26. November 2017

Spielideen für mehr Körperkontakt: Kindermassage & Co.


Praktische Tipps, wie Eltern das kindliche Bedürfnis nach Körperkontakt spielerisch im Alltag stillen können.

Kinder brauchen Körperkontakt! Meine beiden gerade sehr viel. Kein Wunder, wir stehen gerade in einer aufregenden Lebensphase mit vielen Veränderungen! Oft hängen sie dann an meinen Beinen, brauchen dringend Hilfe beim Anziehen und wollen auch beim Schlafen eng an mich gekuschelt liegen. Weil ich aber sowohl meine Beine als auch meinen Schlaf hin und wieder gerne für mich alleine habe, habe ich ein paar Möglichkeiten zusammengetragen, um das Bedürfnis meiner Kinder nach Nähe auch anders zu befriedigen. 

Rückenmassage für Kinder: Pizza backen

Wer freut sich nicht über eine Rückenmassage? Beim Pizzabacken wird der Rücken des Kindes als Teig eifrig geknetet. Zum Ausrollen des Teiges verwende ich gerne ein Klangholz, man kann den Teig aber auch einfach mit den Händen flach drücken. Danach darf das Kind sich verschiedene Zutaten auf der Pizza wünschen. So wird die erdachte Tomatensauce mit den Händen auf der Pizza verteilt, Champignons mit der Handkante am Rücken geschnitten und aufgelegt und Maiskörner rieseln den Rücken entlang. Ist die Pizza fertig, muss sie natürlich ins Rohr (z.B. das Bett) geschoben oder gezogen werden. Das finden Kinder oft ganz besonders lustig. Im Backrohr wird es nun natürlich heiß. Etwa unter einer Decke. Lieber reibe ich aber meine Hände fest aneinander, bis sie ganz warm sind und lege sie meinem Kind auf den Rücken. Kommt die Pizza aus dem Rohr heraus, blase ich auf den Rücken, damit sie auskühlt. Zum Schluß wird sie dann natürlich genussvoll gekostet. 🙂

Spielerisch aufräumen: Der Wegräum-Parcours

Wir bemühen uns (mal mehr, mal weniger) vor dem Schlafengehen, Ordnung ins Kinderzimmer zu bringen. Obwohl mein Mann und ich die Kinder tatkräftig unterstützen, ist das nicht ihre Lieblingstätigkeit. Mit diesem Spiel macht es mehr Spaß und die Kinder bekommen dabei extra Zuwendung.

Bevor die ganzen Spielautos wieder in die Garage fahren, fahren sie einmal am Arm oder Bein unserer Kinder hoch und auf der anderen Körperseite wieder herunter. Spieltiere traben, kriechen oder galoppieren ebenso noch einmal über den „Kinderberg“, bevor sie sich schlafen legen. So dauert das Aufräumen zwar etwas länger, die Kinder haben aber noch eine besondere taktile Erfahrung und unsere Aufmerksamkeit.

Eine weitere Idee, wenn das Spielzeug weitläufiger verstreut ist: das Kind am Rücken des Elternteils reiten lassen und Alles einsammeln.

Beim Eincremen Nähe schenken: Wellness-Behandlung

Meine Kinder haben recht trockene Haut und sollten öfter eingecremt oder eingeölt werden. Das ist  eine super Gelegenheit für schöne Qualitätszeit. Statt „Husch-Husch“ einzucremen, male ich meiner Tochter mit der Creme verschiedene Dinge auf die Haut oder schreibe kurze Botschaften mit dem Finger. Wurde das Werk begutachtet, wird die Creme dann verschmiert.

Bei einem Babymassagekurs habe ich außerdem einen kleinen wiederbefüllbaren Öl-Roller bekommen, der sich dafür auch wunderbar eignet.

Sonntags im Bett bleiben: Ratespiele am Rücken

Das war schon der Trick meiner Mutter, wenn sie morgens noch im Bett liegen bleiben wollte, wir Kinder aber um sie herumhüpften: Mit dem Finger etwas auf den Rücken des Kindes malen und das Kind musste erraten, was das ist.

Bei älteren Kindern kann so auch Lesen und Rechnen geübt werden. Statt Bilder müssen dann Worte und Rechnungen erkannt werden. Bei mehreren, schon geübten Kindern, kann mittels der Botschaft auf dem Rücken auch „Stille Post“ gespielt werden.

Frisuren wie Prinzessinnen: Frisiersalon

Immer wieder habe ich gehört, dass das gegenseitige Frisieren und Frisuren-Machen eine schöne Familienzeit sein kann, die sogar genoßen wird. Vor allem ältere Kinder dürften diese Art der Zuwendung schätzen. Das konnte ich mir lange gar nicht vorstellen.

Bei uns war das Frisieren bis vor Kurzem eine ziemliche Qual. Bis ich scheinbar mit dem Satz „Prinzessinnen machen jeden Tag hundert Bürstenstriche“ das Interesse meiner Tochter geweckt habe.

Jetzt wünscht sie sich täglich diese hundert Bürstenstriche, bei denen ich laut mitzählen muss. Und durch das regelmäßige gründliche Frisieren gibt es kaum Knoten, die reißen könnten und das Bürsten gleicht einer Kopfmassage.

Klassisch gut: Fingerspiele und Schoßreiter

Klassiker, die meines Erachtens nach aber oft unterschätzt werden. Kleine Sprüche, bei denen die Finger der Kinder nach der Reihe berührt werden oder die Kinder am Schoß sitzend bewegt werden, sind bei Kindern meiner Erfahrung nach länger beliebt, als man das vielleicht vermutet.

Die Nähe und Berührung von den Eltern wird einfach genossen. Meine Kinder mögen diese Fingerspiele so gerne, dass damit sogar das unbeliebte Nägelschneiden ruhig ablaufen kann.

Gemeinsam turnen: Akrobatik

Gemeinsam Kunststücke einzustudieren ist etwas ganz Besonderes und auch mit Kindern möglich, die nicht für ein Massagespiel ruhig sitzen bleiben. Ich liege gerne am Rücken und lasse meine Kinder auf meinen Fußsohlen liegend als Flugzeug fliegen. Anregungen findet man im Internet genug. Ich experimentiere da gerne mit meinen Kindern. Hat man aber keine turnerischen oder medizinischen Kenntnisse, um zu wissen, wie man die Kinder richtig hält oder sichert, würde ich mich nach Eltern-Kind-Turnen oder einem Akrobatik-Workshop umsehen.

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EIN ARTIKEL VON
  • Agnes Rehor

    Ich bin Kindergarten- und Hortpädagogin und habe Diätologie studiert. Seit 2013 bin ich verheiratet und habe zwei kleine Kinder. Mit meiner Familie wohne ich derzeit in Wien, träume aber vom Haus am Land – am Balkon übe ich fleißig das Gärtnern. Außerdem koche ich mit Begeisterung und liebe - nicht nur in der Küche - unkonventionelle Ideen.


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