31. August 2016

Spieletipps: Kinder lernen beim Spielen

Spieletipps - meinefamilie.at

Kinder wollen spielen! Und das Spielen ist wichtig für die Entwicklung. Welche Spielform ist für welches Alter geeignet? Was fördern die Spiele? Eine Übersicht.

Egal, wie alt, egal, wie groß: Spielen ist immer angesagt. Und beim Spielen selbst ist einzig und allein das Spiel an sich das Interessante. Oder etwa nicht? Es kommt auf den Blickwinkel an. Das Kind möchte Spaß haben, lachen, gewinnen, Zeit mit der Mutter, dem Vater, den Eltern, den Geschwistern oder Freunden verbringen. Die Eltern wollen mit dem Kind spielen, um ihm konkret und bewusst Zeit zu widmen, sie möchten, dass das Kind etwas lernt, sich weiter entwickelt und manchmal (oft?) auch, dass sich das Kind bzw. die Kinder allein bzw. gemeinsam beschäftigen, damit sie in Ruhe ihrer eigenen Tätigkeit nachgehen können.

Jedes Spiel hat also seinen eigenen Zweck, jede Art des Spieles birgt andere Herausforderungen, alle haben sie gemeinsam, dass sie Kinder – und Erwachsene – beschäftigen. Welche Spiele und Spielarten für welches Alter „die besten“ sind, lässt sich so wohl schwer beantworten – aber eine kleine Art der Hitliste konnte ich anhand meiner Umfrage im Freundeskreis erstellen. Und hier ist sie. Viel Spaß beim Durchforsten und Ausprobieren!

Guck-Guck-Spiel

Spieletipps für Kleinkinder - meinefamilie.at

  • Alter: ab Säuglingsalter bis etwa 1 Jahr
  • Art: persönlich, lokal
  • Spieleranzahl: 2
  • Ziel: Kennenlernen der Bezugspersonen, Freude

Das Baby liegt auf seiner Krabbeldecke oder im Bettchen, es sitzt im Hochstuhl oder auf dem Schoß eines anderen Erwachsenen. Ein größeres Kind oder ein Erwachsener hält sich mit beiden Händen die Augen zu, klappt die Hände auf und ruft: „Guck-Guck!“ Das Baby lacht und freut sich über das aufgetauchte Gesicht. Später versteckt sich das „Kleinkind“ auch selbst, indem es die Augen verdeckt: erste, wichtige Trennungserfahrungen, bei denen die Bezugsperson sofort wieder da ist.

Erweiterungsmöglichkeit für ältere Kinder: Mit dem Lied „Meine Augen sind verschwunden. Habe keine Augen mehr! Oh, da sind die Augen wieder und da freue ich mich sehr“ kann dieses Spiel in der Phase des Kennenlernens des eigenen Körpers sowie des Spracherwerbs erweitert werden. Nach den Augen versteckt man die Ohren, den Mund, die Nase… unendliche Möglichkeiten!

Handspiele und Reime

  • Alter: ab 8 Monate bis 3 Jahre
  • Art: persönlich, lokal
  • Spieleranzahl: 2
  • Ziel: Zuhören, Mitmachen, Verstehen, Bewegen, Spracherwerb

Finger- und Handspiele, die mit Reimen oder Liedern begleitet werden, gibt es unzählige und sie sind für kleinere Kinder in unendlichen Wiederholungen immer noch faszinierend. Hier ein kleines Beispiel:

Steigt ein Bübchen auf den Baum (der linke Unterarm wird senkrecht gehalten, die Finger gespreizt – dies stellt den Baum dar; Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand krabbeln auf dem Unterarm hinauf bis in die „Baumkrone“)

hoch hinauf, man sieht es kaum! (die Finger der rechten Hand sind ganz oben auf den Fingerspitzen der linken Hand angekommen)

Springt von Ast zu Ästchen (Zeige- und Mittelfinger hüpfen vom Daumen über die anderen Finger bis zum kleinen Finger der linken Hand)

Schaut ins Vogelnestchen (die linke Hand verwandelt sich in ein Vogelnest, die rechte „kuschelt“ sich hinein)

