17. April 2015

Kinderlebensmittel: Überflüssig und ungesund


Kinderlebensmittel sind nicht nur praktisch fix-fertig, sie enthalten angeblich auch das Beste fürs Kind. Ein Vergleich des “Konsument” zeigt das Gegenteil.

Im Supermarkt hat man schon fast den Eindruck, normale Lebensmittel sind für Kinder gar nicht geeignet – so groß ist das Angebot an Lebensmitteln speziell für Kinder. Die Regale sind voll mit Lebensmitteln in bunten Verpackungen, solchen mit lustigen Figuren, mit Comics, Rätseln, Glitzer & Co. Und das Angebot wächst – die Kleinen jeden Alters könnten zu jeder Tageszeit allein mit Kinderlebensmitteln versorgt werden. Die Verpackungen versprechen Produkte, die besonders lecker und trotzdem gesund sind, die wichtige Nährstoffe enthalten und Portionsgrößen haben, die auf Kinder zugeschnitten sind. Und natürlich machen es die bunten Farben und schönen Bilder auf der Verpackung nicht leichter, die Produkte nicht zu kaufen. Vor allem, weil die Werbung wirkt – insbesondere bei Kindern.

Kinderlebensmittel versprechen mehr, als sie sind

So mag der Hausverstand einem vergewissern, dass ein selbstgekochtes Menü gesünder ist als ein aus Plastikpackungen Zusammengestelltes. Und auch, dass Kinder nicht eigene Lebensmittel brauchen, sondern sehr wohl Joghurt ohne Spongebob- oder Glitzer-Verpackung essen können. Wenn aber die Zeit oder Lust knapp wird, können die fertigen Packungen verlockend sein. Dagegen kann es guttun, wieder einmal versichert zu werden, dass mit Werbung Geld gemacht werden soll und dabei gerne mal mit Versprechen zu dick aufgetragen wird – das gilt auch für Kinderlebensmittel.

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat für sein Testmagazin “Konsument” (Nr. 3/2015) 10 Kindermahlzeiten zusammengestellt, 5 davon mit selbst gekauften Kinderlebensmitteln, die anderen 5 sind selbst zubereitete Mahlzeiten. So wurde als „erste Zwischenmahlzeit“ ein Salamibrot mit Karotte mit einer Packung „Kinder Maxi King“ und einer Flasche „Rauch Yippie Cherry“ verglichen. Oder als „zweite Zwischenmahlzeit“ das „Kuchenmeister Kinderhörnchen“, die „Siggi Kakaomilch“, und das „Nestlé Joghurt mit Smarties“ – Lebensmittel, die für Kinder gemacht sind. Im Vergleich dazu: eine Mischung aus einem halben Becher Naturjoghurt und einem halben Becher Fruchtjoghurt, einem Doppelkeks und einer Kiwi.

Kinderlebensmittel haben mehr Zucker, Fett und Kalorien

Das Fazit des “Konsument” bestätigt den Hausverstand: Das Menü selbst zu machen zahlt sich aus. Deutlich wird sofort der Kalorienunterschied: Während das Hörnchen-Kakao-Smarties-Paket 616 Kilokalorien hat, kommt die Joghurt-Keks-Alternative mit 254 Kilokalorien aus. So beinhalten die fix und fertig eingekauften Lebensmittel etwa 500 Kilokalorien mehr, außerdem mehr Salz, Fett und viel mehr Zucker. Das selbstgekochte Essen aus frischen Zutaten ist für eine ausgewogene, gesunde Ernährung einfach am besten. Kinderlebensmittel sind teuer und überflüssig, genauso wie die in der Werbung versprochenen Extra-Vitamine und -Nährstoffe, schreibt der “Konsument”. Selbst zu wissen, was im Essen steckt, ist auch eine gute Motivation, selbst zu kochen.

Finger weg von Kindergetränken

Und es sind nicht nur die Kinderlebensmittel, auf die Eltern verzichten sollten. Besonders ungesund sind auch Kindergetränke. Auffällige Farben, bekannte Figuren aus dem Fernsehen und praktische Drehverschlüsse mögen ansprechend sein, doch damit sind überschüssige Kalorien schnell getrunken. Zwar können Kinder gar nicht über ihren Durst hinaustrinken. Und wenn Kinder durstig sind, trinken sie drauflos – doch Eltern müssen achtsam zu sein. Selbst einen Liter Apfelsaft zu trinken heißt umgerechnet, 24 bis 30 Zuckerwürfel zu essen! Da hilft auch die Aufschrift “kein Zucker zugesetzt” nichts. Wie die Autoren des “Konsument” (4/2015) schreiben, ist sie nichtssagend und zu reinen Werbezwecken auf der Verpackung, denn die Süße im Apfelsaft muss immer vom Apfel kommen. Zugesetzter Zucker ist nicht erlaubt. Trotzdem: Obstsäfte sollten Kinder ausschließlich in kleinen Mengen und mit Wasser verdünnt trinken. Da tut das gute alte Wasser tut nach wie vor seinen besten Dienst.

Weitere Informationen und Testergebnisse zum Thema: Kinderlebensmittel und Fertigmenüs für Kinder

Passend dazu: Vollwertkost leicht gemacht und Gesunde Ernährung für meine Familie

Titelbild © Bilderbox.com

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EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Steindl

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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