19. Februar 2016

„Hänsel und Gretel“ als Oper erleben

Hänsel und Gretel - meinefamilie.at

Ein Märchen zum Erzählen, Singen und Spielen – Engelbert Humperdincks Vertonung von „Hänsel und Gretel“ lässt sich mit allen Sinnen erleben! Warum unsere Vierjährige so begeistert von diesem Märchen ist.

Bestimmt kennst du Kinderlieder wie „Suse, liebe Suse“ oder „Ein Männlein steht im Walde“, die schon fast Volksliedcharakter haben. Wie steht es mit „Brüderchen, komm tanz mit mir“? Oder dem berühmten Abendsegen? Ah, da kommen wir der Sache schon näher! Denn darauf will ich hinaus: All diese bekannten Lieder wurden von Engelbert Humperdinck in einer Oper vereint: „Hänsel und Gretel“.

Begonnen hat es damit, dass wir unsere Tochter (völlig ohne pädagogische Hintergedanken) mit der orchestrierten Version dieser Lieder bekannt machen wollten, sie jedoch sofort Feuer fing. Ganze Autofahrten lang (mehrmals die Woche bis zu anderthalb Stunden) wurden die Lieder gespielt, bis wir zum Schutz unserer eigenen Ohren das Repertoire erweitern mussten und somit nach und nach die ganze Oper auf der Tagesordnung stand.

„Hänsel und Gretel“ ist ein besonderes Märchen für unsere Vierjährige

Es mag seltsam klingen, aber Humperdincks „Hänsel und Gretel“ ist keine sogenannte Kinderoper, selbst wenn sie ein Märchen erzählt und Kinderlieder enthält. Die Musik ist großartig und mitreißend, jedoch relativ anspruchsvoll und komplex. Und doch haben wir das Gefühl, dass unsere Vierjährige mit Hilfe der Musik und der gesungenen Texte einen besonderen Zugang zu diesem Märchen erhalten hat. Denn auch wenn sie andere Märchen gerne vorgelesen bekommt und gut kennt, so ist dies kein Vergleich zu „Hänsel und Gretel“. Hier kann sie mitsingen, die Melodien verschaffen ihr eine Orientierung in der Handlung und sie setzt sich in ganz anderer Weise mit dem Stoff auseinander, stellt noch mehr Fragen und hinterfragt kleinste Details.

Bald entstand auch der Wunsch, sich die Oper anzusehen; online findet man ja unzählige Aufnahmen und sogar eine komplette Verfilmung, in die sie völlig gebannt und ohne Wahrnehmung ihrer Umgebung eintauchte. Aber damit nicht genug: nein, es musste auf einer richtigen Bühne sein! Und da können wir nur von Glück sprechen, in Wien zu leben, denn hier ist das Angebot wahrlich reichhaltig. Zwar hegten wir anfangs Zweifel, ob es nicht zu früh sei, sie in eine Vorstellung „für Große“ mitzunehmen, doch diese stellten sich als völlig unbegründet heraus. Kein Zappeln, kein Reden oder sonstige typisch kindlichen Verhaltensmuster – ganz im Gegenteil: zweieinhalb Stunden volle Konzentration.

Was uns wieder ins Bewusstsein rief, dass Kinder im Grunde vorgeben, was sie interessiert und demnach förderungswürdig ist. Denn dann sind sie sehr gut fähig, sich über einen längeren Zeitraum auf eine Sache zu konzentrieren.

Wie funktioniert Theater eigentlich?

Die Vorstellungen führten auch zu einer genaueren Beschäftigung mit Theater an sich. Denn was machen die Charaktere, wenn sie nicht auf der Bühne sind? Hänsel sieht zwar aus wie Hänsel, wenn er sich am Ende verbeugt – aber ist er dann noch Hänsel? Der zerbrochene Krug ist bei der nächsten Vorstellung wirklich wieder ganz? Alles berechtigte Fragen, die einer Erklärung bedurften. Im Alter von vier Jahren wird ja noch alles für bare Münze genommen, Fabeltiere und Hexen haben eine täuschend echte Präsenz in den Köpfen der Kleinen. Dass alles nur gespielt ist und die Figuren nur verkleidet sind, erscheint uns zwar selbstverständlich, eröffnet für Kinder jedoch eine völlig neue Dimension! Und so war es auch, als wir in die Oper gingen…

Ihnen ist vielleicht die seit bereits Jahrzehnten im Repertoire stehende Produktion an der Volksoper bekannt, die noch so manch eigene Kindheitserinnerungen wach werden lassen mag. Das Marionettentheater Schönbrunn spielt eine gekürzte Version, die mit einer Dauer von einer Stunde ganz gut zum Einsteigen ist. Neu auf dem Spielplan – und sehr liebevoll gestaltet – ist die Inszenierung an der Wiener Staatsoper. Dort ist nun auch ein detailgetreues Papiertheater erhältlich – und so kommen nun wir Eltern in den Genuss regelmäßiger Folge-Aufführungen, die unser Mädchen mit einer begeisterten Genauigkeit nachzuspielen pflegt!

Habe ich dich angesteckt? Dann denken Sie jetzt bestimmt, großartig, die Weihnachtszeit – und damit die Vorstellungen von „Hänsel und Gretel“ – sind gerade vorbei! Jedoch möchte ich vorausschicken, dass sich unser Kind ein halbes Jahr lang mit der Oper vertraut gemacht hat, bevor sie sie live erleben durfte. Also: Es bleibt noch genügend Zeit, sich auf die nächsten Aufführungen vorzubereiten!



EIN ARTIKEL VON
  • Sabine Láng

    Immer schon von der französischen Sprache fasziniert, nützte ich mein Studium der Theaterwissenschaft, um neben Wien auch in Paris zu studieren. Heute kann ich Französisch beruflich nützen. Mein Mann und ich haben die schöne Aufgabe, unsere 3-jährige Tochter an die Musik heranzuführen!


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