Ui, da lacht es! (linke Hand ist wieder Baum, rechte Hand spreizt die Finger)

Ui, da kracht es! (rechte Hand wird zur Faust geballt und auf die Handfläche der linken Hand gepatscht)

Bum, da liegt es unten. (rechte Hand wir auf den Bauch gepatscht)

Weitere Beispiele: Das ist der Daumen, Katzen können Mäuse fangen, Himpelchen und Pimpelchen

Verstecken

Spieletipps für Kleinkinder - meinefamilie.at

  • Alter: ab dem Moment, wo sie gehen können, aber keine Angst vor dem Alleinsein in einem Versteck haben, ca. 2 Jahre bis … 99
  • Art: „Ganzkörper“, Großraum, Bewegung
  • Spieleranzahl: mindestens 2
  • Ziel: Geduld üben, zählen lernen, Freude beim Finden, sich an Regeln halten

Ein Kind zählt mit geschlossenen Augen bis zur zuvor vereinbarten Zahl (kleinere Kinder mit Hilfe eines Erwachsenen oder größeren Kindes), die anderen Mitspieler verstecken sich in der Wohnung, im Garten, im Haus… Wichtig ist, dass sich die Kinder Regeln ausmachen, wo es erlaubt ist, sich zu verstecken, bis wie viel vor Suchstart gezählt wird, wer der nächste Sucher ist – der, der zuerst gefunden wird oder der, der zuletzt entdeckt wird – usw. Dann wird gesucht und die Gefundenen kommen aus ihren Verstecken heraus.

Erweiterungen: „1-2-3 abgepasst!“ Bei dieser Variante dürfen/müssen die Kinder aus dem Versteck herauskommen, wenn der Sucher unterwegs ist. Wer es zur vereinbarten „Abpassstelle“ schafft, bevor der Sucher ihn entdeckt oder selbst da ist, hat gewonnen. An der „Abpassstelle“ muss mit der Hand „abgepasst“ werden, d.h. der Baum, die Wand, der Sessel, der Tisch, was auch immer diese Stelle darstellt, muss berührt und die Losung „1-2-3 abgepasst“ gerufen werden.

Rollenspiele

Spieletipps für Kleinkinder - meinefamilie.at

  • Alter: ab 1 Jahr
  • Art: Rollenspiel
  • Spieleranzahl: 1 und mehr
  • Ziel: in andere Rollen schlüpfen, Spracherwerb, soziale Kompetenz, Vorstellungsvermögen, Fantasie

Kinder schlüpfen selbst in andere Rollen – beim Vater-Mutter-Kind- oder Schule-Spiel. Aber auch mit Puppen, Figuren (Lego, Playmobil, Schleich, McDonald‘s …), Stofftieren usw. stellen die Kinder verschiedenste Situationen nach, erfinden Handlungen, lassen „Personen“ ihrer Rolle entsprechend handeln und sprechen. Kinder ahmen in diesen Rollenspielen erlebte Personen nach, sie versetzen sich anhand der Puppe in eine andere Rolle und leihen ihr ihren Mund.

Bei diesen Rollenspielen erfahren Eltern beispielsweise viel mehr darüber, wie es in der Krippe oder im Kindergarten zugeht, als aus Erzählungen des Kindes.

Auch wird Eltern bei Rollenspielen oft ein Spiegel vorgehalten – sie sehen, wie das Kind die Mutter, den Vater, die Geschwister erlebt. Und es macht den Kindern ganz besonders Spaß, wenn die „Großen“ mitspielen. Besonders beliebt sind hier natürlich die bekannte Puppenjause, Vater-Mutter-Kind oder sämtliche Spielsachen wie Bauernhof, Zoo, Indianer usw. Beispiele sind hier immer nur ein Miniteil, da es eine Unmenge an Möglichkeiten gibt, wie, was, womit ein Kind Rollenspiele spielt.

