderfreibetrag, Absetzbarkeit der Betreuungskosten, Alleinverdienerabsetzbetrag und weitere Maßnahmen geltend machen. Zehn Steuertipps für Familien finden Sie auf der Homepage des Katholischen Familienverbandes.

Spezielle Anfragen werden kostenlos unter steuerinfo@familie.at beantwortet!

  • War dieser Artikel für dich hilfreich/interessant?
  • Ja   Nein


EIN ARTIKEL VON
  • Julia Standfest

    Als Mutter eines Sechsjährigen und Älteste in einem Dreimäderlhaus kenne ich den Familienalltag nur zu gut. Beruflich versuche ich die Anliegen und Bedürfnisse der Familien als Pressereferentin des Katholischen Familienverbandes an die Öffentlichkeit zu transportieren.



3 Kommentare
  • Anonymous, 13. März 2018, 20:32 Antworten

    Eins vorweg: ich profitiere aufgrund meines Einkommens und meiner 2 Kinder im vollen Umfang. Trotzdem ist die Maßnahme sozial ungerecht, als unabhängiges Medium solltet ihr daher auch diesen Aspekt ansprechen: Warum ist das Kind der Managerin mit hohem Einkommen mehr wert, als das Kind der Verkäuferin? Warum werden Menschen mit hohem Einkommen stärker entlastet als jene mit niedrigem Einkommen? Natürlich wird sich jeder gutverdienende Mensch mit Kinder freuen, die wirklich bedürftigen, armutsgefährdeten Menschen erreicht diese Maßnahme nicht. Die Geringverdienerin aus Beispiel 1 bekommt durch das Modell genau gar nichts mehr, ihre geringe Lohnsteuer wird ihr jetzt auch schon ersetzt. Ich finde wenn sich Kirche hier zu Wort meldet braucht es - ganz im Geiste von Papst Franziskus - eine eindeutige Positionierung für Arme und Bedürftige.

    • meinefamilie.at, 19. März 2018, 10:00 Antworten

      Vielen Dank für Ihre Nachricht! Unser Artikel dient der Information und soll eine Übersicht darstellen, wer von den steuerlichen Maßnahmen profitiert. Ihr Satz „Umso besser man verdient, umso mehr bekommt man zurück“ stimmt natürlich für jede steuerliche Maßnahme, egal ob Sie z.B. Spenden, Gewerkschaftsbeitrag oder Kirchenbeitrag absetzen, immer ist es so, dass der, der mehr bezahlt hat, durch eine Steuerreduktion auch mehr zurück erhält. Genau beim Familienbonus stimmt dies in vielen Fällen NICHT! Wer die Kinder-Steuerentlastung bisher genutzt hat und sehr hohe Steuer zahlte, hat – bei Kindern bis zum 10. Lebensjahr – keinen Vorteil gegenüber der bisherigen Regelung! Es profitieren die Einkommensbezieher mit kleinem und durchschnittlichen Einkommen – wenn nur überhaupt Lohn/Einkommensteuer bezahlt wird. Bei Kindern über dem 10. Lebensjahr – ab dem Kinder auch viel mehr kosten – kommt es zu einer höheren Steuerentlastung. Es gibt schon bisher steuerliche Möglichkeiten für Familien, diese fallen nun weg (Kinderfreibetrag und Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten bis zum 10. Lebensjahr des Kindes). Da diese progressiv wirkten, brachten sie umso mehr Steuerentlastung, je höher davor die Steuerbelastung war – am meisten profitiert hat bisher wer am meisten Lohn/Einkommensteuer bezahlt hatte.

      • Karl D., OÖ, 29. März 2018, 22:54 Antworten

        Ich halte den Familienbonus für einen wirklich großen Fortschritt in der Familienpolitik. Dieser wurde nicht zuletzt durch den beharrlichen Einsatz des Kath. Familienverbandes Realität. Was ich allerdings nicht verstehe ist die Tatsache, dass für Schüler und studierende Kinder über 18 lediglich ein Bonus von 500 Euro gewährt wird.Gerade in dieser Phase stehen viele Familien - vor allem im ländlichen Raum - vor der größten finanziellen Belastung, da ein Studium meist auch zwingend mit einem Zweitwohnsitz am Studienort verbunden ist. Für mich ist es unverständlich, dass der Kath. Familienverband einer akademischen Ausbildung der Jugend aus dem ländlichen Raum offenbar nicht die erforderliche Priorität einräumt und hier in der detaillierten Ausgestaltung des Familienbonus keine Korrektur mehr eingefordert hat. Das ist wirklich schade und wird auch von den betroffenen Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen überhaupt nicht verstanden.

Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at