9. März 2015

Stephansdom: Ein Wahrzeichen zum Entdecken


Bei den Kinderführungen im Stephansdom ist von Jahreszahlen keine Rede. Wichtig ist, dass die Kinder entdecken, selbst finden und Geschichten hören.

„Hast du schon einmal Pizza Margerita gegessen? Ich heiße so ähnlich: Margareta.“ So stellt sich Margareta Chwatal den Kindergartenkindern vor, bevor sie die Gruppe durch den Stephansdom führt. Die Fünf- und Sechsjährigen gehören zu den Jüngsten ihrer Führungsteilnehmer. Von Jahreszahlen ist da noch keine Rede, auch die Geschichte ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass die Kinder etwas entdecken, selbst finden, schauen dürfen und Geschichten hören.

Beginn beim Fenstergucker im Stephansdom

Den berühmten Fenstergucker im Kanzelpfeiler entdecken die Kleinen daher zuerst hinter einem kleinen Fenster aus Holz, das Margareta Chwatal mitgebracht hat. Jeder darf einmal eine der Fenstertüren öffnen, um einen Teil vom Bild zu sehen. „Der schaut aus wie der Nikolaus!“, ruft ein Kind, als die Gruppe anschließend den „richtigen“ Fenstergucker entdeckt. Bei der Kanzel selbst gehen die Kinder im Gänsemarsch um das Geländer, um all die Steintiere zu sehen, die dort klettern.

Auch, als Chwatal eine Stunde später eine Klasse Zwölfjähriger durch den Dom führt, dürfen alle eine Runde ums Geländer der Kanzel marschieren, um die Tiere darauf zu entdecken: einerseits Frosch und Kröte, die gern im Dunklen leben, und andererseits die Schildkröten oder Eidechsen, die die Helligkeit mögen – und gegeneinander kämpfen. „Und wie könnte man noch dazu sagen?“, fragt Chwatal. Die Kinder verstehen: „Gut gegen Böse!“

Führung zum Entdecken und Geschichtenhören

Sagen und Geschichten hören vor allem die Jüngeren bei ihrer Führung durch den Stephansdom. So erfahren sie bei der Statue der „Dienstbotenmuttergottes“ im rechten Seitenschiff den Hintergrund für ihren Namen. Sie hören von der armen Dienerin, die beschuldigt wurde, einer reichen Frau ihren Ring gestohlen zu haben. Und aus Verzweiflung oft in den Stephansdom gekommen ist, um zu Maria zu beten – sie war doch unschuldig! Schlussendlich hat die Dame ihren Ring im Handschuh wiedergefunden: ihr eigener Fehler, eine falsche Beschuldigung. Sie nimmt die Dienerin zu sich und entlohnt sie für ihre Arbeit gerecht. Warum aber ist ihre Statue so dunkel? Die Kinder raten: Ist sie aus Metall, aus Wachs, aus Bronze? Nein, sie ist genauso wie alle anderen Statuen und der ganze Dom aus Sandstein gebaut, nur haben so viele Leute Kerzen bei ihr angezündet, dass sie ganz verrußt ist.

Individuelle Führungen, ganz verschieden

Margarete Chwatal passt ihre Führungen gerne an die Kindergruppen an. Abgesehen von den unterschiedlichen Angeboten – bei den Namenstagführungen gehen die Kinder zum Beispiel auf die Suche nach der Statue ihres Patrons – darf eine Mittelschulklasse gar in die Katharinenkapelle, wenn sie schon ein zweites Mal hier ist. Hier soll schon Mozart seine Kinder getauft haben. Darauf können sich die Schüler aber gar nicht mehr so recht konzentrieren, sind sie doch mit den Gedanken schon bei den Katakomben, die sie danach sehen werden – für manche besonders spannend, für andere eher furchterregend… Dabei betont Chwatal aber: Wie auf jedem anderen Friedhof ist auch in jenem unter dem Stephansdom kein Platz für Späße und Monstergeschichten. Auch die Katakomben sind dazu da, den Toten zu gedenken.

Von Altären bis Fernsehern

Vom Wiener Neustädter Altar – die Kinder können ihn mit der aufklappbaren Schultafel vergleichen, sofern sie in der Klasse überhaupt noch eine haben – zum Kaisergrab. Chwatal betont: „Da liegt der Kaiser wirklich drin, auch wenn manche Bücher anderes behaupten.“ Dann zur Gedenktafel, die zeigt, welches Bundesland nach dem Krieg wofür im Stephansdom gespendet hat – das niederösterreichische Wappen ist am Boden zum Beispiel ja groß zu sehen: An den wichtigsten Orten im und vor dem Stephansdom bekommen die Kinder die wichtigsten Infos. Und zwischendurch fragt eine Schülerin: „Warum braucht man in der Kirche eigentlich Fernseher…?“

Vor dem Stephansdom: Turm und Friedhof

Für die Kindergartenkinder endet die Tour nicht mit den Katakomben. Sie werfen draußen noch einen Blick auf den Südturm, auf die Spuren vom ehemaligen Friedhof rund um die Kirche und lauschen bei der Statue hinter dem Dom der Geschichte vom „Zahnwehherrgott“. Den Kindern scheint der frische Wind nichts auszumachen, sie stimmen am Ende in einen lauten „Mir hat’s voll gefallen!“- Chor ein.

Anmeldung und Information

Gruppenanmeldungen für Kindergruppen zwischen 5 und 14 Jahren
Anmeldung Montag bis Freitag von 8-15 Uhr unter:
+43 (0) 1 515 52 – 3054
tour@stephanskirche.at
www.stephanskirche.at

Margareta Chwatal, Domführerin
+43 664 4622007
m.chwatal@edw.or.at

Private Anfragen ab 15 Kindern oder zum Pauschalpreis 60 €

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EIN ARTIKEL VON
  • Lucia Reinsperger

    Bevor ich journalistisch tätig wurde, machte ich die Ausbildung zur Kindergarten- und Hortpädagogin, leitete verschiedene Kindergruppen und arbeitete als Medienpädagogin. Nach Abschluss meines Journalismus-Studiums unterstütze ich nun mit Freude die Redaktion von meinefamilie.at.


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