Memory

Spieletipps für Kleinkinder - meinefamilie.at

  • Alter: 1+
  • Art: Gesellschaftsspiel, aber auch Haushalt, Förderung der Sinne
  • Spieleranzahl: 1 und mehr
  • Ziel: Gleiches erkennen visuell bzw. taktil/haptisch, Spracherwerb, Mithilfe, soziale Kompetenz, Spielregeln

Memory-Spiele gibt es in allen möglichen Varianten. Am bekanntesten sind sie als Kärtchen mit bunten Bildern, die auch gleich zum Sprechenlernen verwendet werden können.

Varianten: 

Sockenmemory: Als Mutter/Vater kann man sich im Haushalt Hilfe durch das Kind holen: Mehrere meiner Freundinnen und Freunde spielen „Sockenmemory“ mit ihren Kindern! Die gewaschenen Socken lassen sie ihre kleinen Kinder aus dem Wäschekorb zusammensuchen. Ich finde das genial. (Kontrolle ist anzuraten 😉 )

Tast-/Geruchs-/Gehörsinn: In kleine Stoffsäckchen eingenähte Gegenstände können „blind“, weil verborgen, ertastet werden, auch hier sollen Paare gefunden werden. Diese Variante kann man sich auch für den Geruchs- und Gehörsinn selbst basteln! Kleine Dosen unterschiedlich befüllen, schütteln, hören, vergleichen. Für den Geruchssinn müssten kleine Löcher gestochen und gut bzw. stark und unterschiedlich duftende Füllungen gewählt werden.

Bausteine

Spieletipps für Kleinkinder - meinefamilie.at

  • Alter: 1+
  • Art: Bauen und Gestalten
  • Anzahl: 1 und mehr
  • Ziel: Formen kennen lernen, Statik erproben, Kreativität fördern, Konzentration, soziale Kompetenz, Feinmotorik

Bausteine in all ihren Varianten von Holzbauklötzen über Moosgummi- bis hin zu Korkbausteinen, aber auch Duplo, Lego, Brito, Kapla und wie sie alle heißen beschäftigen Kinder sinnvoll und ausdauernd. Je mehr Kinder bauen, umso wichtiger wird die soziale Kompetenz, wenn das Kind alleine – selbstvergessen – spielt und spielen darf, fördert es die Konzentration. Wichtig, liebe Eltern, wenn wir nur zum Bestaunen gerufen werden: Lasst das Bauwerk stehen! Fordert nicht gleich das Aufräumen ein.

Musikinstrumente

Spieletipps für Kleinkinder - meinefamilie.at

  • Alter: 1+
  • Art: Geräusche
  • Anzahl: 1 und mehr
  • Ziel: Geräusche kennen lernen, erfahren, üben, Spaß

Vom Kochtopfdeckel bis hin zur E-Gitarre: Kinder lieben es, verschiedene Geräusche zu erzeugen, egal womit. Für Eltern ist dieses Spiel oft schwer zu ertragen, für die Kinder ist es aber sehr wichtig, herauszufinden, was welches Geräusch erzeugt. Im Moment ist ihre Welt die Küche, das Wohnzimmer, das Kinderzimmer. Und in der Welt „da draußen“ kann ein gut geschultes Gehör von großem Nutzen sein – heranfahrende Autos, krachende Äste im Sturm, bellende Hunde …

Basteln, Fädeln, „Gatschen“

Spieletipps für Kleinkinder - meinefamilie.at

  • Alter: 1+
  • Art: Geschicklichkeit
  • Anzahl: 1 und mehr
  • Ziel: Geschicklichkeit, Feinmotorik, Kreativität, Spaß

Holzperlen auffädeln, eine großartige Beschäftigung über längere Zeiträume hinweg – dabei beginnt man mit großen Kugeln und Lederbändern, später, je älter das Kind ist, werden die Fädelgegenstände kleiner. Beim Basteln ist für den Anfang Salzteig (ungiftig), Knetmasse (unterschiedlich!) oder Keksteig ideal, später kommen Werkzeuge wie Schere, Klebstoffe dazu und es wird auch Papier und Karton verbastelt. Wunderbar sind auch Fingerfarben für Kinder – großflächiges Malen mit den Fingern oder den ganzen Händen. Und was gibt es Schöneres als einen großen Karton, aus dem ein Haus gebaut wird, in das man auch noch hineinkriechen kann! Für Kinder – egal welchen Alters – ist die Sandkiste ein Paradies. Bauen, buddeln, graben – welch eine Wonne!

Kartenspiele

Spieletipps für Kleinkinder - meinefamilie.at

  • Alter: 3+
  • Art: Kartenspiele
  • Anzahl: 2 und mehr
  • Ziel: Farben, Formen, Zahlen, Buchstaben kennen lernen, Spielregeln einhalten, verlieren können, soziale Kompetenz

Zu diesen Spielen gehören die bekannten wie UNO, Mau-Mau, Quartett, Schwarzer Peter usw. Hierbei ist aber zu empfehlen, kleinere Kinder nicht zu überfordern. Wenn sie nicht mehr wollen, dann wollen sie nicht mehr. Das äußert sich vor allem darin, dass sie versuchen, die Regeln nach ihren Vorstellungen zu verändern. Es ist besser, eine Pause einzulegen und erst am nächsten Tag wieder zu spielen, als zwanghaft die Runde fertig zu machen.

Wichtig ist, dass die Kinder lernen, dass es eben bestimmte Regeln gibt, die für alle gleichermaßen gelten.

Gesellschaftsspiele

  • Alter: 3+
  • Art: Gesellschaftsspiele, Brettspiele
  • Anzahl: 2 und mehr
  • Ziel: Spielregeln einhalten, verlieren können, soziale Kompetenz, Geschicklichkeit, Strategien entwickeln

Gesellschaftsspiele eignen sich für die ganze Familie. Zu bedenken ist, dass die Altersangabe auf der Verpackung ihre guten Gründe hat. Wenn der Vierjährige mit der achtjährigen Schwester ein Spiel spielen soll, das ab 8 Jahren geeignet ist, wird er bald die Lust daran verlieren – sei es, weil er nicht lesen kann, sei es, weil seine Fähigkeit, Strategien zu entwickeln noch nicht genügend ausgeprägt ist. Diese und andere Fähigkeiten gilt es schön langsam mit geeigneten Spielen zu entwickeln. Umgekehrt wird auch die große Schwester beim Spiel für Vierjährige bald lustlos dabei sitzen. Ein Kompromiss wird bestimmt gefunden.

Beispiele:

  • Mensch, ärgere dich nicht (genau das lernt man bei diesem Spiel!)
  • Domino (zählen, Gleiches erkennen – gibt es mit Augen, Bildern, Text/Bild usw.)
  • Halma (das Spiel mit dem Stern, von dessen einer Zacke man seine Spielfiguren zur anderen Zacke wandern lassen muss, man darf in bestimmte Richtungen jeweils über eine andere Figur hüpfen)
  • Mühle, Dame, Schach (das wird oft schon im Kindergarten gespielt – faszinierend, wie rasch Kinder das Spiel der Könige erfassen!)

Zum Schluss noch eine Anmerkung, was die Altersangabe bei den Spielen betrifft: Der Altersabstand zwischen meinem mittleren und dem kleinen Sohn beträgt 6,5 Jahre. Das ist gerade bei Gesellschaftsspielen ein enormer Unterschied. Tatsache ist aber, dass der Kleine fast keine Spiele für „ab 6-Jährige“ spielt, sondern mit den großen Geschwistern Spiele „ab 10“. Manchmal denke ich mir, dass das schade ist und hole die Spiele für seine Alterskategorie heraus – er spielt sie sehr gerne – aber mit den großen Geschwistern zu spielen, macht ihm auch viel Spaß. Wir mussten nur herausfinden, welche Spiele das sind. Momentan lieben unsere Kinder (7, 14, 16 J.) „Siedler von Catan“ (ab 10 J.), „7 Wunder“ (ab 10 J.) und „Candamir“ (ab 12 J.).



EIN ARTIKEL VON
  • Gabriela Paul

    Ich bin Mutter von drei Kindern. Nach meinem Germanistikstudium arbeitete ich jahrelang im Marketing. Dann entschied ich mich zu einer 180°-Wende und wurde römisch-katholische Religionslehrerin. Jetzt unterrichte ich Religion und Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund.


Jetzt kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

meinefamilie.at